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Achim Kluck

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Uschis Angelberichte und mehr...

Wandern, Angeln und Baden auf der Insel der schlafenden Vulkane
15.11. bis 29.11.2011

Teil 1

Eigentlich wollten wir Ende August eine Angelreise nach Lappland antreten, die Achim übers Forum Deutschland angelt Anfang des Jahres gewonnen hatte. Ich hatte als Mitreisende schon im Juni meinen Anteil bezahlt, doch 5 Tage vor Antritt der Fahrt wurde die Reise abgesagt. Unsere Enttäuschung war mehr als groß.
Mitten in der Urlaubszeit war es uns nicht möglich eine andere Unterkunft zu bekommen, also gingen wir wieder ins Büro und überlegten, wann und wohin wir nun reisen sollten.
Nach einigen Tagen intensiven Planes und Absprache mit unseren Urlaubsvertretungen  entschieden wir uns im November noch einmal nach Lanzarote zu fliegen. Da war es dann wenigstens noch schön warm.

Am Abend vor unserem Abflug brachten wir unsere Koffer zum Vorabend-Check-In nach Bielefeld. Obwohl wir schon gute 15 Minuten vor der Öffnungszeit ankamen standen schon einige andere Reisende dort. Alle waren guter Stimmung weil sie in sonnige Gefilde flogen. Ich war sehr aufgeregt, ob alles mit den Koffern gut ging. Zuhause hatten wir sie zwar gewogen, aber so ganz sicher war ich mir nicht, ob die Anzeige der Waage stimmte. Doch es passte. Achims Koffer wog 19,3 kg, meiner 29,4 kg. Mit der Servicecard von Airberlin konnte Achim 10 kg mehr mitnehmen. Da die Karte nicht übertragbar ist gab er meinen als seinen Koffer aus. Letztendlich war es ja auch egal welcher Name auf welchem Koffer stand.
Erst als wir unsere Bordkarten in der Hand hielten legte sich meine Nervosität.

Dienstag, 15. November
Um 3.15 Uhr klingelte der Wecker, aber ich hörte ihn nicht. Achim musste mich mehrmals ansprechen, bis ich endlich wach wurde und aufstand. Es dauerte einen Moment bis mir klar wurde: Heute fliegen wir nach Lanzarote! Ich brauchte erst einmal eine Tasse Kaffee um richtig wach zu werden. Am schnellsten ging das mit der Senseo Kaffeepadmaschine. Mit der heißen Tasse Kaffee in der Hand ging ich auf den Balkon um eine Zigarette zu rauchen. Statt der Stille umgab mich ein Geräusch, dass ich sonst nur in der Woche hörte. „Ja spinnen die denn bei Gundlach? Haben die etwa die ganze Nacht durchgearbeitet? Heute ist Sonntag!“ dachte ich. Doch sogleich bemerkte ich meinen Irrtum. Es war nicht Sonntag sondern Dienstag. Und in spätestens einer Stunde mussten wir uns auf den Weg zum Flughafen machen. Ich hatte gerade meine Zigarette aufgeraucht als Achim kam. „Na, mein Schatz.“ sagte er und gab mir einen Kuss. „Wolltest du heute nicht aufstehen und nach Lanzarote fliegen?“
„Doch, doch! Ich war nur so schön am Träumen, da habe ich den Wecker gar nicht gehört. Und als ich auf dem Balkon stand glaubte ich im ersten Moment wir hätten Sonntag“ antwortete ich und gähnte ausgiebig.
„Geh erst mal unter die Dusche, damit du richtig wach wirst“, meinte Achim.
Tatsächlich ging es mir sogleich besser. Auf dem Weg zur Garage spürten wir die eisige Kälte. Und auf dem Bürgersteig war es sogar stellenweise glatt. Dementsprechend vorsichtig fuhr Achim zum Flughafen. Auch dort war auf den Wegen stellenweise Raureif. Die geparkten Autos waren alle mit einer weißen Puderschicht überzogen. Aber das sollte uns egal sein, für uns ging es in die Sonne.
Beim Einchecken piepste es als ich durch die Schleuse ging und so wurde ich von oben bis unten abgetastet. Ich musste sogar meine Schuhsohlen vorzeigen! So ein Quatsch. Als ob ich dort Sprengstoff versteckt hätte!
Achim, der mein Bordcase mit dem Notebook vom Band genommen hatte wurde in eine separate Kabine gebeten, wo sie es durchleuchteten. Und da ich auch noch andere (aber alles in der zugelassenen Größe) Tuben, Döschen und Fläschchen drin hatte wurde auch noch ein Abstrich genommen. Man wollte sichergehen, dass ich keinen Sprengstoff in den Flieger schmuggelte!
Endlich war auch das erledigt und wir konnten in den Wartebereich des Flughafens. Bis zum Einsteigen war noch genügend Zeit und so bestellten wir uns eine Tasse Capuccino, die wir in aller Ruhe austranken. Weil Achim nicht rauchen wollte ging ich alleine in den Raucherbereich. Dort war es schön warm und auf den Ledersesseln saß es sich auch gut.
Die Maschine hob pünktlich um 6.40 Uhr ab und landete 35 Minuten später in Nürnberg.
Wir verließen den Flieger und hielten erst einmal Ausschau nach den Toiletten. Danach suchten wir den „Raucherbereich“ auf. Der bestand aus einer Treppe, die ins Freie führte. Dort war ein großes Gedränge und es war sehr kalt und zugig. Ich fand es einfach abartig wie man in Nürnberg mit den rauchenden Passagieren umging. Hier wurde man regelrecht auf ein Abstellgleis gestellt. Da gefiel es mir in Paderborn dreimal besser.
Von Nürnberg aus flogen wir um 8.55 Uhr weiter nach Lanzarote. Ich hatte geglaubt wir würden, da wir ja nun schon in Süddeutschland waren, etwas weniger Zeit bis zur Ankunft in Arrecife brauchen. Deshalb war ich sehr erstaunt  als der Flugkapitän von einer Flugzeit von 4 Stunden und 10 Minuten sprach.
Mit der Umsteigezeit verbummelten wir sozusagen ganze 2 Stunden unseres Urlaubs. Aber es gab ab Paderborn keine Direktflüge mehr nach Lanzarote.
Es war ein ruhiger und angenehmer Flug. Die Tasse bzw. den Becher Kaffee, den ich mir servieren ließ schmeckte grauenhaft, so dass ich mir anschließend lieber einen Tomatensaft bestellte. Jetzt war mir auch klar warum die Statistik zeigte, dass die meisten Fluggäste Tomatensaft trinken!
Während des Fluges schlief ich eine gute Stunde. Als wir uns unserem Urlaubsziel näherten schaute ich gespannt aus dem Fenster. Viel konnte ich nicht sehen, da Achim die Landung filmte, was ja eigentlich nicht erlaubt war.

 

Obwohl wir in der zweiten Reihe saßen und sehr schnell aus dem Flugzeug waren dauerte es länger als sonst bis wir unsere Koffer in Empfang nehmen konnten. Sicher hatte man sie aussortiert und noch einmal durchleuchtet. Immerhin hatten wir neben den Angelruten und –rollen auch Messer, Zange und Totschläger im Koffer.
Nachdem wir endlich unsere Koffer vom Band genommen hatten  mussten wir uns bei dem Empfang von ITS melden um mitzuteilen, dass wir nicht mit dem Bus sondern mit einem Auto zum Hotel fahren würden. Es war in der Menschenmenge gar nicht so einfach den Mann auszumachen, der uns zu unserem Mietwagen führen sollte. Mit Hilfe der Damen von ITS gelang es uns dann nach einiger Zeit doch noch.
Als wir am Schalter von PlusCar standen drehte Achim sich zu mir um, und bat mich meinen Führerschein vorzuzeigen, damit ich ebenfalls als Fahrer des Mietwagens die Berechtigung bekam.
Ich durchsuchte mein Portomonaise ausgiebig, aber keine Spur vom Führerschein! Das verstand ich nicht. Den hatte ich am Abend doch noch gehabt, weil ich mit meinem Auto gefahren war. Ich überlegte krampfhaft: Oder steckte er etwa noch in meinem anderen Portomonaise? Das konnte nicht sein, den musste ich irgendwo hin gesteckt haben. Doch sosehr ich auch suchte, ich fand ihn nicht.
Nun durfte nur Achim den Mietwagens, ein Peugeot 308, fahren. Dabei hatte er extra dieses Modell ausgesucht, damit auch ich damit fahren konnte.
So schlimm wie Achim fand ich es dann doch nicht, denn ich hatte gar nicht vor auf der Insel mit dem Auto zu fahren. Das überließ ich gerne Achim. Aber trotzdem war es dumm von mir keinen Führerschein mitzunehmen.
Als wir in der Rezpetion von Atlantic Gardens standen begrüßte uns die Epfangsdame in gebrochenem Deutsch und sagte, sie wir bekämen den gleichen Bungalow den wir beim unserem ersten Aufenthalt bei ihnen hatten, nämlich Nummer 317.
Das war okay. Er lag zwar nicht so nahe am Wasser wie der, den wir bei unserem letzten Aufenthalt hatten, aber es war dort ebenso schön ruhig.
Der Kühlschrank war schon angestellt und eine Flasche Mineralwasser stand drin. Auf dem Küchentisch stand zur Begrüßung eine Flasche Rotwein und daneben lag eine Tüte Erdnüsse. Es gefiel uns gut, so empfangen zu werden.
Nachdem wir unsere Koffer ausgepackt hatten gingen wir erst einmal zum Swimmingpool und setzten uns an die Bar. Am Himmel waren zwar ein paar helle Wolken, aber es war angenehm war.  Wir bestellten uns ein kühles Bier und gleich darauf ein zweites . Ich hatte gleich als wir ankamen an der Rezeption gefragt, ob wir hier kostenlos ins Internet kämen. Tatsächlich war das unter Eingabe eines Passwortes, dass uns genannt wurde, möglich.
Wir loggten uns mit unseren Smartphons ins WLAN-Netz ein. Der Empfang war zwar nicht hervorragend, aber ganz gut. Leider reichte er nicht bis in die Bungalows. Man musste also immer in die Nähe des Pools gehen um ins Internet zu kommen.
Da wir uns abends das Fußballspiel Deutschland gegen Niederlande anschauen wollten fuhren wir erst einmal los um das Nötigste für den nächsten Tag einzukaufen.
Wie immer gingen wir in den Edekaladen in der Nähe des Hafens. Nachdem wir alles hatten brachten wir die Lebensmittel und Getränke ins Auto. Wir fuhren nicht gleich zurück sondern  setzten uns auf die Terrasse des  Irish Pub und  bestellten und seinen Hamburger mit Pommes. Bis das Fußballspiel anfing hatten wir noch über eine Stunde Zeit. Es tat unheimlich gut in der Sonne zu sitzen, aber als es kurz nach 18 Uhr  zu dämmern anfing wurde es mir doch etwas kalt.
Die erste Halbzeit des Fußballspiels schaute mich mir noch an, obwohl mir immer wieder die Augen zufielen. Nach der Halbzeitpause verzog ich mich ins Bett. Das Fußballspiel war mir so etwas von egal. Ich war total geschafft und wollte nur schlafen.

Mittwoch, 16. November
Das gelang mir auch. Ich schlief tief und fest und war sehr erstaunt, als ich um 4.15 Uhr Ortszeit putzmunter war. Leise schlich ich mich aus dem Schlafzimmer und ging erst mal nach draußen. Die Luft war angenehm warm und es war totenstill um mich herum. Die einzigen Geräusche, die ich vernahm, waren das Summen der Mücken.
Es dauerte auch nicht lange, da hatte es die erste geschafft mich zu stechen. Verdammte Mistviecher! Ich nahm mir vor noch am selben Tag eine Fliegenklatsche zu kaufen. Eigentlich hatte ich immer eine im Koffer, doch in diesem Jahr hatte ich daran überhaupt nicht gedacht. Vielleicht deshalb, weil wir zuhause kaum mit diesen Plagegeistern zu kämpfen hatten.
Gegen 6 Uhr nahm ich mein iPhone und setzte mich damit am Pool auf einen Stuhl. Dann loggte ich mich ins WLAN-Netz ein, las meine E -Mails und ging zurück zu unserem Bungalow. Achim schlief immer noch tief und fest, während ich mich vor den Angriffen der Mücken schützte.
Als  es richtig hell war schaute ich mir den Himmel an. Es war total windstill, aber die Wolken hatten zugenommen. Eigentlich war es das beste Wetter zum Angeln. Aber dafür mussten wir uns noch frische Köder besorgen und das wollten wir in dem Hipo Supermarkt erledigen, wo wir auch noch ein paar Lebensmittel einkaufen wollten.
Gegen 8.30 Uhr, als Achim aufgestanden war ging ich in den kleinen Supermarkt in der Hotelanlage und kaufte uns ein paar Brötchen. Wir frühstückten bei angenehmen Temperaturen auf der Terrasse und machten anschließend einen Spaziergang auf der Promenade.
Als ich jedoch die Mole sah, auf der wir das letzte Mal bei unserem Urlaub auf Lanzarote geangelt hatten, bekam ich einen Schreck. Überall lagen jetzt riesig große quadratische Steine auf denen es nicht nur gefährlich sondern auch fast unmöglich war zu laufen. Es blieb nur ein kleiner Teil ganz vorne, wo man sich auf die Lavafelsen setzen konnte. Was hatten sich die Politiker dabei gedacht? Sie hätten lieber eine vernünftige Seebrücke bauen sollen! Darüber hätten sich nicht nur die Touristen sondern auch die Angler sehr gefreut.
Je näher wir diesen Steinhaufen kamen umso mulmiger wurde mir. Hier wollte Achim angeln? Nein, dass traute ich mich nicht, jedenfalls nicht im Dunkeln. Aber genau das hatte er vor. Bei Einbruch der Dunkelheit wollte er zum Angeln ans Wasser, denn dann sollten hier die großen Fische beißen.
Als ich zurück zur Promenade blickte sah ich unten auf den Felsen einen Mann stehen, der gerade ein paar Fische ausnahm.
„Achim, schau mal. Der hat ein paar Fische gefangen und nimmt sie gerade aus“, rief ich Achim zu.
„Schön“, sagte er. „Das ist ein gutes Zeichen. Die hat er sicher heute in der Früh gefangen. Wir probieren es heute Abend einmal hier.“
Ach du meine Güte! Achim hatte also tatsächlich vor in der Dunkelheit auf den Lavabrocken rum zu kraxeln. Mir wurde etwas mulmig. Aber ich hielt den Mund und sagte nichts.
Als wir wieder im Bungalow waren beschlossen wir zunächst einmal zum Einkaufen zu fahren. Shampoo, Duschgel, Sonnenmilch usw. hatten wir aus Platzgründen nicht im Koffer mitgenommen und mussten es uns erst besorgen. 
Wir fuhren zum HiperDino Supermarkt, wo wir alles was wir benötigten, bekamen. Für das Angeln kauften wir einen kleinen Tintenfisch und noch  5 Sardinen und eine Handvoll Scrimps. Nach unserem Einkauf fuhren wir ein Stückchen weiter Richtung Yachthafen und kehrten bei mym (eine deutsche Snackbar) ein.
Zurück in unserem Bungalow packten wir unsere Lebensmittel in den Kühlschrank und setzten uns danach mit dem Notebook an die Poolbar. Ich schrieb Ute Dopke, mit der ich über Facebook Kontakt hatte und die auf Lanzarote lebte, eine kurze Nachricht, in der ich sie  fragte, wann und wo wir uns treffen könnten. Danach klappte ich das Notebook zu und wir gingen zurück zur Wohnung.
Da ich schon um kurz nach 4 Uhr aufgestanden war legte ich mich für ein Stündchen aufs Sofa während Achim unsere Angelruten fertig montierte.
Gegen 17 Uhr war der höchste Wasserstand erreicht und eine Stunde später ging die Sonne unter. In dieser Zeit wollten wir uns einen einigermaßen guten Platz auf der Mole suchen.
Wie erwartet waren schon ein paar Angler vor uns da. Ein Engländer packte gerade seine Sachen zusammen und überließ Achim seinen Platz. Weiter in den Steinblöcken hielten sich 3 Spanier auf. Sie hatten keine Angelruten dabei sondern ließen an einer Schnur, die um ein Brett gewickelt war, ihre Köder zwischen die Felsblöcke runter. Tatsächlich fingen sie damit auch zwei Fische  und zwar einen kleinen Zackenbarsch und einen kleinen Congar.
Ich war furchtbar nervös als wir auf der Mole waren und sagte zu Achim, dass ich zuerst noch nicht selber angeln wollte, sondern ihm zuschauen würde.
Achim steckte als Erstes einen  Scrimps auf den Haken und hatte auch schon kurz darauf den ersten Biss. Aber die Räuber hakten nicht sondern zogen nur die Köder vom Haken. Nach einer Weile, Achim hatte bestimmt schon den 6. Scrimps verbraucht, gelang es ihm doch einen dieser kleinen Silberlinge zu landen. „Wenigstens bin ich heute kein Schneider“, bemerkte er. Es juckte mich zwar in den Fingern ebenfalls meine Rute auszuwerfen, aber ich traute es mich dann doch nicht. „Wenn nur diese blöden Lavasteine nicht wären. Aber es gibt hier auf der Insel keine Stelle wo sie nicht liegen“, meinte ich zu Achim.
„Das hast du doch gewusst. Dann musst du vom Strand aus angeln. Aber ich glaube kaum, dass du so weit auswerfen kannst um überhaupt einen Fisch an den Haken zu kriegen.“
Da hatte er vollkommen recht. Und doch. Mir wäre es lieber gewesen wenn es hier auch Angelstellen geben würde, die man sicheren Standes erreichen konnte.
Als die Sonne untergegangen war nahm Achim seine zweite Rute und beköderte den Haken mit einer Sardine. Auf die Pose hatte er ein Knicklicht gesteckt. Wir beobachteten sie wie sie auf dem Wasser schaukelte. Plötzlich bemerkte Achim einen Ruck in der Rute. „Das ist ein Biss“, rief er aufgeregt. Doch im selben Moment hatte der Räuber den Köder wieder losgelassen.
In der Dunkelheit beobachteten wir die Fischerboote  auf dem Meer. „Soll ich mal den gefangenen Fisch dran machen? Vielleicht nehmen sie den ja lieber.“
Ich antwortete, dass es ruhig probieren könnte. Aber mehr als den einen hatten wir ja nicht. Wir blieben fast 3 Stunden auf der Mole ohne dass es zu einem weiteren Biss kam. Einmal beobachtete ich wie ein Silberling nahe am Ufer aus dem Wasser sprang. Sicher war ein Raubfisch hinter ihm her gewesen. Aber so nahe am Ufer konnte man nicht angeln. Die Gefahr dort einen totalen Abriss zu bekommen war einfach zu hoch.
Ich war froh, als Achim einpackte, denn vom langen Sitzen auf den harten Lavasteinen tat mir inzwischen der Hintern ganz schön weh.
Achim hatte schon alle Angelsachen über die Steine zurück zu der Stelle getragen wo der Sand war und bat mich auf ihn zu warten. Aber ich hörte nicht auf ihn. Bis ich auf dem letzten Stein angekommen war ging auch alles gut, doch statt rechts auf den niedrigeren Stein zu steigen sprang ich vom hohen herunter und fiel prompt kopfüber in den Sand. Nur gut, dass keine Leute zugegen waren! Achim schimpfte natürlich mit mir: „Ich habe dir doch gesagt du sollst warten. Ich wollte dir den Weg zeigen. Aber du hörst ja nicht auf mich. Hast du dir weh getan?“
„Ein kleines bisschen. Ich bin etwas blöd auf mein Knie gefallen. Aber es geht schon.“

 

Donnerstag, 17. November
Es lag sicher am Klimawechsel, dass ich an diesem Morgen länger als üblich schlief. Erst kurz nach 7 Uhr bin ich wach geworden.
Am Himmel waren wieder viele Wolken und nur ab und zu sah die Sonne durch. Aber es war immer noch angenehm warm.
Mir tat immer noch der Hintern weh vom Sitzen auf den Lavasteinen.
Als Achim aufgestanden war fragte er mich ob ich mir überlegt hätte, was wir an diesem Tag unternehmen sollten.
„Nein“, antwortete ich. „Bislang habe ich darüber noch nicht nachgedacht. Aber eines weiß ich: Ich brauche dringend eine Fliegenklatsche. Diese Sch…mücken gehen mir auf den Geist. Vielleicht sollten wir uns doch ein Insektenspray kaufen.“
Inzwischen war es 9.30 Uhr und am Himmel waren ein paar Wolken mehr. „Wir sollten heute vielleicht mal einen Spaziergang zu den Lavabomben machen. Das wolltest du doch so gerne“, sagte Achim.
Damit war ich sofort einverstanden. Zum Baden war es mir doch etwas zu kalt. Vielleicht würde ja am Nachmittag die Sonne rauskommen.
Wir setzten uns ins Auto und fuhren die LZ 2 bis Yaiza, bogen dann ab auf die LZ 30 Richtung Teguise und fuhren hinter Vegas de Tegoyo auf die LZ 56. Nach einigen Kilometern stellten wir unseren Wagen rechts der Straße auf einem Schotterplatz ab. Etwas zurück lag auf der linken Straßenseite ein Vulkan, der Montana Negra (man nennt ihn auch den Raben- oder Krähenkrater) den man besteigen konnte.
Es wehte ein kühler, kräftiger Wind und ich war froh, dass ich eine lange Hose und eine Strickjacke angezogen hatte. Achim, der mehr Hitze hatte als ich, war nur in kurzer Hose und T-Shirt bekleidet. Ihm machte der Wind nichts aus.
Wir näherten uns dem Fuße des Vulkans und sahen, dass einige Leute den Aufstieg wagten. Es war kein Weg nach oben, lediglich ein Trampelpfad über Vulkanasche.
Achim wollte natürlich auch nach oben, also folgte ich ihm bis zu der Stelle, wo es dann steilhoch über Felsen ging. Das war mir doch ein bisschen zu gefährlich. Ich setzte mich auf einen Stein und wartete bis Achim wieder zurück war.
Dann trottete ich vorsichtig hinter ihm her und war froh wieder unten zu sein. Wir gingen rechts um den Vulkan herum und kamen an eine offene Stelle. Von dort konnte man ins Innere des Vulkans gehen.
Irgendjemand hatte mitten drin einen Kreis aus Steinen angelegt. Beim Näherkommen sah ich, dass es kein Kreis sondern ein  Labyrinth war. Während Achim filmte und fotografierte ging ich ins Labyrinth. Es dauerte schon etwas bis ich in der Mitte angelangt war. Als ich das Labyrinth verlassen hatte gingen wir weiter um den Vulkan herum. Von den Lavabomben, die wir dort vermuteten, war nichts zu sehen.
Es dauerte eine ganze Weile bis wir am Ausgangspunkt angekommen waren, denn der Weg führte um den ganzen Montana Negra herum, und dort gab es noch viel zu entdecken.

 


 

Als  wir wieder am Auto ankamen hatten wir eine Strecke von 1 ½ Stunden Weg hinter uns. Ich hatte vorsichtshalber einen Reiseführer mitgenommen, in dem beschrieben wurde wo die  Lavabomben zu finden sind. Ich schlug noch einmal nach und sagte dann zu Achim „Wir sind hier nicht richtig. Wir müssen ein Stückchen weiter fahren. Schau mal, auf dem Foto ist ein Vulkan mit roter Asche zu sehen. Der dort drüben könnte es sein.“
Im Reiseführer stand: „ Von Uga kommend liegt nach etwa 5 km links ein Schotterplatz, von dem aus man auf einer deutlich sichtbaren Piste etwa 10 Minuten nach Südosten in Richtung Caldera Colorada marschiert. Und dann der große Augenblick: Riesigen Schokokegeln gleich liegen die teils bis zu 7 m hohen Basaltblöcke südlich des rotleuchtenden Vulkanberges Montana Colorada (518 m) vor dem Betrachtet und lassen ihn einen Moment den Atem anhalten. So eindrucksvoll ist  der Anblick!“
Tatsächlich lag ein Stückchen weiter ein anderer Schotterplatz auf dem viele Autos parkten. Wir gingen zu der Schautafel die am Fuße des Vulkans aufgestellt war.
„Wo sollen wir lang gehen? Rechts oder links rum?“ fragte Achim.
Ich antwortete: „Das ist doch egal. Oder wollen wir nicht ganz rum gehen?“
Ich hatte ja nicht ahnen können, dass es ein weiter Weg sein würde. Wir gingen in die Richtung, in der die nummerierten Schautafeln aufgestellt waren. Tatsächlich sahen wir nach wenigen Metern die ersten Lavabomben.
An der Wind abgewendeten Seite wuchsen auf dem roten Lavagestein ein paar grüne Büsche. Drei Arbeiter waren gerade dabei sie zu entfernen. Wahrscheinlich deshalb, damit die Seite des Vulkans nicht zuwuchs und man weiterhin das rote Gestein erkennen konnte. Trotzdem fand ich es total bescheuert die Büsche, die auf dem kargen Boden wuchsen, zu entfernen.
Es war schon kurz nach 14 Uhr als wir wieder im Auto saßen. Nach dieser fast 4stündigen Wanderung über Schotterwege taten mir meine Waden etwas weh. Hinzu kam der heftige Wind, der uns ständig entgegen blies.

 

„Lass uns gleich irgendwo etwas trinken und essen“ bat ich Achim.
„Können wir machen. Aber erst fahren wir zurück nach Playa Blanca und stellen das Auto am Bungalow ab. Ich habe auch Durst und würde gern ein Bier trinken. Aber nicht, wenn ich fahren muß.“
Bis wir in Playa Blanca ankamen waren weitere 30 Minuten vergangen.
Ich schlug Achim vor, dass wir uns an den Pool setzten und dort essen zu Essen bestellten.
„Gleich. Ich bin durstig und trinke erst einmal hier ein Bier.“
Als er endlich soweit war dass wir losgehen konnten war es schon 16 Uhr. Daher schlug ich vor, dass wir doch nicht am Pool essen sondern dazu auf die Promenade gehen sollten.
Wir setzten uns auf die Terrasse eines Restaurants, dass wir schon von unseren früheren Besuchen kannten, und bestellten uns jeder eine Pizza. Es war herrlich warm und wir genossen den Anblick des Sonnenuntergangs.
Ein Schild mit der Aufschrift „Free WiFi Zone“ ließ mich den Kellner nach dem Passwort fragen. Tatsächlich war ich kurz darauf mit dem iPhone im Internet. Diesen Service, an vielen Stellen kostenfrei ins Internet zu kommen, hatte es vor 2 ½ Jahren noch nicht gegeben. Aber damals war es mir auch egal gewesen, denn da hatte ich noch kein iPhone.
Auf dem Rückweg zum Bungalow merkte ich, wie kaputt ich tatsächlich war. Ich schaute nur noch eine gute Stunde Fernsehen, dann verabschiedete ich mich von Achim und legte mich schlafen.

 


Freitag, 18. November
Gegen 6.30 Uhr stand ich auf und schaute als erstes einmal nach draußen. Es war zwar noch nicht richtig hell, aber ich konnte erkennen,  dass kaum Wolken am Himmel waren.
Als ich mit meinem iPhone auf der Mauer am Swimmingpool saß und meine Mail las stupste mich etwas an. Ich schaute nach rechts und sah eine kleine rotbraune Katze neben mir sitzen.
Sie verschwand nach ein paar Minuten wieder und ich ging zurück in unser Häuschen. Dann weckte ich Achim.
Nach dem Frühstück packten wir unsere Badesachen und fuhren zum Papagayostrand.
Auf dem Weg dorthin kauften wir uns eine Bambusliegematte und ein paar kühle Getränke. Wir kamen an die Stelle, wo es von der Straße rechts ab zu den Papagayostränden geht und schauten erstaunt, als wir sahen, dass sie gesperrt war. Was nun? Ein blaues Schild mit weißem Pfeil deutete an, dass wir geradeaus weiterfahren mussten.
„So ein Mist. Ich habe keine Inselkarte mitgenommen. Und du hast dein Handy in der Wohnung gelassen. Liegt wenigstens das mobile Navi im Handschuhfach?“ fragte ich Achim.
„Das liegt auch in der Wohnung. Den Weg zum Strand kenne ich doch. Ich konnte doch nicht ahnen, dass der gesperrt ist“, erwiderte er.
„Ich habe auf meinem iPhone keine Karte von Lanzarote. Lediglich ein APP von Lanzarote. Vielleicht steht da ja etwas drin.“
Ich schaute nach und fand auch einen Hinweis auf die ganzen Strände auf Lanzarote. Auch der Weg zum Papagayostrand war beschrieben. Aber es war der, der jetzt gesperrt war.
Wir fuhren weiter und hielten Ausschau, wo es rechts ab ging. Aber es kam kein Abzweig mehr. Als wir oben in Femés angekommen waren hielten wir kurz an und drehten dann um. Als wir erneut an der Absperrung vorbei kamen fiel uns auf der linken Seite ein weißes Schild mit der Aufschrift „Papagayo“ auf. Wir folgten dem Hinweis, indem wir geradeaus fuhren. Nach einer ganzen Weile kam ein weiteres Schild, dass uns zeigte, dass wir die Straße verlassen und zum Puerto Calero fahren mussten. Dann kam kein weiterer Hinweis mehr. Ein wenig kannten wir uns ja aus und so fanden wir dann auch den Weg wo es zu den Stränden ging. In den letzten 2 ½ Jahren ist viel gebaut worden. Fast bis nach Papagayo waren Bungalows zu sehen. In Lanzarote37° hatte ich gelesen, dass die Häuser in Puerto Calero illegal gebaut worden waren und wahrscheinlich nicht belegt werden durften.
Wir parkten unseren Wagen wie schon die Jahre vorher auf dem Parkplatz am Campingplatz. Schon von Weitem sahen wir, dass sehr viele Leute am Strand waren. Aber vom Parkplatz aus hatte man die Möglichkeit sich an drei verschiedenen Stränden zu sonnen. Wir wählten wieder den mittleren aus. Es war gerade Ebbe und so konnten wir trockenen Fußes am Strand entlang gehen. Bis zur Flut hatten wir ein paar Stunden Zeit uns ein sonniges Plätzchen zu suchen.
Achim konnte es nicht erwarten seine neue Taucherbrille mit Schnorchel auszuprobieren und ging sogleich damit ins Wasser. Als er nach ca. 15 Minuten wieder kam sagte er, dass er ein paar schöne Fotos und Filme gedreht hätte.
„Wie?“ fragte ich. „Hattest du gleich die Kamera mitgenommen?“
„Natürlich. Deshalb bin ich doch ins Wasser gegangen. Ich muß nur beim nächsten Mal darauf achten, dass ich die Kamera etwas tiefer halte. Es ist auch nicht so einfach bei dem Seegang und den vielen Steinen um einen herum zu filmen. An einem Felsen habe ich mir mein rechtes Bein geschrammt.“
„Oh weh. Möchtest du ein Pflaster?“ fragte ich ihn.
„Nein. Geht schon. Aber man muß höllisch aufpassen, dass einem die Welle nicht an die Felsen haut. Beim nächsten Mal gehe ich weiter nach links.“
„Du meinst dort, wo der große Felsen im Wasser steht?“
„Genau. Dahinter ist der andere kleinere Strand. Da sind kaum Steine. Und auch nicht so viele Wellen.“
Solange ein paar Wolken am Himmel waren konnte man es gut aushalten, doch als diese verschwunden waren wurde es ganz schön heiß. Die Sonne brannte erbarmungslos vom Himmel.
Ich beobachtete ein Angelboot,  dass in der Nähe des Hafens von Playa Blanca gehalten hatte. Ich vermutete, dass es das gleiche Boot war mit dem wir vor 3 Jahren rausgefahren waren. Als es nach ca. 30 Minuten zurück Richtung Puerto del Carmen fuhr ging Achim erneut ins Wasser. „Pass schön auf mich auf!“ meinte er.
Abwechselnd beobachtete ich das Boot, welches zum Schleppfischen hin und her fuhr, und Achim der sich dem dicken Felsen im Wasser näherte. Das Angelboot wendete 7 Mal, dann fuhr es zurück in den Hafen. Achim war immer noch im Wasser, aber inzwischen am Strand der anderen Bucht.
 Es dauerte sehr lange bis er endlich wieder bei mir war. „Ich dachte schon, du wolltest gar nicht mehr aus dem Wasser“, meinte ich.
„Ich wäre auch am liebsten noch drin geblieben. Aber inzwischen ist mir kalt geworden. Du glaubst gar nicht, wie viele Fische sich dort tummeln. Manchmal war ich in ganzen Schwärmen drin. Die meisten Fische waren auch gar nicht scheu, ich konnte sie gut filmen. Aber durch den Seegang war es nicht so einfach. Ich wurde beim Filmen immer wieder abgetrieben und musste noch auf die Felsen aufpassen. Aber ich glaube, ich habe ein paar gute Aufnahmen machen können.“
Achim schaute sich die Bilder an, aber bei der Helligkeit war auf dem Display nicht allzu viel zu erkennen. Das musste warten, bis wir wieder in der Wohnung waren.
Mir lief der Schweiß nur so den Körper hinunter und Achim meinte, ich solle unbedingt ins Wasser gehen um mich ein wenig abzukühlen.
„Mach ich. Aber du musst mitkommen. Alleine traue ich mich nicht rein.“
Wir waren ein paar Schritte gegangen, als ich sagte: „Ich habe ja gar keine Sandalen an.“
„Das brauchst du auch nicht. Dahinten ist es nicht so steinig.“
Von wegen, nicht steinig. Egal wo man ins Wasser wollte, zuerst musste man über einen 3 m breiten Streifen, der voller kleiner wallnussgroßer Steine lag. Ich fluchte: „Hätte ich man doch meine Sandalen angezogen! Es tut verdammt weh über die Steine zu laufen.“
„Ach komm. Stell dich nicht so an. Da vorne kannst du gut ins Wasser gehen. Du sollst ja auch nicht weit laufen sondern schwimmen.“
Achim hatte gut reden. Er hatte beim Schnorcheln immer seine Sandalen angehabt. Als mich eine Welle von hinten traf fiel ich nach vorne ins Wasser. Nun war ich abgekühlt! Ich schwamm nur ein paar Minuten, dann ging ich erneut über die Steine zum Strand. Es war herrlich gewesen, das Wasser war angenehm warm, so um die 23°. Aber diese vielen Steine -  und es waren nicht nur kleine, weitere drinnen lagen die großen - am Strand hätten nicht sein brauchen.
Bei Ebbe kann man ja noch erkennen wo sie sind, aber wenn die Flut kommt sieht es nicht so gut aus.
Gegen 16 Uhr packten wir unsere Sachen. Bei unserer Ankunft in der Wohnung schauten wir uns zuerst einmal die Aufnahmen an, die Achim unter Wasser gemacht hatte.

 

„Mann, sind die toll! Ich hätte nicht geglaubt, dass sich dort,  wo wir schwimmen, so viele Fische aufhalten. Und was für schöne und interessante. Ich kann es kaum erwarten das alles zuhause auf unserem großen Bildschirm zu sehen. Das muß einfach toll aussehen!“
Nachdem wir geduscht und uns umgezogen hatten gingen wir auf die Promenade. Im Restaurant LaBahia bestellten wir uns eine Lammkeule mit Kartoffeln und Gemüse.
Wir blieben fast 2 Stunden dort bevor wir zurück gingen. In der Wohnung war es sehr warm und draußen angenehm kühl. Also setzten wir uns  mit unserer kleinen Angellampe  auf die Terrasse und genossen den Abend.
„Was sagt denn der Wetterbericht? Wie wird es morgen?“ fragte Achim.
„Hm, nicht so gut. Die Vorhersage für Yaiza sagt den ganzen Tag Sprühregen voraus.“
„Das  glaube ich nicht. Aber egal. Wir werden sehen wie es wird. Wenn es tatsächlich bewölkt und regnerisch ist, dann besuchen wir die Bodega La Geria. Und dann bin ich auch bereit mit dir in das Weinmuseum zu gehen. Wenn es aber so wie heute ist, dann fahren wir morgens zum Leuchtturm und schauen uns um wo wir dort angeln können.“

Samstag, 19. November
Als die Sonne aufging stand ich auf und schaute zuerst mal nach wie das Wetter war. Es waren zwar ein paar Wolken am Himmel, aber von Regen keine Spur. Auch in der Nacht hatte es nicht geregnet. Alles war knüppeltrocken wie die Tage zuvor.
Die Tauben warteten schon drauf, ein paar Brötchenkrümel abzubekommen. Aber darauf mussten sie noch warten.
Ich nahm mein iPhone und ging zum Swimmingpool. Aber ich konnte keine Verbindung zum WLAN-Netzwerk herstellen. Auf dem Rückweg machte ich noch ein paar Fotos von den Hibiskusblüten am Wegesrand.
Um 8.15 Uhr kam Achim aus dem Bett. „Ich habe die Nacht schlecht geschlafen“ sagte er.
Ich fragte zurück: „Warum?“
„Mücken und Zahnschmerzen.“
Achim hatte vor 2 Tagen eine Plombe verloren. Ich hatte ihm gesagt, er solle hier zu einem Zahnarzt gehen, aber das wollte er nicht. „Ich vergeude doch nicht meinen Urlaub um hier bei einem Zahnarzt zu sitzen!“
„Dann musst doch wohl doch zum Zahnarzt.
Achim antwortete: „Das ist nicht der Zahn, wo ich die Plombe verloren habe. Es ist der andere, der, der vor dem Urlaub plombiert wurde.“
Nach dem Frühstück beschlossen wir zum  Punta de Pechiguera (Leuchtturm) zu fahren. Dort angekommen sahen wir uns nach einer Angelstelle um. Der Wind wehte sehr heftig und die Wellen türmten sich mehrere Meter hoch. „Das können wir knicken“, sagte ich. „Hier kann man nicht angeln, das wäre viel zu gefährlich. Rechts vom Leuchtturm fängt doch auch Los Hervideros an. Die Gegend heißt nicht umsonst „die Stürmische“.
Wir gingen ein Stückchen zurück bis zu der Stelle, wo die Promenade von Playa Blanca endete. Aber nirgendwo ergab sich eine Möglichkeit zum Angeln.
Achim sah das auch ein und so fuhren wir zurück zu unserer Ferienwohnung. Aber wir gingen nicht in die Wohnung sondern nahmen unsere Angelsachen aus dem Auto und gingen direkt auf die Promenade. Dann kletterten wir über die Steinmauer und runter über die dicken Steine bis wir eine Stelle hatten, wo man einigermaßen sicher stehen konnte.
Etwa 10 m vom Wasser entfernt stellte sich Achim auf einen Stein und warf seine Rute mit Pose aus. Am Haken hing ein Stückchen Scrimps. Als die Pose auf der Wasserfläche auftraf tauchte sie auch sofort unter. Ein Fisch hatte sich sogleich den Köder geschnappt, ohne jedoch zu haken. Immer wieder wurde der Köder vom Haken gezogen. Erst nach dem 5. Wurf  hing endlich ein Fisch am Haken. Es war ein Lippfisch, den Achim vom Haken löste und wieder zurück setzte.
Ab und zu biss auch ein anderer kleinerer Fisch, aber alle gingen wieder vom Haken ab, wenn Achim die Pose hochhob und über die Felsen zog.
Gegen 12 Uhr schien noch die Sonne, dann kamen die ersten dunkleren Wolken. Eine knappe Stunde später konnte man den Leuchtturm nur noch im Dunst erkennen.
„Guck mal, da hinten regnet es“, sagte Achim. Und keine Minute später war der Regen auch schon bei uns angekommen. So schnell es ging packten wir unsere Sachen zusammen und gingen zurück zur Wohnung. Als wir dort endlich angekommen waren waren unsere Kleidungsstücke ganz schön nass geworden.
So schnell wie der Regen gekommen war, so schnell war er auch wieder verschwunden. Wir zogen uns trockene Sachen an und fuhren dann mit dem Auto zum Hafen, wo wir es auf dem Schotterplatz abstellten. Ich wollte vorsichtshalber eine Regenjacke mitnehmen, aber ich hatte sie in der Wohnung vergessen. Außerdem war es warm und der Himmel fast wieder wolkenlos.
Wir schlenderten auf der Hafenpromenade entlang und schauten uns die am Weg liegenden Restaurants an. Aber es sagte uns keines so richtig zu. Also gingen wir weiter. Am Restaurant „Brisa Marina“ sagte uns zu. Dort war es zwar recht voll – was ja ein gutes Zeichen ist –, aber wir bekamen noch einen freien Tisch direkt an der Promenade. Auf der Karte standen viele Gerichte und die Auswahl war nicht ganz einfach. Achim fragte mich, ob wir nicht einmal eine gemischte Paella essen wollten. Sie war jeweils für 2 Personen gedacht und kostete pro Person 10 Euro.
Ich stimmte ihm zu und so bestellten wir sie uns. Es dauerte ca. eine halbe Stunde bis das Essen kam, aber es übertraf unsere Erwartungen dahingehend, dass es eine sehr große Portion war und sie sehr lecker schmeckte.
Während wir dort aßen brannte die Sonne so stark,  dass ich dachte, ich würde gleich einen Sonnenbrand bekommen. Einmal gab es einen kurzen Nieselschauer, der jedoch nach wenigen Minuten vorbei war.
Es war schon 16 Uhr vorbei als wir uns gemächlich auf den Rückweg zum Parkplatz machten.

 

Im Hafen sahen wir drei Männer in einem Boot die gerade rausfuhren. Sie hatten ein paar Angelruten dabei und es war offensichtlich, was sie vorhatten.
„Ach, ich wünsche mir, dass wir auch einmal Leute kennenlernen, die uns in ihrem Boot mitnehmen“, sagte ich zu Achim und schaute sehnsüchtig dem Boot hinterher.
„Ja, das wäre schön. Aber du kannst ja kein Spanisch.“
„Na, du bist gut. Warum hast du denn noch kein Spanisch gelernt? Dann könntest du sie ansprechen“ konterte ich.
Unterwegs kauften wir uns fürs Abendessen ein Baguette und ein paar Tomaten. Und außerdem 2 Flaschen Malvasiawein aus El Grifo. Da der Wein noch nicht gekühlt war öffnete Achim die Flasche Rotwein, die wir vom Hotel zur Begrüßung bekommen hatten. Wir setzen uns damit auf die Terrasse und stießen an. Plötzlich war die Sonne wieder verschwunden und am Himmel tauchten dunkle Wolken auf. Einen Moment später regnete es erneut, so dass wir in die Wohnung flüchteten.
Ich grinste Achim an: „Na, mein Schatz. Wer hatte wohl Recht gestern mit dem Wetterbericht?“
Achim erwiderte: „Ausnahmsweise du!“
Der Regenguss war zwar nach einigen Minuten wieder vorbei, aber der Himmel hatte sich total zugezogen. Nur gut, dass wir nicht mehr vorhatten zum Essen zu gehen, dachte ich.
Abends aßen wir zum Brot einen leckeren Tomatensalat mit Schafskäse und sahen uns im Fernsehen einen Krimi an. Den Mücken muß es draußen wohl zu kalt geworden sein, denn sie wollten in die warme Wohnung. Achim schloss die Balkontür obwohl wir gerne länger gelüftet hätten.
Als im ZDF die Sportschau anfing legte ich mich ins Bett. Ich war gerade am Einschlafen als mich ein Summen hoch schreckte. Eine Mücke! Ich machte das Licht an und schaute wo sie sich hingesetzt hatte. Aber ich konnte sie nicht finden. Nach 5 Minuten stand ich wieder auf und ging zu Achim. Im Fernsehen wurde gerade das Spiel Bayern gegen Dortmund gezeigt. Ich schaute mir noch das Spiel an, dass 0:1 ausging, sprühte dann meinen Hals und die Schulter mit Antibrumm ein, wovon ich auch ein wenig im Gesicht verteilte, und legte mich dann erneut schlafen. Binnen einiger Minuten war ich eingeschlafen.

Oerlinghausen, den 04.03.2012

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