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Achim Kluck

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Lanzarote neu entdecken
15.04. bis 29.04.2012

Teil 1

Als es feststand, dass wir im August für zwei Wochen nach Island zum Angeln fliegen, wollte ich im Frühjahr gerne noch einmal nach Dahme zum Dorschangeln fahren. Doch bei dem Wetter, welches in diesem Winter herrschte (es war zeitweise sehr kalt, Schnee gab es jedoch fast keinen) wollte ich es endlich wieder einmal warm haben. Bei dem Gedanken an Wärme fiel mir sofort Lanzarote ein. Wir waren zwar erst im November dort gewesen, aber ich sehnte mich nach Sonne und blauem Himmel. Und den gab es garantiert auf Lanzarote.
Als ich Achim von meinen Überlegungen erzählte war er sofort damit einverstanden. Gleich nach Feierabend  fuhren wir zu unserem Reisebüro in Oerlinghausen und fragten nach, ob noch etwas im April zu bekommen sei. Der einzige Direktflug von Paderborn nach Lanzarote war Sonntag, der 15 April sagte man uns im Reisebüro.
Nachdem alles in trockenen Tüchern war fieberte ich nur noch diesem Tag entgegen. Bei unserer Buchung im Reisebüro hieß es wir würden in Paderborn um 5 Uhr morgens abfliegen. Doch als wir ein paar Wochen unsere Tickets bekamen stand auf den Tickets eine andere Uhrzeit. Der frühe Flug war restlos gestrichen worden, stattdessen war als Abflugzeit 14.30 Uhr angegeben. Und auch der Rückflug, der eigentlich für den Nachmittag vorgesehen war, war auf 8.15 Uhr vorverlegt worden.
„So ein Mist!“ meinte ich zu Achim. „Dadurch gehen uns fast 2 Tage auf Lanzarote verloren.“
Es war zwar ärgerlich, aber wir konnten es nun einmal nicht zu ändern. Air Berlin, so hörten wir, hatte viele Flüge kurzerhand gestrichen. So konnten wir froh sein, dass wir wenigstens noch diesen Direktflug bekommen hatten.
Von einem Kollegen, der zur gleichen Zeit mit Air Berlin nach Fuerteventura flog,  hörte ich dass auch sein Flug vom Vormittag auf den Nachmittag verlegt worden war. 
Auch der Frühling wollte in Europa nicht so richtig in die Gänge kommen. Bis auf zwei, drei Tage Ende März, wo das Thermometer schon mal über 15 Grad kletterte, war es saukalt und feucht.
Ich konnte es kaum erwarten endlich auf meiner geliebten Insel zu sein.

Samstag, 14. April
Am Abend vor dem Abflug brachten wir unsere Koffer zum Vorabend-Check-In. Achim hatte sich einen Taucheranzug und Schwimmflossen bestellt und dieses Mal bei der Fluglinie ein Sportgepäck (Taucherausrüstung) angemeldet. So konnten wir kostenlos 15 kg mehr mitnehmen. Eine Angelausrüstung zählt bis heute noch nicht zum Sportgepäck. Warum das nicht so war konnte und wollte ich einfach nicht verstehen. Wo es inzwischen doch so viele Angler gab, die auch im Urlaub auf ihr Hobby nicht verzichten wollten. Aber es blieb uns nichts anderes übrig, als unsere Angelruten, -rollen und was man sonst noch zum Angeln braucht, wie schon früher im Koffer zu verstauen.
Dieses Mal, so hatte ich mir vorgenommen, würde ich nicht so viele Sachen mitnehmen. Doch als mein Koffer gepackt war und Achim ihn wog zeigte die Waage wieder fast 30 kg an. „Was hast du denn wieder alles eingepackt? Ich dachte, du wolltest nicht so viel mitnehmen.“
„Habe ich auch nicht!“ entgegnete ich pikiert.
„Dann verstehe ich nicht warum dein Koffer schon wieder so voll ist.“
Das konnte ich Achim auch nicht sagen. Ich hatte wirklich weniger Hosen, weniger T-Shirts und auch keine Laufschuhe mit.
Als wir unsere Koffer auf die Waage stellten bekam ich doch etwas Herzklopfen. Aber zusammen wogen unsere beiden Koffer keine 50 kg. Und auch beim Sportgepäck ging alles glatt. 15 kg waren erlaubt, 9 kg wog die Reisetasche nur. Die Bordkarten konnten wir dieses Mal nicht sofort bekommen, da die Verbindung zum Flughafen Paderborn gestört war.
Erst als die Koffer aufgegeben waren konnte ich wieder durchatmen. Zu Hause gingen wir sogleich zu unserem Italiener. Grischa und Heike waren schon da. Als Nike mich sah strahlte sie über das ganze Gesicht. Mein Schwager Willi und seine Freundin Uschi waren ebenfalls dort. Wir verbrachten e gingen in paar gesellige Stunden bei Marcello bis Nike fast die Augen zufielen und wir uns verabschiedeten.

Sonntag, 15 April (Hinflug)
Wären wir tatsächlich um 5 Uhr gestartet, dann hätten wir schon um 2 Uhr aufstehen müssen. So konnten wir am Flugtag noch ausschlafen (was bei mir bedeutete, dass ich statt um 5.30 Uhr erst um 6 Uhr wach wurde) und uns in Ruhe fertig machen.
Punkt 12 Uhr saßen wir im Auto und fuhren zum Flughafen Paderborn-Lippstadt. Dieter und Gudrun waren am selben Tag nach Mallorca geflogen. Ihr Flug ging um 5.30 Uhr. Wenn es bei unserem Fug um 5 Uhr geblieben wäre hätten wir uns auf jeden Fall dort noch getroffen. Aber ihr Flug ging wie geplant.
Dieses Mal gab es beim Einchecken keine Probleme. Ich hatte mein Notebook und mein Tablet-PC sofort aus dem Bordcase genommen und alles was ich bei mir trug in die Kiste auf dem Laufband gelegt. Als ich durch die Schleuse war konnte ich meine Sachen sofort wieder an mich nehmen.
Wir hatten den Wunsch geäußert beim Notausstieg sitzen zu dürfen, weil man dort mehr Beinfreiheit hat. Das klappte auch und so bekamen wir die Plätze A und B in Reihe 15.
Dieses Mal verging die Zeit wie im Fluge. Ich schlief schon kurz nach dem Start ein und wurde von Achim geweckt als ein Snack serviert wurde. Auch etwas später machte ich wieder die Augen zu. Die Anspannung der letzten Tage hatte ich richtig fertig gemacht.
Während dem Flug sagte uns der Kapitän, dass es in Arrecife bewölkt und sehr windig sei. Die Temperatur bei unserer Ankunft sollte 22° C betragen. Der Wind kam aus Norden.
Die Flugzeit betrug 20 Minuten weniger als üblich und so landeten wir kurz nach 17 Uhr in Arrecife. Unsere Koffer hatten wir relativ schnell, lediglich beim Schalter, wo wir unseren Mietwagen bestellt hatten, war es recht voll.
Doch dann war auch das erledigt und wir saßen im Peugeot 308 und machten uns auf den Weg nach Playa Blanca. Dieses Mal hatte ich meinen Führerschein mitgenommen, so dass auch ich das Auto fahren durfte.
Bevor wir im Hotel eintrafen kauften wir in Playa Blanca schon einmal das Notwenigste für den nächsten Tag ein.
Wir staunten nicht schlecht, als uns der Wohnungsschlüssel mit der Nummer 317 ausgehändigt wurde. Diesen Bungalow hatten wir auch im November gehabt. Mir war, als sei ich nur wenige Tage weg gewesen. Ich fühlte mich sofort wieder wie zu Hause!
Bis wir unsere Koffer ausgepackt und alles in die Schränke geräumt hatten war es schon 21 Uhr Ortszeit. Wir machten uns etwas frisch und gingen dann auf die Promenade. Als wir das dritte Restaurant passierten gingen wir rein und setzten wir uns auf der Terrasse an einen Tisch. Beim Essen fragte mich Achim, ob ich mir schon etwas für den nächsten Tag vorgenommen hätte. Doch soweit hatte ich noch nicht gedacht. Ich war einfach nur froh endlich auf Lanzarote zu sein. Alles Andere würde sich finden.
Nach dem Essen gingen wir sofort zu unseren Bungalow zurück. Ich war zwar etwas platt, aber auch etwas überdreht, so dass ich noch nicht schlafen konnte. Kurz nach Mitternacht gingen wir dann endlich zu Bett.

Montag, 16. April
Ich hatte die Nacht wunderbar geschlafen, wurde jedoch wieder um 6 Uhr wach. Zuerst machte ich die Kaffeemaschine an, dann ging ich auf die Terrasse. Diese Ruhe hier war einfach herrlich. Außer dem Wind und dem Zwitschern der Vögel war kein Laut zu hören.
Am Morgenhimmel waren noch viele Sterne zu sehen. Als wenig später die Sonne aufging kamen immer mehr dunkle Wolken. Und auch der Wind hatte zugelegt.
Um 8 Uhr ging ich zum kleinen Shop am Swimingpool und kaufte uns ein paar Brötchen für das Frühstück. Es war ganz leicht am Nieseln, als ich losging, doch zwischen den vielen dunklen Wolken bahnte sich die Sonne ihren Weg. Fünf Minuten später hatte der Nieselregen wieder aufgehört.
Als Achim aufstand setzten wir uns auf die Terrasse. Wir waren gerade mit dem Frühstücken fertig als es erneut zu nieseln anfing. Kurz danach gab es einen heftigen Regenschauer. Die Temperatur lag bei 19° C. Wenige Minuten später war der Regenschauer vorbei und die Sonne schien wieder. Aber am Himmel waren immer noch viele dunkle Wolken aus denen es immer wieder nieselte.
„Weißt du inzwischen was wir heute machen sollen?“ fragte mich Achim.
„Nein. Lass uns heute den Tag ruhig angehen. Ich habe eben festgestellt, dass ich die große Karte von Lanzarote mit den vielen detaillierten Strassen nicht mitgenommen habe. Darüber ärgere ich mich jetzt.“
Wir setzten uns ins Auto und fuhren zuerst eine Tankstelle an. Der Benzinpreis war gegenüber dem Monat November um 10 Cent gestiegen. Aber er war immer noch 50 Cent günstiger als bei uns in Deutschland.
Nach dem Tanken fuhren wir zum Hafen und parkten das Auto auf dem großen Schotterplatz.
Es war sehr windig und als die Fähre von Fuerteventura einlief hatte sie Mühe beim Anlegen. Nur im Sekundentakt bewegte sich das Schiff zum Anleger.
Wir gingen gemütlich auf der Promenade entlang. Nach einiger Zeit sahen wir einen Angler. Wir setzten  uns auf eine Bank und schauten ihm eine Weile zu. Er hatte schon 4 Fische gefangen, die er nun ausnahm. Um was für Fische es sich handelte konnten wir nicht erkennen.
Der Wind ließ etwas nach und als die Sonne schien wurde mir so warm, dass ich meine Jacke auszog. In einem Tabakladen kauften wir uns Zigaretten. Gleich daneben war ein Geschäft mit Zeitschriften. Mir fiel eine Inselkarte auf, auf der auch Wanderwege eingezeichnet waren. Ich kaufte sie zusammen mit der aktuellen Zeitschrift Lanzarote 37°. In letzterer stehen die aktuellen Wasserstände und weitere Informationen über Lanzarote.
„Es ist gleich Mittag und ich bekomme langsam Hunger. Was hältst du davon wenn wir bei dem Deutschen Imbiss eine Currywurst essen und ein Weißbier trinken“ fragte Achim.
„Das ist eine gute Idee“ sagte ich. „Und dann fragen wir auch gleich wann es dort das nächste deutsche Fußballspiel zu sehen gibt. “
Die Idee war jedoch nicht so gut, denn als wir unser Ziel erreicht hatten,  mussten wir feststellen, dass es die Deutsche Snack Bar nicht mehr gab. Etwas enttäuscht gingen wir den Weg zurück zum Hafen. Als wir an einem Restaurant vorbei kamen wo wir schon einmal gut gegessen hatten entschlossen wir uns spontan dort rein zu gehen.
Nachdem wir gegessen hatten setzten wir uns ins Auto und fuhren zum Supermarkt Hipo um etwas einzukaufen. Ich entschloss smich schon einmal ein paar Scampi und zwei kleinere Pulpas mitzunehmen. Vielleicht, so hoffte ich, würden wir ja schon in den nächsten Tagen nach Arrieta zum Angeln fahren.
Der Wind hatte immer noch nicht nachgelassen und ab und zu gab es auch ein paar Regentropfen. Trotzdem wollte Achim gerne seine neuen Taucherflossen ausprobieren. Also packten wir unsere Taschen und gingen zum Playa Flamingo. Ich setzte mich unterhalb der Steinquader und schaute Achim hinterher wie er im Taucheranzug und Schnorchel ins Wasser ging. Da der Wind aus Norden kam blies er mich kräftig an. Ich traute mich kaum Fotos zu machen, da es immer wieder Windböen mit einer Geschwindigkeit von über 60 km/h gab, die den feinen weißen Sand hoch wirbelten und meine Kamera gefährdeten.
Achim probierte erst einmal seine neuen Schwimmflossen aus. Als er aus dem Wasser kam sah er glücklich aus. „Ich gehe gleich wieder rein und nehme die Kamera mit. Du glaubst es nicht wie viele Fische sich dort an den dicken Steinen aufhalten.“
Während Achim am Schnorcheln war saß ich auf einem Stein und schaute den spielenden Kindern zu. Sie plantschten im Wasser oder bauten Sandburgen. Ich wünschte mit im Stillen, dass meine Enkelin jetzt hier wäre. Sie hätte sicher auch ihren großen Spaß gehabt.
Ich hatte schon seit ein paar Wochen eine leichte Erkältung, die einfach nicht weggehen wollte. Der heftige kühle Wind ließ mich langsam frösteln und ich wünschte mir, dass Achim endlich wieder aus dem Wasser kam.
Als er nach fast einer ganzen Stunde im Wasser gewesen war und wieder bei mir war zitterte er am ganzen Leib. Aber er war überglücklich, denn er hatte, wie er mir erzählte, 5 Rochen gesehen und gefilmt.
Rochen - Lanzarote
Rochen - Lanzarote
Rochen - Lanzarote
Meeräschen - Lanzarote
„Ich habe noch Letztens zu Thomas gesagt, dass ich nicht eher Lanzarote verlasse bis ich einen Rochen gesehen habe Und nun waren es gleich 5 Stück!“
„Schön, dann  hast du ja dein Ziel erreicht und wir können wieder nach Hause fliegen“, erwiderte ich lachend. „Aber jetzt zieh deinen nassen Taucheranzug aus und trockne dich ab. Sonst erkältest du dich auch noch.“
Meine Schleimhäute waren so ausgetrocknet, dass ich Achim bat unterwegs einzukehren und etwas zu trinken.
Wieder in unserem Bungalow schauten wir uns den Film an, den Achim unter Wasser gedreht hatte. So ganz hatte ich es ihm nicht geglaubt, dass dort wo er geschnorchelt hatte große Rochen seien. Doch nun sah ich auf dem Video dass es wirklich so war. Und auch eine große Meeräsche konnte er im Bild festhalten.
Meeräsche - Lanzarote
Eidechsenfisch - Lanzarote

 

Wir machten uns einen großen gemischten Salat zum Abendessen und schauten etwas fern. Draußen auf der Terrasse wollten wir nicht sitzen, denn es war sehr, sehr windig.

Dienstag, 17. April
Ich hatte die Nacht zwar gut geschlafen, aber ich wachte wieder sehr früh auf. Als ich auf den   Wecker schaute war es gerade mal 5 Uhr. Meine Nase war so sehr verstopft, dass ich Schwierigkeiten mit dem Atmen hatte. Ich nahm mir vor gleich am Morgen eine Apotheke aufzusuchen und mir ACC akut zu kaufen.
Leider reichte die Internetverbindung des Hotels immer noch nicht bis in die Bungalows, so dass ich mich in die Hotelhalle begab um meine E-Mails abzurufen. In der Nähe des Swimmingpools wäre das auch gegangen, aber dort war es mir an diesem Morgen einfach zu windig.
Als ich zurück in der Wohnung war war Achim gerade aufgestanden. 
Nach dem Frühstück fragte er mich was wir unternehmen sollten oder wo ich gerne hin wollte.
„An den Papagayostrand möchte ich heute nicht. Dazu ist es mir viel zu windig. Ich würde mir gerne einmal die „Quesera de Zonzomas“ ansehen. Im Reiseführer steht: >Man steht hier oben auf einem Plateau, an dessen südlichem Rand sich möglicherweise eine Kultstätte der Altkanarier befunden hat.>“
„Und wo ist das“ fragte Achim.
„Es liegt ca. 2 km westlich von Tahiche an der LZ 34 Richtung San Bartholome. Wenn wir dort hinfahren können wir auch gleich unsere Angelsachen mitnehmen“ sagte ich.
„Och nein. Die muss ich erst fertig machen und das dauert etwas. Außerdem wird es bei dem Wind gar nicht gehen“ erwiderte Achim.
Die Antwort gefiel mir zwar gar nicht, aber ich musste Achim Recht geben. Fürs Angeln war es wohl doch etwas zu windig.
Achim gab die Stelle in das Navigationsgerät ein und wir fuhren los. Das Navi führte uns bis zur Müllhalde in Zonzomas. Von der >sehenswerten und gut erhaltenen Ausgrabungsstätte< war weit und breit nichts zu sehen. Wir fuhren ein Stückchen zurück und bogen in einen Schotterweg ein. Dann stellten wir das Auto ab und stiegen erneut aus. Wir erklommen eine Anhöhe auf der der Wind heftig wehte.
Aber auch hier konnten wir nichts finden was dem Foto ähnlich war, welches wir im ADAC Reiseführer gesehen hatten.
„Und nun? Wohin möchtest du jetzt?“ fragte Achim.
„Hm. Keine Ahnung. Vielleicht nach Arrieta?“
„Okay.“
Kurz vor Arrieta liegt der nicht besonders attraktive Badestrand, die Playa de la Garita. Hier treffen sich hauptsächlich die Wellenreiter/Surfer. 
Wir parkten unseren Wagen und gingen zu dem Restaurant „Casa de la Playa“ wo wir uns auf die Terrasse setzten. Da es schon Mittagszeit war bestellten wir uns etwas zu essen und zu trinken. Zwei große Stücke Thunfischfilet mit Kartoffeln und eine kleinen Salat kosteten pro Person 9 €. Dazu wurde ein Baguette mit den obligatorischen Soßen gereicht.
Es war gerade Flut und die meterhohen Wellen klatschten bis oben an den Strand. Den Surfern machte es großen Spaß sich dort im Wasser zu tummeln. Wenn es ihnen gelang sich auf eine Welle zu stellen trug diese sie ein ganzes Stückchen weg bis die nächste hohe Welle kam und sie umschmiss.
„Ich wäre schon längst ertrunken“, sagte ich zu Achim, als ich sah, wie gerade wieder ein Surfer von einer Welle überrollt wurde.
„Aber es macht großen Spaß. Je höher die Welle desto besser.“
Etwas links gibt es einen langen Holzsteg auf dem ab und zu auch Angler anzutreffen waren. An diesem Tag war natürlich kein Angler dort. Die Wellen waren so hoch und heftig, dass sie ab und zu den langen Steg, an dem früher die Tanker gelöscht wurden, unter Wasser setzten. Die Plattform am Ende des Steges, die als Sprungbrett für die Badegäste gebaut wurde, versank manches Mal in einer Wasserfontäne.
Bevor wir nach Arrieta rein fuhren gingen wir noch auf den Holzsteg.
Erst wollte ich nicht drauf, doch dann fasste ich mir ein Herz und ging fast bis zur Mitte des Steges. Es war ein komisches Gefühl, wenn die Wellen darunter Richtung Strand ausliefen. „Hoffentlich hält er und kracht nicht zusammen, während ich darauf stehe“, dachte ich. Aber es passierte nichts. Ich bekam auch keinen Spritzer ab als wieder eine hohe Welle den Steg traf.
Als Achim neben mir stand zeigte ich auf die Häuser, die bis ans Wasser gebaut waren. „Schau dir das einmal an. Die Treppe von der Haustür liegt direkt am Ufer. Wenn das Wasser noch etwas höher kommt, dann können die ihr Haus gar nicht verlassen.
In Deutschland hätte man so nahe am Wasser gar nicht bauen dürfen. Aber auch auf Lanzarote ist man inzwischen schlauer geworden und verbietet es. Einige Häuser, so hatte ich in Lanzarote Information gelesen, sollen sogar abgerissen werden. Dagegen wehren sich natürlich die Eigentümer.“
Wir setzten uns ins Auto und fuhren zum Hafen von Arrieta.
Als wir sahen, dass die Wellen bis über die Mauer gekommen waren meinte Achim: „Möchtest du hier immer noch angeln?“
„Natürlich nicht!“ Es waren auch keine Angler da, was sonst immer der Fall war. Bei den hohen Wellen und dem starken Wind war das gar nicht möglich.
Der kleine Leuchtturm von Arrieta verschwand einige Male im Nichts, wenn ihn eine Welle traf. Es war ein faszinierendes Schauspiel dem wir längere Zeit zuschauten.
Dieses Mal schauten wir uns das „Blaue Haus“ aus der Nähe an. Früher war es mal ein Restaurant, dann ein Museum. Lange Zeit stand es leer, doch nun schien es wieder bewohnt zu sein.

 

Von Arrieta aus fuhren wir direkt nach Playa Blanca zurück. Unterwegs hielten wir nur einmal kurz an um frisches Wasser zum Kaffeekochen zu kaufen. Da die Sonne schien und es recht warm war legten wir uns auf die kleine geschützte Terrasse hinter dem Bungalow.
Abends hatten wir keine Lust schon wieder in ein Restaurant zum Essen zu gehen. Also machten wir uns selber eine Kleinigkeit zum Abendessen. Im ZDF lief ein englischer Liebesfilm, der sehr langweilig war. Leider war es auf Lanzarote immer noch nicht möglich auch ARD zu sehen.

Mittwoch, 18. April
Meine Erkältung war nun richtig zum Ausbruch gekommen. Ich fühlte mich etwas schlapp und schlief dementsprechend lange. Als ich gegen 7 Uhr aufstand war es total windstill. Doch im Laufe des Vormittags nahm der Wind wieder zu. Für die ganze Woche wurden Windstärken zwischen 4 und 6 vorhergesagt, das aber bei angenehmen 24 bis 25 Grad.
Achim wollte unbedingt wieder Schnorcheln und deshalb packten wir unsere Sachen und gingen noch einmal zum Playa Flamingo. Im Gegensatz zu den letzten Tagen war es an diesem Tag fast windstill. Aber der Himmel war nicht blau sondern diesig. Fuerteventura konnte man hinter der grauen Fassade nur erahnen.
Am kleinen Strand war wieder allerhand los. Viele kleine Kinder spielten im Sand und plantschten im Wasser. Achim zog sofort seinen Taucheranzug an und ging mit der Kamera in der Hand ans Wasser. Obwohl das Wasser kalt war (höchstens 17°) ging er schnurstracks hinein.
Ich schaute ihm hinterher wie er zu den dicken Steinen schwamm. Als er an der offenen Stelle zum Meer ankam fuhr dort gerade ein Boot vorbei. Ich legte mich auf mein Handtuch und döste trotz des lauten Gekreisches der Kinder ein wenig. Rechts und links von mir lagen Engländer. Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass ich nicht auf einer spanischen sondern auf einer englischen Insel sei.
Zwischendurch setzte ich mich immer wieder auf und schaute wo Achim blieb. Er war nicht der Einzige, der sich mit Taucheranzug und Schnorchel im Wasser befand, so dass ich etwas Mühe hatte ihn ausfindig zu machen. Lediglich an seinem schwarz-blauen Taucheranzug konnte ich ihn von den anderen unterscheiden, die alle durchgängig schwarz gekleidet waren. Als ich ihn entdeckte schaute ich ihm eine Zeitlang zu, dann legte ich mich wieder auf mein Handtuch und schloss die Augen.
Nach einer langen Zeit kam Achim endlich wieder an den Strand.
„Na, hast du etwas Aufregendes gesehen oder warum warst du so lange draußen?“ fragte ich ihn.
Er antwortete, dass er einen großen Rochen schwimmen gesehen hätte. „Leider ist er so schnell davon geschwommen, dass ich ihn nicht filmen konnte.“
Rochen - Lanzarote
Eidechsenfisch - Lanzarote
Nach einer kurzen Aufwärmphase ging Achim erneut ins Wasser. „Dieses Mal schwimme ich um die Steine herum. Bislang habe ich nur Vorne geschnorchelt.“
„Pass bitte auf dich auf. Vorhin, als du an der offenen Stelle warst, kam gerade ganz nahe ein Boot vorbei. Und bleib nicht wieder so lange weg“ ermahnte ich ihn.
Achim gab mir keine Antwort sondern ging kommentarlos ins Wasser. Nach einer halben Stunde wurde ich unruhig, weil ich ihn nirgendwo sehen konnte. „Ich werde ihm doch noch eine Taucheruhr bzw. eine wasserdichte Uhr kaufen, damit er selber nachsehen kann wie lange er schon im Wasser ist“, dachte ich.
Nach schätzungsweise einer Stunde sah ich ihn endlich wieder zurück zum Strand schwimmen. Unterwegs drehte er manchmal um weil er ein paar Fische gesehen hatte die er unbedingt filmen musste. Als er bei mir war zitterte er wieder vor Kälte.
„Zieh sofort deinen Anzug aus und trockne dich ab“, sagte ich zu ihm. „Sonst erkältest du dich auch wirklich noch. Es reicht schon wenn ich ständig niese und huste.“
Als ich ihm aus dem Anzug half sah ich, dass er Gänsehaut hatte. „Vorhin, als ich wieder rein ging, waren meine Hände ganz taub vor Kälte“, meinte er.
„Wie bitte? Und trotzdem bist du wieder ins Wasser gegangen?“ entgegnete ich etwas erschrocken.
„Klar. Es sind doch so viele interessante Fische zu beobachten. Und dieses Mal bin ich auch ein Stückchen links von den Steinen geschwommen. Dort halten sich die Meeräschen und Rochen auf. Ich habe auch zwei Sepia gesehen.“
Sepia - Lanzarote
Rochen - Lanzarote
Rochen - Lanzarote
Meeräschen - Lanzarote
Meeräschen - Lanzarote
Meeräschen - Lanzarote

 

Das freute mich für ihn, aber was hätten wir davon, wenn er den Rest des Urlaubs mit einer dicken Erkältung im Bett liegen würde?
Noch einmal ging Achim nicht ins Wasser. Wir packten unsere Badesachen und gingen zur Promenade. „Wollen wir gleich zurück in die Wohnung oder erst etwas essen?“ fragte ich Achim. „Es ist immerhin schon 13.30 Uhr“.
Er fragte zurück: „Was hältst du davon wenn wir zum Irish Pub gehen? Von hier ist es nicht mehr so weit. Nur der Rückweg wird dann etwas lang werden.“
Das war eine gute Idee. Die Sonne brannte vom trüben Himmel und ich hatte Hunger und großen Durst.
Wie immer war es im Irish Pub sehr voll. Doch wir hatten Glück und bekamen noch einen freien Tisch. Wir bestellten uns wieder den speziellen Hamburger den ich auch dieses Mal nicht schaffte aufzuessen. Die Portionen sind wirklich riesig für wenig Geld. 
Wir tranken noch ein zweites Bier und machten uns dann auf den Heimweg. Nachdem ich geduscht hatte legte ich mich aufs Sofa und schlief sofort ein. Achim legte sich währenddessen noch einmal auf die Liege und sonnte sich. 
Ich war von der plötzlichen Hitze so kaputt, dass ich fast 1 ½ Stunden schlief. Den Abend verbrachten wir teils auf der Terrasse, teils vor dem Fernseher.

Donnerstag, 19. April
Ich hatte die Nacht wieder gut geschlafen und stand gegen 7 Uhr auf. Mein erster Blick galt dem Himmel, der voller Wolken war. Aber es war wenigstens windstill. 
Als es richtig hell geworden war nahm ich mein Notebook und setzte mich damit auf die Terrasse. Wenn nicht das Gegurre der Tauben und das Gezwitscher der Vögel gewesen wäre hätte ich gesagt: Es war totenstill um mich herum.
In diesem Moment wünschte mir in einem Boot auf dem Meer zu sein und den Sonnenaufgang beobachten zu können.
Eine Stunde später kam ein leichter Wind auf, der die Wolken vor sich her trieb. Und schon bald schien wieder die Sonne.
Nach dem Frühstück gingen wir erst einmal in die Hotelhalle um unsere E-Mails abzurufen. Ich suchte mir die Telefonnummer von Tommy Heinze, der in Tias wohnt, raus und rief ihn an. Tommy hat eine Internetseite (www.lanzarote-entdecken.com). Persönlich kannte ich ihn noch nicht, ich hatte von ihm lediglich über meine Facebook-Bekanntschaft mit Ute Dopke, die auch auf Lanzarote lebt, gehört. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag um 18 Uhr in Puerto del Carmen bei Pascals Treff.
„Wollen wir heute einmal nach Playa Quemada fahren?“ fragte mich Achim.
Ich schaute Achim überrascht an. „Au ja. Aber dann möchte ich meine Angelrute mitnehmen.“
„Es dauert aber noch ein bisschen bis wir los können. Ich muss erst die Ruten fertig machen. Oder aber wir nehmen sie so mit und montieren dann am Strand die Ruten.“ Mit Letzterem war ich auch einverstanden.
Als wir in Playa Quemada aus dem Auto stiegen waren keine Wolken mehr am Himmel.
Die Sonne brannte und dazu hatte der Wind noch etwas zugelegt.
„Was meinst du? Wollen wir es hier einmal probieren?“
Ich antwortete: „Klar. Wir können ja bis zum Ende der Bucht gehen und dort angeln. Dann stören wir auch die anderen Badegäste nicht, die vielleicht noch kommen.“
Ich hatte nicht gewusst, dass in unseren Wasserkugeln, mit denen wir angeln wollten, noch kein Wasser war. Als ich sah wie Achim sich am Ufer bückte um zwischen den Steinen eine kleine Pfütze zu finden wo er die Wasserkugel befüllen konnte, ging ich ebenfalls ans Wasser. Ich hatte Mühe überhaupt etwas Wasser in die Wasserkugel zu bekommen, denn so richtig unter Wasser tauchen konnte ich sie nirgendwo. Also wartete ich bis eine große Welle kam in der Hoffnung, dass es endlich klappen würde. Es dauerte nicht lange und meine Füße plus Sandalen waren nass. Meine Armbanduhr, die ich vorher nicht abgemacht hatte, bekam ebenfalls eine Dusche ab und beschlug sofort. Sie lief noch 3 Stunden weiter bevor sie ihren Geist endgültig aufgab.
„Warum hast du die Uhr nicht vorher abgemacht? Wasser ist schon schädlich genug für eine Uhr, aber Salzwasser verträgt sie sicher gar nicht.“
Warum? Warum? Warum hatte Achim die Wasserkugeln nicht schon in der Wohnung befüllt? Zuhause machen wir das doch auch immer so.
Nun gut. Die Armbanduhr hatte auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Es war wohl an der Zeit, dass ich mir eine Neue zulegte.
Durch den heftigen Wind war das Auswerfen der Wasserkugel nicht gerade einfach. Wenn sie dann endlich im Wasser landete brachte sie die nächste Welle sogleich ans Ufer zurück. Außerdem gab es durch den starken Wind einen großen Schnurbogen, der das Angeln noch erschwerte. Ich probierte es dennoch ein paar Mal ohne jedoch einen Biss zu bekommen. Dann stellte ich die Rute wieder am Ufer ab. Achim ließ das Angeln ebenfalls sein, als auch er keinen Erfolg erkennen konnte.
Ich hatte wieder mal vergessen mich noch in der Wohnung einzucremen und spürte schon bald wie die Sonne auf meiner Haut brannte. Schnell holte ich es nach in der Hoffnung, dass es noch nicht zu spät sei und ich keinen Sonnenbrand bekommen hatte.
Als wir vom Strand zurück zum Auto gingen kamen fielen uns erst die vielen bunten Blumen auf die in einem Garten eines Hauses wuchsen . Der Besitzer muss sie wohl regelmäßig wässern, denn ansonsten war es auf der Insel knüppeltrocken. Nach Aussagen des spanischen Wetterdienstes war das Winterquartal vom Dezember 2011 bis Februar 2012 das trockenste seit 40 Jahren. Durchschnittlich fielen in Spanien nur 58 l Wasser, normal wären 333 l gewesen. Am Schlimmsten sei die Situation auf den Kanaren. Während sich auf Lanzarote normalerweise der Norden im Frühjahr grün und mit vielen Wildblumen übersät präsentiert, war auch jetzt noch, Mitte April, alles braun und ausgetrocknet wie im Hochsommer. Umso erfreulicher war der Anblick der vielen bunten Blumen in dem kleinen Garten.
Wir fuhren über Femes zurück nach Playa Blanca. In Femes hielten wir beim Restaurant „Casa Emiliano“ an und setzten uns auf die Terrasse. „Wo möchtest du sitzen? Im Schatten oder in der Sonne?“
Ich antwortete: „Natürlich in der Sonne.“
Das hätte ich lieber doch nicht tun sollen denn schon nach kurzer Zeit brannten meine Arme, aber ich sagte nichts.
Wir bestellten uns etwas zu Essen und tranken dazu ein kühles Bier.

 

Als wir wieder in der Ferienwohnung waren und Achim sah, dass ich an den Armen und am Ausschnitt wie ein frisch gebrühter Krebs aussah schimpfte er mit mir. „Das war’s dann wohl mit Strand. Morgen fahre ich alleine zum Papagayo. So wie du aussiehst darfst du die nächsten Tage nicht mehr in die Sonne.“
„Ach was. Das wird schon wieder. Sieht schlimmer aus als es ist.“
„Na, warten wir es ab.“
Da wir in Femes gut gegessen hatten machten wir uns zum Abendessen nur eine Kleinigkeit. Ehrlich gesagt traute ich mich vorerst auch gar nicht wieder in die Sonne. Ich verbrachte den restlichen Tag vorne auf der schattigen Terrasse.
Es war noch relativ früh als wir uns schlafen legten. Normalerweise ist es in der Anlage sehr, sehr ruhig. Doch dieses Mal konnte ich vor Lärm nicht einschlafen. Links neben uns wohnten 3 Frauen, die Krach für Zehn machten.
Wir waren das 5. Mal im Altlantic Gardens, aber bislang waren die Nachbarn immer so ruhig und leise gewesen, dass man glaubte ganz alleine dort zu sein.
Am nächsten Tag sahen wir, dass neben uns andere Leute den Bungalow bezogen. Die Damen hatten wohl lautstark ihren Abschied gefeiert.

Oerlinghausen, den 16.07.2012

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