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Achim Kluck

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Uschis Angelberichte und mehr...

Wandern, Angeln und Baden auf der Insel der schlafenden Vulkane
15.11. bis 29.11.2011

Teil 2

Sonntag, 20. November
Ich hatte die Nacht gut geschlafen und bin von keiner Mücke belästigt worden. Erst kurz nach 7 Uhr wurde ich wach. Die Sonne schien und es waren einige Wolken am Himmel. Über Nacht hatte es etwas geregnet, was ich erst merkte, als ich mich auf der Terrasse auf den Stuhl setzte und einen nassen Hintern bekam.
Der Wetterbericht meldete für Playa Blanca für  den Sonntag keinen Regen an, aber Wind bis zu 50 km/h. Er blies jetzt morgens um 7 Uhr schon recht stark.
Ute Dopke hatte mir über Facebook geschrieben, dass sie heute Vormittag in Playa Honda auf dem Flohmarkt sei um Frösche zu verkaufen. Ich antwortete ihr, dass wir vielleicht einmal vorbei schauen würden, falls Achim nicht vorhatte am Strand zu angeln.
Achim hatte die Nacht ebenfalls gut geschlafen. Sein Zahn hatte ihm nicht mehr weh getan, lediglich die Mücke in unserem Schlafzimmer hatte ihn in den frühen Morgenstunden etwas gestört.
„Und? Was hast du für heute geplant?“ fragte er mich als er aufgestanden war.
„Keine Ahnung. Angeln ist bei dem Wind ja wohl nichts.“
„Aber man kann gut schnorcheln“, erwiderte Achim.
„Was? Bei dem kalten Wind willst du ins Wasser?“ fragte ich zurück.
„Klar. Das Wasser ist doch warm.“
Schade, ich wäre ja gerne nach Playa Honda gefahren um Ute kennen zu lernen. Andererseits hatte sie sich ja mit mir/uns auch nicht richtig verabredet, also doch kein so großes Interesse wie ich es mir gewünscht habe.
Und ich wäre sehr gerne einmal zum Fischmarkt nach Arrecife gefahren. Aber der findet nur wochentags statt. Ja, was blieb noch? Bei dem heftigen Wind lag eine Wanderung auf einen Vulkan auch nicht drin. Das wäre viel zu anstrengend gewesen. Mir hatte es schon bei unserer „Vulkanwanderung“ vor 3 Tagen gereicht. Ich hatte am anderen Tag etwas Muskelkater, aber der verging wieder sehr schnell. Was mir viel mehr zu schaffen machte war mein rechtes Knie, auf das ich bei meinem Fall von der Mole gefallen war. Es war leicht geschwollen und tat bei der leisesten Berührung weh. Aber ich wollte im Urlaub nicht meckern und biss deshalb die Zähne zusammen. „Vielleicht“, so überlegte ich, „sollte ich mir in der Apotheke eine Salbe gegen Prellungen und Verstauchungen holen.“
Als Achim aus der Dusche kam meinte er: „Wir können ja auch mal ein bisschen mit dem Auto rumfahren.“
„Können wir. Doch wo willst du hin?“
Na ja, vielleicht nach Guatize und Arrieta.“
Als ich ihn fragte: „Nimmst du Schnorchelsachen mit?“ und er mit „Ja“ antwortete, war klar was er vorhatte bzw. wo er hin wollte. Zum FKK-Gebiet Charco del Palo.
„Okay. Aber ich möchte gerne die Angelsachen mitnehmen“, sagte ich.
„Wenn du unbedingt willst. Die Angelsachen liegen alle im Schrank und die Angelruten stehen hinten im Atrium. Und denk an die Köder. Die sind im Kühlschrank.“
Wir hätten daran denken sollen, dass in Teguise am Sonntag der große Markt ist und daher über Arrecife fahren sollen. Als wir in Teguise ankamen und eine andere Strecke als den Hauptweg fahren mussten verfranzten wir uns ein wenig. Die Ausschilderung einer Umleitung – egal wo – ist auf Lanzarote sehr, sehr dürftig. Gott sei Dank hatten wir ja ein Navi dabei, so dass wir irgendwann wieder auf dem richtigen Weg waren.
Kurz hinter Teguise fing es leicht zu regnen an. Aber es war nur ein kleiner Schauer, der auch sofort wieder vorbei war.
In Charco del Palo gingen wir sofort zu der Stelle, wo die Taucher immer ins Wasser gingen. An diesem Morgen waren auch welche da, die sich gerade zum Tauchgang fertig machten.
Es waren 5 Männer und eine Frau, letztere hatte ebenfalls eine Unterwasserkamera dabei. Einer der Männer war wohl das erste Mal dabei, denn es dauerte recht lange bis er sich ins Wasser traute. Immer wieder fragte er einen der anderen Männer etwas, worauf dieser zu ihm ging und ihm noch einmal die verschiedenen Geräte erklärte. Als  sie endlich alle im Wasser waren ging auch Achim hinein.
Er hatte sich vorher schon ausgezogen, während ich angezogen auf den Steinen sitzen blieb. Es war ein abwechslungsreiches Wetter. Immer wieder fing es zu stippeln an, dann verzogen sich die Wolken und die Sonne brannte vom Himmel, bis die nächsten dunklen Wolken kamen.
Achim hielt sich vorwiegend in der Nähe der Leine auf, die von einem Felsen zum anderen gespannt war. Dahinter war es wahrscheinlich zu gefährlich zum Schwimmen. Es herrschte ein starker Wellengang und Achim hatte etwas Schwierigkeiten beim Filmen unter Wasser, wie ich beobachten konnte. Er blieb relativ lange im Wasser und als er wieder raus kam war ihm auch ein bisschen kalt.
„Na, hast du ein paar Fische gesehen?“ fragte ich ihn.
„Massenhaft! Du kannst dir gar nicht vorstellen wie viele sich direkt hier vorne rumtummeln. Willst du es nicht auch einmal probieren?“
„Nein. Ich kann nicht schnorcheln. Und außerdem ist es mir heute viel zu stürmisch“ antwortete ich.
„Ach Quatsch. Guck mal, die Frau geht auch rein.“
Aber ich wollte nicht. Das nächste Pärchen stieg mit einer Tüte Brot  ins Wasser um die Fische zu füttern. Gleich darauf folgte Achim ihnen
Als er wieder aus dem Wasser war meinte er: „Die kommen so nahe an einen ran, dass du meinst, sie schwimmen dir in den Mund. Wenn ich Schwimmflossen angehabt hätte, dann wäre ich auch ein wenig weiter raus geschwommen, aber mit den Sandalen geht das nicht so gut.“
„Du hättest dir ja welche kaufen können.“
„Klar, aber die wiegen ganz schön viel und nehmen auch wieder Platz im Koffer ein.“
Vielleicht, so überlegte ich später, könnte man diese Dinge ja als Sportgepäck aufgeben. Aber nun war es zu spät dazu.

 

Der Wind hatte noch mehr zugelegt. Der Wetterbericht hatte von einer Geschwindigkeit von 45 km/h gesprochen und so kam es mir auch vor.
Uns gegenüber stand ein Mann und angelte. Als  Achim aus dem Wasser war sagte ich zu ihm: „Schau mal da drüben. Da angelt einer. Ich möchte auch angeln.“
„Können wir ja gleich auch. Aber dazu gehen wir in die andere Richtung und bringen erst mal unsere Sachen zum Auto. Wir müssen ja sowieso erst dort hin um unsere Angelruten zu holen.“
Wieder beim Parkplatz angekommen entfernte ich von meiner Zipphose die Beine und ließ die Strickjacke im Auto liegen, denn inzwischen war mir sehr heiß geworden.
„Willst du dich nicht wieder anziehen?“ fragte ich ihn.
„Warum? Wir sind doch hier im FKK-Gebiet.“
Achim ging splitterfasernackt mit den Angelruten in der Hand und dem Rucksack auf dem Rücken Richtung Küste. Es war ein imposanter Anblick, den ich leider nicht fotografieren konnte, da er die Kamera im Rucksack hatte.
Ein Stückchen vom Parkplatz entfernt sahen wir ein Pärchen auf den Klippen stehen, die ebenfalls am Angeln waren. Wir gingen einige Meter weiter bis wir einen passenden Platz gefunden hatten.
Unsere Sachen stellten wir sicherheitshalber ein ganzes Stück vom Ufer entfernt ab, denn die Wellen klatschten teilweise so hoch, dass sie hätten nass werden können. Ich angelte mit der Reiserute und einer kleinen Pose, Achim nahm die Karpfenrute mit einer Wallerpose. Zuerst probierten wir es beide mit einem Stückchen Tintenfisch als Köder. Es war sehr, sehr schwer bei dem Wellen einen Biss zu erkennen. Aber nach einer Weile ging meine Pose unter und ich hatte einen kleinen Silberling am Haken. Achim hatte inzwischen einen aufgetauten Fisch am Haken, der völlig abgefressen war, als er ihn wieder reinholte.
„Hier, Schatz. Du kannst meinen Fisch als Köder nehmen.“
Wenig später fing es erneut zu regnen an. Ich holte meine Rute rein und legte mir ein Handtuch zum Schutz vor dem Regen auf den Kopf. Als der Regen vorbei war, war mein T-Shirt nass. Und durch den kalten Wind fing ich zu frieren an. Ich bedauerte es, meine Jacke im Auto gelassen zu haben.
„Komm, lass uns Schluss machen. Mir ist kalt. Und nass geworden bin ich auch.“
Aber Achim wollte es noch ein bisschen länger probieren. Und so blieben wir noch eine Viertelstunde bis auch er seine Angelrute reinholte . Als wir wieder im Auto saßen meinte er, dass es wohl eine gute Stelle sein müsse, wenn dort sogar die Einheimischen zum Angeln hinfahren.
„Das mag schon sein“, sagte ich. „Und? War die Idee von mir nicht gut, die Angelsachen mitzunehmen?“
„Ja, das war eine gute Idee.“
„Manchmal sollten Männer auch auf ihre Frauen hören“, spottete ich.

 

Als wir in Teguise ankamen war der Markt vorbei, aber die Umleitung immer noch nicht aufgehoben. Wir verfuhren uns wieder und landeten plötzlich auf dem Markplatz. Es war ein regelrechtes Gekurve bis wir endlich wieder auf der Hauptstraße waren.
„Was gibt es heute zum Abendbrot“ fragte Achim mich während der Fahrt.
„Keine Ahnung. Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Vielleicht können wir uns ja beim Irish Pub etwas bestellen und mitnehmen.“
„Oder aber wir essen dort.“
„Das könne wir auch machen“, antwortete ich.
Die Sonne stand tief am Himmel und blendete uns beim Fahren ganz schön. Als wir in Playa Blanca ankamen war sie untergegangen.
Wir setzten uns bei Irish Pub auf die Terrasse und bestellten uns einen Hamburger mit Pommes. Seit dem Frühstück hatten wir noch nichts gegessen und ich verspürte einen großen Hunger. Aber die Portion, die es abends gab, war größer als Mittags und ich schaffte nicht alles. Ich hatte mir zwar meine Jacke übergezogen, aber an den Beinen fror ich doch ein wenig, obwohl es noch 20° waren.
Achim spülte zuerst einmal das Kameragehäuse und die Angelruten ab bevor er sich duschte. Als er aus dem Bad kam sagte er: „Du musst dich beeilen. Das Wasser ist nicht mehr heiß sondern nur noch lauwarm.“
Das hatte ich schon beim Abwaschen gemerkt. Ich stellte mich unter die Dusche, sprang aber nach wenigen Minuten wieder raus, denn das Wasser war nicht einmal mehr lauwarm sondern kalt.
Ich hätte gerne den Tatort gesehen, der in der ARD gezeigt wurde, aber wir bekamen hier nur ZDF, RTL und Pro 7 in deutscher Sprache.
Da uns der Liebesfilm im ZDF nicht gefiel schauten wir uns die Unterwasseraufnahmen an, die Achim am Tag gemacht hatte. Es waren sehr schöne Filme und auch Fotos darunter.
„Na, dann hast du ja einiges zu tun, wenn wir wieder zuhause sind“, sagte ich zu ihm.  „Wie viel Stunden hast du denn jetzt schon gefilmt?“
Achim antwortete, dass es inzwischen insgesamt ca. 1 ½ Stunden sein müssten.

Montag, 21.  November
„Hast du für heute schon etwas vor?“ fragte mich Achim nach dem Aufstehen.
Darüber hatte ich mir noch keine Gedanken gemacht, denn als ich um 7.15 Uhr aufstand war der Himmel voller Wolken. Bei der ungewissen Wetterlage war eine Wanderung wohl nicht das Richtige. Immer wieder musste man mit Regenschauern rechnen.
Wir entschlossen uns nach El Golfo zu fahren. Dort waren wir zwar schon einige Male, aber es ist immer wieder faszinierend. Als wir an der Salzgewinnungsanlage Salinas de Janubio vorbei kamen hielten wir an und stiegen aus dem Auto. Es wehte so ein heftiger Wind, dass wir beim Filmen und Fotografieren Schwierigkeiten hatten die Kameras ruhig zu halten.
In der Saline waren ein paar Männer am Arbeiten, aber die großen Zeiten der Saline sind schon lange vorbei. Heute steht sie unter Denkmalschutz. Früher pumpten die Mühlen Meerwasser in die höher gelegenen Verdampfungsbecken. Als sich die Saline nicht mehr rentierte ließ man sie einfach verfallen. Die heutige Produktion wird nur noch zu Schauzwecken am Leben erhalten. Das Salz, welches dort gewonnen wird, kann man zu überhöhten Preisen im Restaurant an der Saline kaufen. Als wir das erste Mal auf Lanzarote waren haben wir uns dort ein Pfund gekauft und später im Supermarkt gesehen, dass man es dort viel günstiger bekommt. Auch dieses  Mal werden wir uns 2 kg mit nach Deutschland nehmen, denn so ein gutes Meersalz bekommt man bei uns nicht zu kaufen.
Zwischen der Salzgewinnungsanlage und Los Hervideros gibt es einen kleinen Strand (Playa de Janubio), der aus lauter schwarzen Lavasteinchen besteht. Hier ist das Baden wegen der starken Brandung jedoch nicht zu empfehlen.
Als wir bei Los Hervideros anhielten waren dort schon sehr viele Touristen. Nicht nur für Neulinge ist der Anblick faszinierend, auch wir sind immer wieder davon angetan, wenn die hohen Wellen  an die Felsen klatschen. Der Name „Los Hervideros“ bedeutet nicht umsonst „Die Brodelnden“. Einmal stand ich etwas zu nahe am Rand um ein Foto von den hohen Wellen, die an die Felsen klatschten, zu machen. Als ich gerade abdrücken wollte bekam ich eine Husche ab und mein Objektiv wurde nass. Salzwasser ist natürlich nicht so gut für die Geräte und so trocknete ich es sofort ab.
Auf dem Parkplatz stand eine Bude, in der lauter kitschige Sachen angeboten wurden. Unter anderem auch Steine mit Olivinsplitter, die man bei etwas genauerem Hinschauen auch rund herum finden konnte.

 

Wir verließen den Ort und fuhren weiter Richtung El Golfo. Die kleine grüne Lagune, die auch Lago Verde genannt wird, ist im Laufe der Jahre weiter geschrumpft. Sie liegt links hinter dem wie eine Abraumhalde wirkenden Rand einer abgebrochenen Caldera versteckt. Von oben hat man einen atemberaubenden Blick auf die langgezogene Lagune. Da wir schon mehrmals dort waren gingen wir den schmalen schwarzen Sand- und Kiesweg am Meer entlang. Der Anblick der Caldera-Wände aus Lava und Tuff, die manchmal aussehen als wenn sie aus Knetmasse geformt wären, ist einfach überwältigend. Die Wände schimmern in Gelb, Ocker, Braun, Grün, Orange, Rot und Schwarz.
Der See ist durch ein etwas hässlich aussehendes weißes Seil umgeben. Trotz Verbotes gibt es immer wieder Touristen die durchschlüpfen . Im Reiseführer liest man, dass die Stelle nach einem untermeerischen Vulkanausbruch im Pleistozän ein Krater entstanden ist, dessen Wände relativ weich waren, so dass sich das stürmische Meer seine Hälfte holte. Später bildete sich zu Füßen dieses Halbkraters der kleine See mit der smaragdgrünen Farbe, die durch Algen verursacht wird.
Schon bei unserem letzten Besuch im März 2009 haben wir in dem See Fische gesehen. Und auch dieses Mal konnte Achim einen entdecken und auch filmen. Er ist fast einen Meter lang und sieht einem Wels ähnlich. Um was genau es sich handelt, wissen wir nicht.
Als wir am Ende des Sees waren gingen wir am Ufer zurück.
In den schwarzen Steinen schimmerten ein paar winzige Olivine. Ich sammelte ein paar auf und zeigte sie Achim. Als er ein Foto machen wollte erwischte uns eine Welle. Während Achim fluchte, dass seine Sandalen nass wurden, konnte ich mich vor Lachen nicht halten. Nicht nur meine Sandalen waren nass geworden, auch meine Socken. Ein Glück, dass ich kurz vorher noch meine Hosenbeine etwas hoch gekrempelt hatte. So wurde nur der Rand etwas feucht.
„Was meinst du? Wollen wir noch nach Casas de El Golfo fahren und dort eine Kleinigkeit essen?“ fragte Achim.
Was für eine Frage! Es war inzwischen 14 Uhr und mein Magen knurrte. Achim hatte morgens am Pool ein Sandwich gegessen, während ich meine E-Mail durchsah. Ich bin praktisch mit leerem Magen losgefahren.
Der kleine Ort besteht praktisch nur aus Fischrestaurants, so dass man die Qual der Wahl hat.
Direkt gegenüber dem Schotterplatz, auf dem wir unseren Wagen abstellten, lag das Restaurant La Lapa, auf dass Achim sofort zuging. Dort hatten wir bislang noch nicht gegessen, alle anderen kannten wir schon von früheren Besuchen.
Wir bestellten uns ein gebratenes Fischfilet und als Vorspeise Knoblauchbrot. Zuerst bekamen wir vom Haus eine kleine Schüssel mit weißen Bohnen und einer scharfen Soße serviert. Dann kam das Knoblauchbrot. Es schmeckte ebenfalls sehr gut. Und auch das Fischfilet mit kleinen kanarischen Kartoffeln und den beiden Soßen in grün und rot mundete uns. Als wir bezahlen wollten stellte uns der Ober eine Flasche Honigrum und zwei Gläser mit Eis auf den Tisch. Der Likör schmeckte sehr gut. Spaßeshalber sagte ich zu Achim: „Was der Ober wohl sagen würde, wenn wir die Flasche halb leer tränken oder sie gar mitnehmen würden?“
„Das lass mal lieber. Sonst brauchen wir uns hier nicht mehr sehen lassen.“
Wir fuhren nicht sogleich zurück sondern schlenderten noch ein wenig durch den Ort.
Fasziniert blieb ich an einem Schaukasten vor einem Restaurant stehen, in dem verschiedene Fische auf Eis lagen. „Die würde ich auch gerne einmal fangen. Und da ist auch ein Wahoo dabei.“
Ich sah wie ein Ober über die Steine zum Strand ging und den Möwen Fischreste brachte. Sofort gab es ein Gezanke um das Essen.

 


Dienstag, 22. November
In der Nacht hatte es ein wenig geregnet. Doch als ich kurz nach 7 Uhr aufstand schien die Sonne. Es war wieder ganz schön windig, doch der Wind vertrieb auch die Wolken, die am Himmel waren.
Wir luden erst einmal die Fotos vom Tag zuvor auf den Laptop und schauten uns auch den Film an, den Achim gedreht hatte. Er wollte filmen, wie ich meine nassen Socken auszog, aber er hatte vergessen auf Stopp zu drücken und so lief die Kamera die ganze Zeit mit. Als wir im Restaurant in El Golfo saßen wunderte er sich, dass der Speicher voll war.
Ich wollte morgens duschen, aber es kam kein warmes Wasser aus der Brause. Schon 2 Tage vorher, als wir abends duschen wollten, war das Wasser kalt geblieben. Als ich gestern das Geschirr abwaschen wollte kam ebenfalls kein warmes Wasser, aber das war nicht so tragisch, denn ich machte mir Wasser auf dem Herd warm.
Achim schaute sich den Warmwasserboiler an und meinte: „Die Lampe am Boiler leuchtet. Eigentlich müssten wir warmes Wasser haben. Es sei denn, der Boiler ist kaputt.“
„Dann geh zur Rezeption und sag Bescheid“, antwortete ich.
„Gleich. Erst dusche ich.“
„Was? Bist du irre? Ich habe mir nur kurz die Füße abgebraust und mit kaltem Wasser die Haare gewaschen. Nee, kalt duschen ist nicht mein Ding.“
Achim ging zur Rezeption und nahm dabei die Filmkamera mit um die Anlage zu filmen.

 

Als wir durch waren gingen wir zur Promenade. Es war gerade Flut und mich juckte es in den Fingern zum Angeln.
„Was wollen wir heute tun?“ fragte Achim.
„Ich würde gerne angeln. Schau mal, dort braucht man nur die Treppe runtergehen und schon kann man die Angelrute auswerfen. Oder aber wir gehen zur Mole, doch da wird es sicher voll sein.“
Achim antwortete: „Nein, zur Mole brauchen wir nicht gehen. Wenn, dann probieren wir es hier vorne.“
Das war ein Wort! Wir gingen in unseren Bungalow, packten unsere Angelsachen und machten uns auf den Weg zur Promenade. Auf der Promenade gingen wir ein Stück in Richtung Leuchtturm. Einige Meter hinter der Steintreppe  kletterten wir über die Mauer und balancierten über die Steine zum Wasser. Das Wasser hatte seinen höchsten Stand schon erreicht und ging langsam zurück. Achim warf seine Rute nach rechts aus, ich stellte mich links neben ihn und warf gerade aus.
Wir hatten jeder ein Stückchen Tintenfisch als Köder auf den Haken gesteckt und spürten auch, dass die Fische daran knabberten, aber keiner schluckte den Köder. Beim Reinholen der Pose musste man höllisch aufpassen, dass der Haken nicht an den Steinen hängen blieb. Irgendwann hing bei Achim tatsächlich ein Fisch, ein Meerpfau, am Haken. Aber er wollte unbedingt einen größeren, verwertbaren Fisch fangen und wechselte deshalb den Köder. Er entschied sich für eine Makrele als Köder, aber die wurde schon bald rundherum von den kleinen Fischen abgefressen. 
Danach wählte er einen Scampi als Köder. Als er die Montage wieder reinholte hing nur noch die Schale dran.
Ich war das Gezupfe auch bald leid. Achim meinte, ich solle es doch einmal mit Schnecken als Köder probieren. Die Idee war nicht schlecht. Also sammelte ich erst einmal ein paar Schnecken ein, die in Massen um uns herum in den Pfützen waren. Das Gehäuse zertrümmerte ich mit einem Stein und pulte den Körper heraus. Es war eine recht schmierige Angelegenheit und da es nur kleine Schneckenkörper waren musste ich gleich 3 davon auf den Haken stecken. Die Pose landete auf dem Wasser und in dem Moment, als der Köder absackte schnappten auch schon die Fische danach. So ging das immer wieder. Nach einer Weile hatte ich dann doch endlich einen Fisch am Haken. Es war ebenfalls ein Meerpfau. Obwohl der Schneckenköder gut bei den Fischen ankam, hatte ich nach einer Weile keine Lust mehr ständig den Haken neu zu bestücken.
Das Wasser war nach 3 Stunden so weit zurück gegangen, dass es ohne Hänger kaum möglich war die Montage an Land zu bringen.
Wir packten unsere Sachen und gingen zurück zur Wohnung.
In der Zwischenzeit war unser Warmwasserboiler gegen einen neuen ausgetauscht worden.
„Dann werde ich mal gleich duschen“, sagte Achim. „Danach können wir ja zum Hafen gehen und dort irgendwo etwas essen.“
Mit Fotoapparat und Filmkamera schlenderten wir die Promenade entlang. Ab und zu sahen wir ein paar Angler. An einer relativ flachen Stelle standen zwei Männer, von denen einer gerade einen Fisch gefangen hatte. Auch aus der Ferne konnten wir erkennen, dass es ein recht großer Fisch war. Wir vermuteten, dass es sich um eine Meeräsche handelte.
Dann beobachten wir einen Mann, der nahe  am Ufer ging und zwischen den Steinen Tintenfische suchte. Er hatte schon mehrere in zwei Plastiktüten, die er bei sich trug. Einen weiteren hatte er auf einen Stab gesteckt, den er immer wieder in die  Pfützen hielt um weitere Tintenfische anzulocken. Während wir ihm zuschauten fing er jedoch keine mehr.
Ich hatte etwas altes Brot in meiner Tasche mitgenommen und fütterte damit die Meeräschen im Hafenbecken. Sie stürzten sich wie wild auf die Brotstückchen sobald diese im Wasser lagen.
„Wo wollen wir denn essen?“ fragte Achim nach einer Weile.
„Ich würde gerne wieder in das Restaurant wo wir letztes Mal die leckere Paella gegessen haben“, antwortete ich.
Bis zum Restaurant mussten wir jedoch noch ein ganzes Stückchen gehen. Aber es war angenehm warm und an den langen Rückweg wollte ich noch nicht denken. Da es gerade mal 17 Uhr vorbei war bekamen wir auch einen Platz direkt an der Promenade.
Wir bestellten uns einen gemischten Salat und geröstetes Brot mit Knoblauch und Tomaten als Vorspeise. Als Hauptgericht wählten wir eine Seezunge.
Mit dem Verschwinden der Sonne wurde es etwas kühler und ich war froh, dass ich meine kuschelige Fleecejacke mitgenommen hatte. Gegen 19 Uhr machten wir uns auf den Rückweg zur Wohnung. Am Strand war ein Sportlehrer der mit mehreren Kindern Ringen übte. Sie waren wohl Mitglieder der Ringkampfschule aus Uga (Gemeinde Yazia), in der der typische kanarische Ringkampf, der Lucha Canaria  gelehrt wird. Wir schauten ihnen ein wenig zu und gingen dann weiter. Als wir an einem Geschäft vorbei kamen sah ich eine weiße Baseballkappe mit der Aufschrift „Lanzarote“. „Die möchte ich haben“, sagte ich zu Achim. Bevor er etwas antworten konnte war ich schon im Laden und bezahlte die Kappe.

 

Die Promenade ist fast überall beleuchtet, nur beim Hotel Timanfaya Palace ist der Weg nicht mehr beleuchtet. Dahinter stehen zwar ein paar Laternen, aber auch diese waren nicht eingeschaltet, so dass man bis zur Bungalowanlage Atlantic Garden sozusagen im Dunkeln steht.

Oerlinghausen, den 04.03.2012

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