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Achim Kluck

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Uschis Angelberichte und mehr...

Wandern, Angeln und Baden auf der Insel der schlafenden Vulkane
15.11. bis 29.11.2011

Teil 3

Mittwoch, 23. November
Ich hatte die Nacht gut geschlafen;  Es war noch stockdunkel als ich wach wurde. Aber ich konnte nicht mehr schlafen. Also schlich ich mich leise aus dem Bett und ging ins Wohnzimmer. Ich schaute erst einmal auf die Uhr. Es war gerade mal 5.15! Zuerst kochte ich mir einen Kaffee, dann schaltete ich den Laptop ein und schrieb an meinem Bericht weiter.
Gegen 7 Uhr ging ich nach draußen und schaute nach dem Wetter. Im Osten bahnte sich die Sonne ihren Weg und ließ den Himmel rötlich erscheinen, im Westen war der Himmel voller dunkler Wolken. Es wehte nur ein leichter Wind aus Nordosten. In der Nacht hatte es wieder einmal ein bisschen geregnet. Für Dienstag hatte es geheißen, dass es bewölkt würde und doch schien fast ständig die Sonne. So richtig konnte man sich auf die Wettervorhersage nicht verlassen. Man musste es so nehmen wie es kommt.
Heute würde der höchste Wasserstand um 11.18 Uhr eintreten, las ich in der Zeitschrift Lanzarote37°. Das bedeutete, dass der Strand am Papagayo, wo wir immer hingingen, überflutet war. Erst um 17.32 Uhr war wieder Ebbe, aber dann ging auch schon bald die Sonne unter und zum Baden war es eindeutig zu spät. 
Als ich kurz vor 8 Uhr zum kleinen Laden am Pool ging um Brötchen zu holen verschwand die Sonne plötzlich hinter dunklen Wolken. Der Wind hatte zugelegt und es kamen ein paar Tropfen vom Himmel.
Kaum war ich in der Wohnung regnete es in Strömen. Doch nach ca. 15 Minuten war der Spuk wieder vorbei. Aber es waren noch sehr viele Wolken am Himmel.
„Was können wir heute bei dem wechselhaften Wetter anfangen?“ fragte ich Achim. „Wenn wir angeln wollen, dann sollten wir uns erst einmal ein paar frische Köder besorgen. Ich würde aber auch gerne mal nach Puerto Calero fahren.“
„Schau’n wir mal, wie das Wetter wird.“
Als wir mit dem Frühstück fertig waren schien sogar die Sonne ein wenig.
„Wollen wir auch Badesachen mitnehmen?“ fragte Achim.
Ich schaute ihn fragend an und antwortete dann: „Ja, können wir machen. Wir fahren ja mit dem  Auto.“ So richtig nach baden war mir nicht, dazu fand ich es morgens noch viel zu kalt. Aber Achim hatte ein anderes Wärmeempfinden als ich.
Wir fuhren über Femes nach Puerto Calero. Die Straßensperre zu den Papagayostränden war inzwischen verschwunden.
In Puerto Calero schaute ich sogleich nach Booten, mit denen man zum Fischen rausfahren konnte. Mit Fishing „Mizu“ waren wir bei unserem ersten Urlaub auf Lanzarote rausgefahren. Die kamen für uns auf keinen Fall mehr in Frage. Ein anderer, Pesca fishing, bot ebenfalls Angeltouren an. Beide wollten jedoch für die Zeit von 9 bis 14 Uhr jeweils 75 € haben. Von den Stunden auf dem Wasser wurde die meiste Zeit geschleppt. Dabei bissen die wenigsten Fische an. Und zum Grundangeln waren höchstens 2 Stunden eingeplant. Das alles gefiel mir überhaupt nicht. Deshalb ließen wir es sein uns näher zu erkundigen.
Als wir Puerto Calero verließen schien die Sonne vom blauen Himmel. Es war lediglich ein paar weiße Wolken zu sehen.
Am Playa Mueles fanden wir hoch oben direkt unter dem Steinvorsprung einen Platz wo wir unsere Liegematten ausbreiteten. Der Wind kam wie vorhergesagt von Nord, Nordost. Wir zogen uns aus und legten uns auf die Matten. Das Wasser ging zwar langsam zurück, aber die Wellen waren sehr hoch und ich hatte bedenken, dass die Ausläufer bis zu unseren Matten kamen. Nach einer Weile machte ich doch die Augen zu um ein wenig zu dösen. Doch mich störte ständig eine vorwitzige Fliege. Plötzlich nahm der Wind zu und die Sonne war verschwunden. Ich nahm mein iPhone um ein wenig Sudoku zu spielen, doch ich hatte es kaum angemacht, als der Wind noch mehr zunahm und viel Sand vor sich her trieb. Sofort packte ich das iPhone wieder ein. Und da kamen auch schon die ersten Regentropfen vom Himmel. Um uns herum packten die Leute ihre Sachen zusammen und verließen den Strand.  Achim meinte, dass der kleine Regenschauer bald wieder vorbei sei.
Ich glaubte ihm zwar nicht so recht, aber ich hielt lieber meinen Mund. Um nicht ganz nass zu werden bedeckte ich meinen Kopf mit dem Badetuch. Der kräftige Wind vertrieb die dunklen Wolken und schon bald schien wieder die Sonne. Doch es dauerte nur ein paar Minuten und die nächsten Wolken verdeckten die Sonne.
Achim saß im Adamskostüm neben mir, während ich meinen Pullover angezogen hatte, da mir inzwischen ganz schön kalt war. Nicht gerade begeistert schaute ich mir die Wellen an, die ans Ufer klatschten.
„Was um Gottes Willen findet Achim daran hier zwischen dunklen Wolken und Regenschauern am Strand zu sitzen?“ fragte ich mich. Wenn es nach mir gegangen wäre, dann hätte ich meine Sachen gepackt und gesehen, dass ich zurück in die Wohnung kam. Aber Achim sah das wohl anders. Er hoffte, dass der Spuk bald vorbei sei und die Sonne wieder scheinen würde.
Dem war auch nach einiger Zeit so. Bis die nächste Wolkenwand uns erreichte und es erneut zu regnen begann.
An Schwimmen im Atlantik war bei den hohen Wellen überhaupt nicht zu denken. Und auch Sonnen lag bei dem wechselhaften Wetterbedingungen nicht drin. Doch ich hielt meinen Mund und wartete geduldig, bis Achim endlich einsah, dass die Sonne sich nicht mehr sehen lassen würde.
„Wenn es zu Regnen aufgehört hat, dann packen wir unsere Sachen zusammen.“
Diese Worte klagen wie Musik in meinen Ohren. Na endlich hatte er ein Einsehen!
Auf dem Rückweg zeigte das Thermometer im Auto nur noch 17° an.
Wir hielten in der Nähe des Hafens und gingen in den HiperDino Supermarkt um uns etwas zum Abendessen zu kaufen. Jeden Abend außerhalb zu essen hatten wir keine Lust, da machten wir uns lieber eine Kleinigkeit in unserer Wohnung. Leider war die Fischtheke dieses Mal nicht so gut bestückt, so dass wir statt Fisch ein paar Bratwürstchen einkauften.
In Playa Blanca schien die Sonne und wie es schien hatte es die ganze Zeit nicht geregnet. Wir setzten uns mit einem Glas Bier auf die Terrasse und schauten uns die Filme vom vorherigen Tag an. Und schon wieder fing es zu  regnen an!
Am Himmel sahen wir einen wunderschönen Regenbogen, der uns etwas für das schlechte Wetter entschädigte.
Doch was sollte es? Schließlich hatten wir Ende November und auch auf den Kanaren macht der Winter nicht halt. Immerhin war es hier noch viel wärmer als zuhause in Deutschland. Und alles war besser als im Büro sitzen zu müssen.
Wir schauten uns abends im Fernsehen das Fußballspiel Arsenal gegen Dortmund an, welches die Dortmunder leider 2 .1 verloren. Danach legten wir uns schlafen.

Donnerstag, 24. November
Als ich morgens aufstand hatte ich leichte Zahnschmerzen. „Was soll das denn jetzt? Erst Achim und jetzt ich?“ Aber es war nur ein Ziehen im hinteren Backenzahn, kein richtig doller Schmerz.
Die Wolken hatten sich in der Nacht verzogen und es schien schon die Sonne als ich auf die Terrasse ging. Aber ich hatte mich nicht getäuscht, als ich in der Nacht einmal kurz wach wurde und dachte, es wäre am Regnen. Tatsächlich muß es wohl ganz schön geschüttet haben, denn alles war noch nass.
Obwohl wir immer darauf achteten, dass die Schlafzimmertür zu war, hatte es eine Mücke geschafft sich dort einzuschleichen. Oder es war schon passiert, als die Putzfrau die Betten gemacht hatte. Sie ließ immer alle Türen auf, wenn sie ging. Gestochen hat mich diese Mücke nicht, aber dafür schafften es gleich 2 andere, als ich morgens im Wohnzimmer saß und meinen Kaffee trank. An beiden Unterschenkeln hatten sie sich gelabt!
Ich war schon fast 2 Stunden auf, als Achim sich aus dem Bett schälte. Bevor er ins Wohnzimmer kam hörte ich, wie er mit einem Handtuch hinter dem Monster im Schlafzimmer her war.
„Na, mein Schatz, “ sagte ich zu ihm als er aus dem Schlafzimmer kam, „hast du die Mücke gekillt?“
„Eine? Drei Stück waren im Schlafzimmer.“
So viele Mücken wie dieses Jahr hatten wir noch nie auf Lanzarote gehabt. Woher die alle kamen weiß der Teufel.
„Hast du es auch regnen gehört, heute Nacht?“ fragte ich zurück.
„Ja. Aber nun ist es ja wieder trocken. Und die Sonne scheint auch.“
Ja, das stimmte. Die Sonne schien und es waren nur ganz, ganz wenige weiße Wolken am Himmel. Hoffentlich wollte Achim heute nicht schon wieder an den Papagayostrand. Ich würde mir lieber noch etwas von der Insel ansehen. Okay, ich kenne eigentlich schon jede Ecke, aber trotzdem…
Als wir beim Frühstücken saßen fragte mich Achim: „Wie heißt das, wo du heute hin willst?“
„Meinst du das Restaurant LagOmar in Nazaret?“ fragte ich zurück.
Der kleine Ort Nazaret liegt zwischen Tahiche und Teguise.
„Ja. Wenn du willst, dann fahren wir dort gleich hin.“
Und ob ich wollte. Bei  dem wechselhaften Wetter war an Schwimmen im Meer und auch an Sonnen am Strand ja gar nicht zu denken.
Trotzdem nahmen wir unsere Tasche mit den Handtüchern und auch Achims Schnorchel mit. Als wir im Auto saßen fragte ich ihn, ob er seine Unterwasserkamera eingepackt habe. „Ich kann ja nicht an alles denken“, bekam ich zur Antwort. Das heißt, er hatte sie vergessen mitzunehmen und ich hätte daran denken sollen.
Nun gut, vielleicht brauchten wir sie ja auch gar nicht.
Achims Navi-APP führte ihn ohne Umwege zu unserem Ziel. Als wir in Nazaret waren schien die Sonne. Es war kurz nach 10 Uhr morgens und das Museum hatte gerade geöffnet. Der Eintritt kostete pro Person 5 €, ein stolzer Preis, fand ich.
Das Haus, welches Jesus Soto für den Schauspieler Omar Sharif gebaut hatte wurde später Rahmen für Filme mit Peter Ustinov sowie Horst Franck. Es war direkt in einer Felsenwand untergebracht. Omar Sharif verlor es bei einem Brigdespiel. Danach ging es dann in die Hände verschiedener Eigentümer über. Später wurde es zur Begegnungsstätte verschiedener Künstler und Künstlerinnen. 1984 befuhr der deutsche Architekt Dominik von Boettinger die Gewässer der Kanaren und fühlte sich von diesem magischen Ort angezogen. Es dauerte noch 5 Jahre, bis er seinen Traum, das Haus zu besitzen, verwirklichen konnte.

Zusammen mit seiner Frau kehrte er nach Lanzarote zurück um die letzte Phase des LagOmar’s in Angriff nehmen zu können. Gefesselt von der Einzigartigkeit des Ortes beschließen sie es der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Im hinteren Teil des Steinbruchs entstand ein Restaurant, das als Anziehungspunkt für kulturelle und künstlerische Anlässe dienen sollte. 1997 eröffnete das LagOmar zum ersten Mal seine Tore.

 

Wir hielten uns fast 2 Stunden in dem Haus auf. Wieder am Auto holte ich die Karte raus und fragte Achim, was wir als nächstes machen sollten. Der Wind wehte so heftig, dass mir die Karte fast weggeweht wäre. Ich klemmte sie hinter den Scheibenwischer des Heckfensters und zeigte auf Orzola. „Wollen wir nach Orzola oder sollen wir uns etwas in Arrecife umschauen?“
„Was willst du in Orzola? Das ist noch ein weiteres Stück bis dorthin. Ne, nach Arrecife möchte ich auch nicht. Wir können aber nach Arrieta fahren und dort zu Mittag essen. Und dann schauen wir weiter was wir machen.“
Arrieta ist der kleine Fischerort wo das „blaue Haus“ steht. Auf dem Weg dorthin gab es einen kurzen, kräftigen Regenschauer. Ich hatte gehofft, dass es im Norden der Insel weniger Wolken geben würde als im Süden, aber das war ein Irrtum.
Wir stellten den Wagen auf einem Schotterplatz am Hafen ab und gingen zu der Hafenmauer. Dort standen doch tatsächlich 2 Männer und angelten. Sofort ärgerte ich mich, dass ich nicht unsere Angelruten mitgenommen hatte. Und noch mehr, als der jüngere Mann einen  Moment später eine schöne große Meeräsche landete. Ich schaute in seinen Eimer, der neben ihm stand und sah, dass dort schon viele Fische schwammen. Darunter waren auch ein paar Brandbrassen. Das sind die Fische, die an der Schwanzflosse einen dicken schwarzen Punkt haben.
Der ältere Mann, der etwas weiter stand, hatte nicht so viel Glück. Er fing in der Zeit, in der wir uns am Hafen aufhielten, lediglich eine Meeräsche.
Wir setzten uns in ein kleines Restaurant und bestellten uns ein Kotelett mit Pommes. Um die Mittagszeit hatten sie nur eine kleine Karte, auf der nicht besonders viele Gerichte zur Auswahl standen.
Unser Tisch stand direkt an der Hafenmauer, von wo wir die beiden Angler gut beobachten konnten. Am Tisch vor uns saß ein junges deutsches Pärchen mit einem kleinen Jungen. Aber ich hatte nur Augen für die Angelrute des jüngeren Mannes. Als das Pärchen gegangen war sah ich weiter weg zwei Frauen stehen, die ebenfalls angelten.
„Schau mal da hinten. Dort stehen zwei Frauen die auch angeln. So ein Mist, dass wir unsere Ruten nicht mitgenommen haben“, sagte ich jetzt schon zum dritten Mal zu Achim.
„Du hättest sie ja einpacken können. Warum muß ich immer an alles denken?“
Mir war der Gedanke bekommen als wir uns entschlossen nach Nazaret zu fahren. Aber ich wollte Achim nicht wieder nerven und ließ es deshalb sein.
Nachdem wir bezahlt hatten gingen wir zu den Frauen. Es waren Engländerinnen. Sie packten aber ihre Ruten schon wieder zusammen. Eine der beiden hatte lediglich einen Meerpfau gefangen, den sie einem fragenden Touristen zeigte.
Die Brandung war so stark, dass die Wellen manches Mal über die Mauer klatschten.
Wir schauten noch eine Weile den beiden Männern zu, dann gingen wir zum Auto. „Wir können ja morgen noch einmal hierher fahren. Aber ich glaube kaum, dass du etwas fängst.“
Was sollte das denn schon wieder heißen? Nun gut, so eine Montage wie sie die Männer hatten, konnte ich mir nicht basteln. Sie angelten mit einem Korken auf dem Vorfach als Schwimmer und mehreren Drillingen, in welche sie einen dicken Klumpen Brot steckten. Als Achim damals in Arrecife im Hafen auf Meeräschen angelte, hatte er sich auch so eine Montage gebastelt.
Ich merkte, dass Achim etwas sauer war und antwortete ihm nicht.
Achim stellte das Navi auf den FKK Ort Charco del Palo ein. Auf der Strecke dorthin fing es wieder zu regnen an. Ich fragte mich, was er dort wolle. Es war sehr stürmisch und man musste jeden Moment mit weiteren Regenschauern rechnen.
Zuerst wollte ich auch im Auto sitzen bleiben doch dann stieg ich mit aus.
Am Tauchereinstieg saß ein einziger Mann auf den Steinen. Nirgendwo konnte ich jemanden sehen, der am Schwimmen war. Ich fand es auch viel zu gefährlich dort zu schwimmen, denn auch hier knallten die hohen Wellen nur so an die Steine.
Achim schaute sich das Spektakel eine Weile an, dann sah er ein, dass es sinnlos war dort zu schnorcheln und wir gingen zum Auto zurück.
Auf der Rückfahrt sprach er nicht viel. Ich ärgerte mich maßlos, dass ich meinen Führerschein in Deutschland vergessen hatte. Trotzdem wollte ich fahren, damit Achim während der Fahrt etwas die Gegend filmen konnte. Aber Achim ließ mich nicht fahren. Als wir durch das Weinanbaugebiet La Geria fuhren, hielten wir an und machten ein paar Fotos und Videos von den Weinbergen.

 

In Playa Blanca schien die Sonne. Als wir unsere  Sachen in der Wohnung abgestellt hatten fragte Achim ob ich mit auf die Promenade kommen würde. Er wolle nachschauen, wie es hier am Strand aussähe. Ich ging mit ihm. Es war gerade Ebbe. Ein Mann stand auf den glitschigen Steinen und angelte. Wir setzten uns auf die Steintreppe und sahen ihm ein paar Minuten zu. Während er blinkerte fing er jedoch keinen Fisch. Dann warf er ein paar dicke Brotscheiben ins Wasser, auf dass sich sofort die Möwen stürzten. Aber sie bekamen nicht alle Brotstückchen zu packen.
Als das Brot weiter rausgetrieben war beobachteten wir wie sich ein paar Fische daran zu schaffen machten. Es waren nicht gerade kleine.
„Wenn du angeln möchtest, dann tu das doch. Es dauert noch mehr als eine Stunde bis die Sonne untergeht“, sagte ich zu Achim.
„Dann müssen wir uns aber beeilen“, antwortete er.
Wir gingen zurück zur Wohnung, zogen uns um, packten unsere Angelsachen zusammen und waren kurze Zeit später wieder am Wasser.
Es war nicht einfach über die dicken runden und teilweise glitschigen Steine zu laufen.
Als ich endlich eine Stelle gefunden hatte, wo ich einigermaßen gut stehen konnte, nahm ich meine Reiserute, steckte ein winziges Stückchen Tintenfisch au den Haken und warf aus. Sofort stürzten sich die Fische darauf. Aber sie zogen nur am Köder und schluckten ihn nicht. Ich warf einige Male aus, dann hatte ich beim Reinholen der Pose einen Hänger. Die Pose lag vorne zwischen den dicken Steinen und ich bekam sie beim besten Willen nicht hoch gehoben. Achim half mir und schaffte es nach einer Weile sogar die komplette Montage zu retten. Aber ich hatte die Schnauze voll. Hier, so fand ich, war das Angeln viel zu riskant. Es wäre vielleicht bei Flut gegangen, aber bei Ebbe musste man sehr weit rauswerfen und die Montage dann mehrere Meter über die dicken Steine ziehen.
Ich setzte mich ein Stück zurück auf einen Stein und schaute Achim beim Angeln zu. Als die Sonne unterging holte ich die Kamera aus dem Rucksack und machte ein paar Fotos.
Es hätte so ein schöner Tag sein können, aber dadurch, dass das Wetter nicht beständig und sonnig war, war Achim nicht so gut drauf. Er hatte sich während unseres Urlaubs auf Lanzarote besseres Wetter erhofft. Aber wir hatten schließlich Ende November! Eine Jahreszeit, wo es auf der Insel öfter einmal kurze Regenschauer gibt, was für die Natur ein Segen ist.
Immerhin war es hier auf Lanzarote wärmer als zurzeit in Deutschland. Für einen Badeurlaub hätten wir 2 Monate vorher hierher fliegen müssen. Ich war im Großen und Ganzen ganz zufrieden mit dem Wetter. Natürlich wäre es schöner gewesen, wenn von morgens bis abends die Sonne geschienen hätte, aber dem war nun mal nicht so. Wir mussten das Wetter nehmen wie es war und das Beste daraus machen.
Das Wichtigste war doch, dass wir uns erholten und Ruhe hatten.

Freitag, 25. November
Um 6.15 Uhr stand ich auf. Als es hell war und ich nach draußen schaute sah ich viele graue Wolken am Himmel. In der Nacht hatte es nicht geregnet, was ich draus schloss, weil die Terrassenmöbel alle trocken waren.
Die morgendlichen Temperaturen waren auch nicht mehr so hoch wie in der ersten Woche. Sie lagen bei höchstens 18 Grad.
Auch als um 9 Uhr kaum noch Wolken am Himmel waren fand ich es trotz des Sonnenscheins recht kühl.
Ich schaute in der Zeitschrift Lanzarote37° nach und sagte zu Achim: „Heute ist um 12.57 Uhr Flut.“
Achim fragte: „Und was hast du heute vor?“
Ich antwortete: „Heute darfst du bestimmen was wir machen.“
Er fragte weiter: „Und wie ist die Wettervorhersage?“
Ich musste zugeben, dass ich auf dem iPhone noch nicht nachgeschaut hatte. Dabei hatte ich doch vorgehabt mir auch den Wetterbericht von Arrieta oder Orzola anzuschauen. Also ging ich noch einmal zur Mauer am Pool um mich ins Internet einzuloggen.
Für Arrieta wurde Sonne vorhergesagt, mit einigen Wolken um die Mittagszeit, für Playa Blanca waren leichte Regenschauer angesagt.
Als ich wieder bei der Wohnung war saß Achim auf der Terrasse und machte eine neue Montage an seine Angelrute. Er hatte gestern beim Reinholen der Pose einen Tötter gehabt und musste viel Schnur abschneiden.
Nachdem er damit fertig war packten wir unsere Angel- und Badesachen und gingen zum Auto. Wir fuhren wieder über Teguise nach Arrieta, wo wir kurz nach 12 Uhr ankamen.
Der Mann, den wir schon gestern beim Angeln zugeschaut hatten, war auch wieder da. Er stand an seiner alten Stelle und so gingen wir ein ganzes Stückchen weiter hoch, weil dort, wo wir uns zuerst hinstellen wollten, ein sehr großer Steinhaufen im Hafenbecken lag.
Achim steckte auf seine Drillinge ein Stückchen Weißbrot um damit Meeräschen zu fangen. Ich montierte erst einmal ein Stück Tintenfisch auf den Haken.
Der Wind war sehr heftig und wehte vom Land, was einen großen Schnurbogen verursachte.
Entweder waren an diesem Tag keine Meeräschen im Hafenbecken oder aber sie hatten keinen Appetit. Jedenfalls schwamm Achims Brot auf der Wasseroberfläche, ohne dass ein Fisch daran ging.
Ich verspürte in meiner Rute immer wieder Bisse, aber auch meinen Köder wollte keiner schlucken. Als die Pose in der Nähe der Hafenmauer war konnte ich im klaren Wasser beobachten, wie sich die kleinen Gelbstriemen und auch die Meerpfaue am Köder zu schaffen machten. Eine Weile später stellte ich den Stopper der Pose so ein, dass der Köder weiter auf den Grund kam. Es dauerte auch nicht lange, da verspürte ich einen Ruck in der Rute. Ich sah wie sich die Spitze bog und im selben Moment spürte ich, dass ich einen Fisch am Haken hatte. Er kämpfte ganz schön und ich spürte wie mein Herzschlag sich beschleunigte. Dann konnte ich im Wasser sehen, dass ein runder Fisch am Haken hing. Zuerst dachte ich es wäre so etwas wie ein Plattfisch, aber als ich ihn hochzog erkannte ich, dass es eine Geißbrasse war. Sie hatte schwarze Streifen und an der Schwanzflosse einen dicken schwarzen Punkt.
Es war kein großer Fisch, aber das war mir egal. Ich freute mich wie ein kleines Kind über meinen Fang.
Nun versuchte es auch Achim mit Tintenfischfetzen. Dazu wechselte er seine Karpfenrute gegen die Reiserute aus, an der ein kleinerer Schwimmer montiert war. Plötzlich hatte auch er einen Biss. Er konnte den Fisch bis an die Hafenmauer drillen, doch beim Hochheben der Rute ging er ab. Ich hatte auch gesehen, dass es sich um einen orangefarbenen, etwas struppig aussehenden Fisch gehandelt hatte.
Der Wetterbericht hatte für Arrieta nur leichte Bewölkung vorhergesagt, aber es kamen immer wieder dicke dunkle Wolken, die sich vor die Sonne schoben. Wenn die Sonne weg war, wurde es auch gleich kälter.
Ich hatte mir über mein T-Shirt eine Strickjacke mit Kaputze angezogen. Als der Wind sie mir immer wieder über den Kopf  wehte behielt ich sie auf. Das sah vielleicht etwas blöde aus, aber das war mir egal. Den kalten Wind im Nacken konnte ich nämlich nicht so gut ab  und ich wollte keine Verspannungen im Halsbereich riskieren.
Als das Wasser langsam wieder zurück ging waren auch die Fische verschwunden. Ich beugte mich über die Hafenmauer und schaute immer wieder ins Wasser. Keine Fische zu sehen. Nicht einmal kleine. Eine Stunde später versuchte ich es erneut in der Nähe der Hafenmauer und hatte auch gleich einen Hänger. Achim half mir meine Montage von den Felsen wieder frei zu bekommen. Das gelang ihm auch, nur der Haken war so verbogen, dass ich ein neues Vorfach brauchte.
Inzwischen tummelten sich direkt unter mir wieder viele Fische. Ich hielt ihnen meinen Köder direkt vor das Maul, aber sie knabberten immer nur daran und schluckten ihn nicht. Zwischendurch wechselte ich den Tintenfischfetzen gegen einen Scampi aus, aber es war mir einfach nicht möglich einen Anschlag zu setzen bevor der Köder abgefressen war. Das passierte meistens schon in dem Moment, wo er ins Wasser eintauchte.
Der Köder war bei den Fischen sehr begehrt. Wenn ich nach 2 Minuten die Montage wieder reinholte hing nur noch die leere Schale am Haken. So konnte das nicht weitergehen. Ich steckte erneut ein Stückchen vom Tintenfisch auf den Haken und probierte es damit weiter.
Die Zeit verging wie im Fluge. Achim hatte keine weitere Meldung mehr und stellte seine Rute an die Hafenmauer. Dann filmte und fotografierte er mich beim Angeln.
Es war schon fast 16 Uhr als er sagte, dass er seine Ruten einpacken würde.
„Mach das“, antwortete ich. „Ich probiere es ein letztes Mal mit einem Stück Tintenfisch. Ich möchte gerne noch eine Brasse oder einen anderen Fisch fangen. Dafür, dass wir hier fast 5 Stunden sind, ist ein einziger Fisch eine recht magere Ausbeute.“
Wieder ließ ich den Köder direkt an der Hafenmauer runter und beobachtete, wie sich die Gelbstriemen auf ihn stürzten. Ich musste aufpassen, dass ich nicht noch einmal einen Hänger bekam, da das Wasser inzwischen weiter zurückgegangen war.
Als ich mit dem Angeln aufhören wollte zog plötzlich etwas an meiner Schnur. „Nanu? Was ist denn das jetzt?“ dachte ich. Da sah ich auch schon dieses orange Teil an meinem Haken hängen. „Achim, ich habe einen Fisch am Haken!“ rief ich ihm zu.
Sofort war Achim bei mir. Vorsichtig hob ich den Fisch über die Hafenmauer. Oh je, sah der aber komisch aus! Richtig zum Fürchten.
„Den traue ich mich aber nicht anzufassen“, sagte ich zu Achim.
„Nein, dass würde ich auch nicht tun. Der ist bestimmt giftig.“
Was? Einen Fisch der giftig ist, sollte ich am Haken haben?
Achim machte ein paar Aufnahmen von dem Monster, dann nahm er ein Handtuch, löste den Haken aus seinem Maul und legte ihn auf die Hafenmauer für eine weitere Aufnahme. Wir schauten ihn uns ausgiebig an, bevor Achim ihn wieder ins Wasser warf.
Im Auto hatte ich das Buch „100 Fisch der Kanaren“ liegen. Sofort schaute ich nach, um was für einen Fisch es sich gehandelt haben könnte. Tatsächlich fanden wir ein Foto von dem Fang. Es war ein Kleiner Drachenkopf. Von der Art gab es verschiedene. Manche konnten bis 45 cm groß werden. Bei allen stand jedoch, dass die Stachel an seinem Kopf und die Rückenflosse giftig sind und ein Stich von ihnen immer sehr schmerzhaft sei.
Ich war froh, dass wir ihn nicht mit bloßen Händen angefasst hatten!

 

Da es zum Baden schon viel zu spät war fuhren wir direkt zurück nach Playa Blanca und nicht erst zum Charco del Palo. Dieses Mal hatte Achim auch die Unterwasserkamera mitgenommen, aber er wollte nicht mehr schnorcheln. Auf der Rückfahrt sahen wir noch einen wunderschönen riesigen Weihnachtsstern in einem Vorgarten.
Als wir in unserer Ferienwohnung waren nahm ich zuerst einmal den Fisch aus und legte ihn dann in den Kühlschrank.
Wir zogen uns um und gingen in das Restaurant El Bahi an der Promenade, wo wir uns etwas zu Essen bestellten.

Oerlinghausen, den 04.03.2012

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