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Achim Kluck

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Uschis Angelberichte und mehr...

Im November auf die Insel des ewigen Frühlings (Lanzarote)

2. bis 16.11.2008

Teil 5

„Ich fliege am 1. November nach Fuerteventura“, erzählte mir meine Kollegin Vera beim Frühstück.
„Wie schön. Achim und ich wollten auch noch einmal nach Lanzarote. Ich weiß nur noch nicht genau wann“, antwortete ich.
„Flieg doch um die gleiche Zeit. Dann können wir uns mal treffen. Du musst aber schon bald buchen. Es sind fast alle Flüge ausgebucht.“
Das war Anfang August. Eine Woche später gingen Achim und ich in Schloß Holte-Stukenbrock in ein Reisebüro. Wir buchten unseren Urlaub im Atlantic Gardens in Playa Blanca vom 02. bis 16. November. Im Atlantic Gardens hatte es uns schon im März gut gefallen.
Als ich Vera am nächsten Tag erzählte, dass unser Urlaub auf Lanzarote „in grünen Tüchern“ lag, freute sie sich. „Ulla, und weißt du was das Beste ist? Genau um diese Zeit zieht unsere Behörde um. Wenn wir zurück sind, setzten wir uns in unsere neuen, fertigen Büros. Von dem ganzen Umzugsstress kriegen wir nichts mit. Wir müssen nur vorher unsere Kartons packen. Alles andere lassen wir die anderen machen!“
„Au geil! Während die anderen Kollegen am Packen und Auspacken sind, liegen wir gemütlich am Strand und lassen uns die Sonne auf den Bauch scheinen“, antwortete ich.

Bis zum Urlaub war es noch relativ lange. Vera und ich redeten fast täglich von unserem bevorstehenden Urlaub. So konnten wir das miese „Sommer“-Wetter hier total vergessen.

Sechs Wochen vor dem Flug buchten wir übers Internet einen Mietwagen, den wir bei unserer Ankunft am Flughafen Arrecife in Empfang nehmen wollten. Mit dem Sportgepäck gab es natürlich wieder ein paar Probleme. Die Dame im Reisebüro meinte, dass man ab 1. November 2008 eine Angelrute plus Zubehör kostenlos im Koffer transportieren könnte. Es dauerte etwas, bis sie verstand, dass wir unsere Angelruten (Mehrzahl!) nicht im Koffer transportieren konnten (sie waren viel zu lang) und auch nicht wollten, sondern dass wir dafür ein Transportrohr hätten. Genau wie bei unserer Reise im März wollten wir es als Sportgepäck aufgeben. Nach 2 Tagen und einigem Hin und Her kam die Buchungsbestätigung. Also war das auch erledigt.
Doch es stand ein nächstes Problem an. Jeder, so hatte ich im Internet bei Air Berlin gelesen, durfte nur ein Handgepäckstück von maximal 5 kg oder aber ein Laptop von 8 kg mit in die Kabine nehmen. Diese Regelung konnte ich absolut nicht verstehen. „Die ticken doch nicht richtig“, meinte ich zu Achim. „Was ist, wenn mein Koffer nicht oder erst Tage später ankommt? Soll ich mein Waschzeug, Wäsche zum Wechseln etc. etwa im Laptop-Koffer transportieren?“
Achim meinte, wir sollten uns vorher keinen Kopf darum machen. Im März wären wir auch mit beiden Gepäckstücken problemlos durchgekommen. Ich hoffte nur, dass er Recht hatte.
Aber das „Problem“ mit dem Laptop ging mir nicht aus dem Kopf.
Eines Tages erzählte ich meinen Kolleginnen, dass Achim vorhatte mit einem Kajak auf dem Atlantik zu fahren und dabei zu angeln. Vera antwortete lachend: „Ich stelle mir gerade vor wie Achim im Kajak sitzt, einen Riesenfisch an den Haken bekommt und der ihn dann mit dem Kajak aufs offene Meer hinaus zieht. Ulla, nimm bloß dein Handy mit. Ruf mich an, wenn er an Fuerteventura vorbei kommt. Ich winke ihm dann zu.“
Brigitte musste natürlich auch noch ihren Senf dazu geben: „Vera, was meinst du, wie dich alle anschauen, wenn du dann am Strand ruft >Den kenn ich. Das ist Ullas Mann!<“
Ich erwiderte: „Das gibt dann die Neuauflage vom ‚Alten Mann und das Meer’. Vielleicht sollte ich Achim raten, sich eine Multirolle zuzulegen. Da gehen wenigstens 1000 Meter Schnur drauf.“
Ich musste zwar mitlachen, dachte aber im Stillen, dass das vielleicht gar nicht so abwegig wäre. Es könnte doch tatsächlich passieren, dass ein großer Fisch anbeißt und das Kajak mitreißt. Oh je! Lieber nicht weiter darüber nachdenken! Ich, das war klar, würde sowieso nicht von so einem Ding aus angeln. Ich würde mich nicht einmal ohne Angelrute in so ein Ding trauen, jedenfalls nicht auf dem Atlantik. Schließlich herrscht dort immer sehr starker Wellengang.
Bevor unser Lanzarote-Urlaub anstand fuhren wir noch einmal an die Ostsee.
Vom 2 bis 6.Oktober fuhren wir nach Dahme um noch ein paar Dorsche und Plattfische zu fangen. Wie immer wohnten wir in der Ferienwohnung von Hardy, Achims Kollegen. Doch als wir dort waren herrschten schlechte Windverhältnisse (es herrschte Westwind) und die Fische wollten auch nicht beißen. Um so wurden aus den Ostseeträumen nur Ostseeschäume.
Als wir wieder zuhause waren freute ich mich um so mehr auf Lanzarote.
Am 15. Oktober kamen unsere Tickets per Post. Nun waren es nur noch 2 Wochen bis zu unserem Abflug.
Einige Tage vorher zeigte mir Achim ein Prospekt aus dem Aldi, wo ein Mini Notebook für 399 € angeboten wurde. Mir kam der Gedanke, dass ich dieses – wenn ich es kaufen würde – gut im Bordcase unterbringen könnte. Doch wie würde Achim reagieren, wenn ich mir jetzt zu meinem Laptop auch noch ein Notebook zulegen würde? Ich sagte erst einmal nichts darüber.
Einen Tag bevor es im Geschäft angeboten wurde sagte ich zu ihm: „Schatz, ich habe lange überlegt. Ich kaufe mir morgen das Mini Notebook aus dem Aldi. Das nehme ich dann statt des Laptops mit in Urlaub.“
Spontan antwortete er: „Das ist aber dann meines!“
Über diese Antwort war ich überrascht und so richtig behagte sie mir auch nicht. Insgeheim hatte ich mir nämlich vorgenommen, dass kleine „Ding“ mit ins Büro zu nehmen. Seit unsere Behörde aufgelöst wurde und wir nun der Bezirksregierung Detmold angehören dürfen wir privat fast nichts mehr auf dem PC machen. Es sind auch keine Spiele mehr drauf, womit man sich zwischendurch mal die lange Weile vertreiben konnte.
Donnerstagmorgen (16.10.) fuhr ich Achim zur Uni, weil sie am Abend eine Betriebsfeier hatten. Vorher hielten wir in Babenhausen an, gingen in den Aldi und kauften das Notebook, welches Achim sofort mit in die Uni nahm. Als wir an der Kasse standen sagte ich: „Ich möchte mir auch eins kaufen.“ Doch Achim wehrte ab: „Was willst du damit? Du hast doch das große.“
Nachmittags, ich war schon zuhause, rief er mich an und sagte: „Das kleine Ding ist so geil, wenn du willst, dann kannst du dir auch noch eins kaufen.“
Das brauchte er mir nicht zweimal sagen. Ich stieg sofort in mein Auto und fuhr zu unserem Aldi in Oerlinghausen. Ich hatte Glück, denn ich bekam noch eines.
Da Achim auf seinem Notebook schon viele Programme zusätzlich installierte hatte meinte er, dass wir seines mit in Urlaub nehmen würden. War mir auch recht.
Die letzten Tage vor unserem Urlaub konnte ich mich gar nicht so richtig darauf freuen. Normalerweise bin ich schon viele Tage vorher aufgeregt und kann es kaum erwarten den Koffer zu packen. Doch dieses Mal konnte ich gar nicht richtig in Stimmung kommen. Irgendetwas war anders. Ich vermute, dass es an der Umzugsvorbereitung für unsere Behörde lag. Hunderte von Kartons hatte ich mit Akten vollgepackt. Wenn ich abends aus dem Büro nach Hause kam war ich so geschafft, dass ich nur noch alle Viere von mir strecken wollte. Und an mehreren Tagen plagten mich starke Rückenschmerzen vom vielen Schleppen und Bücken.
Freitagmorgen (31. Oktober) fuhr ich noch einmal ins Büro, packte die letzten Sachen in Umzugskartons, gab meinen Schlüssel ab und machte mich danach auf den Weg nach Hause.
Dort angekommen atmete ich mehrmals tief durch: Endlich hatte ich Urlaub! Der Umzug interessierte mich nun nicht mehr.
Jetzt konnte ich mich auch endlich aufs Kofferpacken konzentrieren. Oh je, dachte ich, als ich sah, welche Dinge darin verstaut werden mussten. Wenn das mal gut ging! Jetzt bloß nicht in Panik ausbrechen, beruhigte ich mich. Im März hatte doch auch alles gut geklappt. Dieses Mal nahmen wir sogar ein paar Angelsachen weniger mit. Ein Feederrutenhalter war nicht nötig und auch kein Klappstuhl.
Als alles gepackt war, Achim unsere Koffer wog und wir feststellten, dass wir das erlaubte Gesamtgewicht nicht überschritten (das zeigte jedenfalls unsere Waage an) war ich erleichtert. In diesem Moment war ich auch innerlich auf Urlaub eingestellt.
Samstagnachmittag fuhren wir nach Bielefeld und gaben beim Vorabend-check-in unsere Koffer und das Sportgepäck auf. Obwohl unsere beiden Koffer insgesamt doch mehr als 40 kg wogen ging alles glatt.
Nachdem wir unsere Bordkarten erhalten hatten fuhren wir nach Oerlinghausen zurück. Anschließend gingen wir zum Italiener wo wir zu Abend aßen und auf einen schönen Urlaub anstießen.
Da wir sehr früh aufstehen mussten ging ich schon vor 21 Uhr ins Bett, während Achim sich noch einen Boxkampf im Fernsehen ansah.

Sonntag (2. November)
Als um 3 Uhr der Wecker klingelte war ich sofort wach. Kurz vor 4 Uhr fuhren wir zum Paderborner Flughafen. Unsere Maschine (AB 5052) sollte um 5.50 Uhr starten, aber der Start verzögerte sich etwas, weil der Flieger vor uns noch auf der Startbahn stand. Um 6.10 Uhr hoben wir endlich ab. Bis wir über Portugal waren mussten wir wegen Turbulenzen angeschnallt bleiben. Über dem Meer wurde es ruhiger.
Um 9.22 Uhr Ortszeit landeten wir auf Lanzarote. Nachdem wir unser Gepäck hatten gingen wir zum Schalter von Auto-Reisen SL, um den reservierten Mietwagen in Empfang zu nehmen. Der Seat Ibiza kostete für 14 Tage 200 €. Als alles im Wagen verstaut war holte Achim das Navi aus seinem Bordcase und brachte es im Auto an.
Eine Woche vor unserem Abflug hatte er auch schon die Orte eingegeben, die wir auf Lanzarote besuchen wollten.
Natürlich hätten wir auch ohne Navi zum Hotel in Playa Blanca gefunden, aber so war es noch bequemer.
Einige Tage zuvor hatte es auf Lanzarote stark geregnet. Überall sprachen die Leute davon und auch über die missglückte Landung eines Flugzeugs am Freitag. Da war eine spanische Maschine über die nasse und rutschige Landebahn hinaus geschossen und erst kurz vor einem Zaun zum Stehen gekommen. Der Flughafen war daraufhin 3 Stunden lang gesperrt.
Als wir ankamen war das Wetter ganz passabel. Am blauen Himmel zogen ein paar dunkle Wolken vorbei, aber es war angenehm warm bei 22° C.
Wir bezogen unser Bungalow. Dieses Mal war es die Nr. 318. Im März hatten wir das davor gehabt. Es war identisch, so dass wir die Räumlichkeiten schon kannten.

Wir packten unsere Sachen aus und setzten uns wieder ins Auto um zum Einkaufen zu fahren. Bevor wir in den dort ansässigen Spar -Laden gingen schlenderten wir zur Promenade und tranken in einem irischen Pub ein Glas Bier. Die Sonne brannte regelrecht auf meiner Haut, so dass ich befürchtete, gleich am ersten Tag einen Sonnenbrand zu bekommen.
Als wir wieder in unserem Bungalow waren legten wir uns auf die Terrasse um ein wenig zu schlafen. Ich war gerade eingedöst, als ich ein paar leichte Regentropfen auf meinem Arm spürte. „Das konnte doch nicht sein!“ dachte ich. Ich wollte weiterschlafen, doch der Regen wurde immer heftiger. Wir verzogen uns vorsichtshalber ins Wohnzimmer. Achim nahm eine der beiden Liegen mit und ich legte mich aufs Sofa. Sofort war ich wieder eingeschlafen. Als ich 2 Stunden erwachte erzählte mir Achim, dass es heftig geregnet hatte. Und es war auch ein stärkerer Wind aufgekommen. Die Temperatur war ein wenig gesunken, so dass wir uns wärmere Sachen anzogen, als wir gegen 18 Uhr zum Essen gingen.
Bei einem Chinesen setzten wir uns auf die Terrasse im ersten Stock. Von oben hatte man einen herrlichen Blick aufs Meer. Achim bestellte sich gebratene Ente, ich hatte keinen großen Appetit und wählte ein Schweinegericht in pikanter Soße. Kaum hatte ich den ersten Happen im Mund brannte mir die Kehle. Die „pikante“ Soße war mit Chili zubereitet und höllisch scharf.
Wir bestellten uns ein weiteres Bier und als wir es ausgetrunken hatten gingen wir zurück in unsere Wohnung. Obwohl ich auf dem Hinflug und auch nachmittags etwas geschlafen hatte war ich total geschafft. Ich legte mich deshalb auch schon früh ins Bett und schlief sofort ein.

Montag (3. November)
Um 5.30 Uhr wurde ich wach und stand sofort auf. Ich hatte gut geschlafen und war völlig ausgeruht. In aller Ruhe kochte ich mir einen Kaffee und stimmte mich innerlich auf die schöne Zeit auf Lanzarote ein.
Als ich eine Stunde später nach draußen ging hingen dicht über dem Horizont große dunkle Regenwolken und ein Stückchen weiter östlich tauchte die aufgehende Sonne ihn in ein Flammenmeer. Ein kräftiger Wind schaukelte die Palmen hin und her. Die Temperatur lag bei 20 °C.

Während Achim noch schlief überlegte ich schon mal, was wir wohl an diesem Tag unternehmen könnten. Nach Badewetter sah es – jedenfalls um diese Uhrzeit – noch nicht aus. Doch das bedeutete überhaupt nichts. Das konnte sich im Laufe des Tages noch zum Positiven ändern.
Um 7.30 Uhr ging ich ins Schlafzimmer um nachzusehen, ob Achim schon wach war. Das war er zwar, aber er wollte „so früh“ noch nicht aufstehen. „Es ist ja fast noch Nacht und ich habe Urlaub“ murmelte er verschlafen.
Als ich zurück ins Wohnzimmer ging öffnete gerade der Himmel seine Schleusen und es regnete in Strömen. So etwas hatte ich auf Lanzarote noch nie erlebt und es gefiel mir gar nicht. Die Vögel freuten sich jedoch sehr, denn sie stimmten ein Konzert an.
Nach einer halben Stunde hörte der Regen auf.
Am liebsten wäre ich an diesem Tag gleich nach Arrecife gefahren um in der Nähe vom Castillo de Gabriel zu angeln. Dort, wie überall in den Häfen, tummelten sich viele Meeräschen. Und ab und zu tauchten auch ein paar Baracudas auf. Aber als Achim aufgestanden war und ich ihm von meinen Plänen erzählte meinte er, dass die Ruten noch im Transportrohr seien und erst montiert werden müssten.
„Was wollen wir dann machen?“ fragte ich ihn.
„Es gibt doch noch so viele Orte, wo du hin möchtest“, antwortete er.
„Ja, aber die liegen fast alle hinter Arrecife. Mir fällt als Nächstes nur der Leuchtturm von Playa Blanca ein. Dort waren wir auch noch nie.“
Dieser Vorschlag gefiel Achim: „Das ist eine gute Idee. Auf den Weg dorthin können wir gleich beim Taucherzentrum nach einem Kajak fragen.“
Gegen 11 Uhr spazierten wir los. Unterwegs schaute ich immer wieder aufs Meer um vielleicht einen großen Fisch ausmachen zu können. Manchmal, so hatte ich gehört, tummelten sich weiter draußen auch Delphine. Doch ich konnte keinen entdecken.
Auf dem gepflasterten Weg hatten sich nach dem Regenguss viele große Pfützen gebildet. Ein recht ungewöhnlicher Anblick auf Lanzarote.

Als wir am Taucherzentrum vorbei kamen sagte Achim, dass er auf dem Rückweg nach einem Kajak fragen wollte.
Einige Meter vor dem Leuchtturm hörte der gepflasterte Weg auf. Die weitere Strecke erfolgte über eine Stein- und Staubpiste. Wir verzichteten darauf ganz bis zum Leuchtturm zu gehen und krackselten stattdessen die Felsen hinunter zum Meer. Unten angekommen schaute ich immer wieder in den Wasserlöchern nach, ob ich kleine Tintenfische entdecken könnte. Diese verstecken sich dort oft zwischen den Steinen. Aber sosehr ich mich auch bemühte, ich konnte keine entdecken.

Nach einiger Zeit setzte ich mich neben Achim uns auf einen Stein und genoss die warmen Sonnenstrahlen. Der Himmel war blau und die Luft so klar, dass wir bis zu den Papagayostränden schauen konnten. Auch der neue Yachthafen von Playa Blanca war gut zu sehen. 
Nach einer Weile kletterten wir vorsichtig die glitschigen Steine wieder hinauf und machten uns auf den Rückweg. Als wir zum Taucherzentrum kamen verspürten wir beide großen Durst. Wir setzten uns in die Bar davor und bestellten ein Bier. Die Sonne brannte inzwischen so sehr, dass ich die Sonnencreme aus meinem Rucksack nahm und mich vorsichtshalber einrieb.
„Na siehst du. Es ist doch noch warm geworden. Wollen wir nachher zum Baden fahren?“ fragte mich Achim.
„Meinst du nicht, dass das noch zu früh ist? Wir sind gestern erst angekommen und bekommen bestimmt einen Sonnenbrand, wenn wir uns gleich in die Sonne legen“ antwortete ich.
Doch Achim wehrte ab: „Das passiert nur, wenn du dich nicht eincremst.“
Ich konnte nichts dagegen erwidern und ließ mich überreden. Ich hatte nichts gegen sonnenbaden, doch ich hätte lieber geangelt. Aus meinem Wunsch nach Arrecife zu fahren wurde also nichts.
Weil es schon Mittag war aßen wir noch einen Toast mir Thunfisch und gingen dann in das neben der Bar liegende Büro des Taucherzentrums.
Achim sprach eine Frau an, die gut deutsch sprach und schilderte ihr sein Anliegen. Sie schaute ihn mit großen fragenden Augen an und meinte, dass das nicht möglich sei. Achim erwiderte, dass er ihm jemand erzählt hatte, er hätte sich bei ihnen ein Kajak zum Angeln geliehen. Die Dame sprach auf Spanisch mit ihrem Kollegen und wandte sich dann wieder Achim zu: „Tut mir leid. Früher haben wir Kajaks vermietet, aber dann bekamen wir ein Problem. Seitdem vermieten wir sie nicht mehr.“ Über diese Auskunft war Achim sehr enttäuscht, während mir ein Stein vom Herzen fiel, denn die Vorstellung, Achim im Kajak auf dem Atlantik, gefiel mir überhaupt nicht. Während des Rückwegs fluchte Achim immer wieder vor sich hin.
„Schatz, nun beruhige dich doch. Es hat eben nicht sein sollen.“
Doch Achim wollte sich nicht beruhigen: „Die Windverhältnisse sind doch optimal. Außerdem habe ich extra fürs Bootfahren die Wobbler und Blinker mitgenommen.“
Als wir in der Wohnung waren packten wir unsere Badesachen ein und fuhren zu den Papagayostränden, genauer gesagt zum Puerto Muelas, wo FKK möglich war. Dort sind wir schon im März mehrmals gewesen.

Der Campingplatz war inzwischen wieder leer, doch ich war überrascht, dass sich am Strand verhältnismäßig viele Leute tummelten. Wir suchten uns ein Plätzchen dicht unter der Felswand. Nachdem Achim sich ausgezogen hatte ging er sofort ins Wasser. Ich blieb erst einmal auf meinem Handtuch liegen und schaute mich um.
Als er wieder bei mir war fragte ich ihn wie das Wasser sei. „Zuerst ist es ein bisschen kalt, aber wenn man erst mal drin ist ist es einfach herrlich.“

Zwei Stunden später war mir so heiß, dass ich eine Abkühlung brauchte. Wir gingen beide zu der flacheren und steinlosen Stelle und schwammen ein paar Runden. Das Wasser war wirklich nicht kalt, es hatte mindestens 21° C.
Wir blieben bis 16 Uhr und machten uns dann auf den Rückweg. Am Supermarkt angekommen parkten wir unseren Wagen und gingen erst einmal runter zur Strandpromenade.

Wir setzten uns in den Irischen Pub und bestellten uns ein Bier. Ich schaute gerade dem Baby neben mir beim Füttern zu, als Achim plötzlich sagte: „Uschi, guck mal. Da ist ein Angler.“
 „Ja, den habe ich schon gesehen. Und dort drüben in den Steinen sitzen noch weitere Leute und angeln.“
Wir bezahlten unsere Getränke und gingen zur Ufermauer. Ein älterer Herr kam mit drei Angelruten in der Hand die Steine hinauf geklettert. Als er bei uns war warfen wir einen neugierigen Blick in sein Behältnis, doch wir konnten nicht sehen, ob er etwas gefangen hatte.

„Achim, hast du gesehen? Der hat alle seine Ruten mit Wasserkugeln ausgestattet“, sagte ich.
Nörgelnd meinte ich weiter: „Ich möchte auch gerne angeln!“
Achim antwortete: „Morgen werden wir ans Wasser gehen. Doch ich werde statt einer Wasserkugel eine Segelpose benutzen. Bei dem ablandigen Wind wird die weit raus getrieben. Aber wir müssen uns vorher noch Köder besorgen.“
Im Spar-Laden kauften wir einen tief gefrorenen Tintenfisch, der uns als Köder dienen sollte.

Dienstag (4. November)
Ich hatte tief und fest geschlafen, als ich gegen 3 Uhr durch Licht geweckt wurde. „Was ist los?“ fragte ich Achim.
„Schlaf weiter. Ich muss nur die vielen Mücken killen, die hier sind. Schau dir mal meinen Rücken an. Alles voller Mückenstiche. Morgen müssen wir uns etwas besorgen, dass die Viecher nicht durchs offene Fenster kommen können. Bei geschlossenem Fenster ersticke ich, aber so können wir es nicht auf lassen.“
Es waren an die 20 Stück, die Achim tötete. Dann endlich konnten wir weiterschlafen. Vorsichtshalber rieb ich mich mit „Anti-Brumm“ ein , da ich extra aus Deutschland mitgenommen hatte. Aber Achim wollte dieses „Zeug“ nicht.
Ich wachte gegen 7 Uhr auf und als ich die Terrassentür öffnete flogen sofort wieder ein paar Mücken rein. Scheiß Viecher!
Der Himmel war von vielen weißen Wolken bedeckt, doch eine gute Stunde später schien die Sonne und die Wolken hatten sich fast alle verzogen. 
Nach einiger Zeit war Achim auch aufgestanden. Er trank ein paar Tassen Kaffee und ging dann zur Rezeption um zu fragen, ob wir vor dem Schlafzimmerfenster einen Insektenschutz bekommen könnten. Und auch nach Weingläsern sollte er fragen, denn in der Wohnung fehlten 2.
Nach einer Viertelstunde kam er zurück und sagte, dass man sich bemühen würde, unsere Wünsche zu erfüllen. Er war auch schon am Strand gewesen und hatte nach Angelmöglichkeiten geschaut. Wir hatten immer noch ablandigen Wind. „Wir gehen die Uferpromenade ein Stück runter Richtung Leuchtturm. Blöd ist nur die Kletterei über die vielen Steine“ meinte Achim.
„Das stimmt“, antwortete ich. „Deshalb würde ich auch viel lieber in Arrecife angeln. Dort steht man an der Mauer, was viel bequemer ist. Aber ich weiß, du hast keine Lust so weit zu fahren. Na gut, dann probieren wir es erst einmal hier.“
Wir montierten unsere Ruten und machten uns auf den Weg.

Als wir auf der Uferpromenade waren gingen wir ein paar Meter nach rechts, stiegen eine Steintreppe hinunter und kletterten über die Felsbrocken bis wir nahe genug am Wasser waren. Das Meer war ruhig und glatt, so dass Achim meinte, er hätte jetzt gut mit einem Kajak rausfahren können.
Während meine Wasserkugel mit einem Stückchen Schwimmbrot am Haken schon auf den Wellen schwamm schnitt sich Achim einen Fischfetzen von dem gekauften Tintenfisch ab. Plötzlich tauchte die Wasserkugel ab. Aufgeregt rief ich: „Ich hab einen!“
Achim stellte seine Rute ab und wollte zu mir kommen: „Ist es ein großer? Brauchst du den Kescher?“
„Kann ich nicht sagen. Ich probiere es erst einmal ihn zum Ufer zu drillen“, antwortete ich.
Kurz darauf stellte sich raus, dass es eine kleine Meeresbrasse war, die ich ohne Mühe aus dem Wasser heben konnte.
„Petri, mein Schatz. Das fängt ja gut an. Den Fisch heben wir uns als Köder auf.“
Glücklich über meinen Fang warf ich meine Wasserkugel immer wieder aus. Ich war fest davon überzeugt, dass ich weitere Fische fangen würde, vielleicht sogar einen richtig großen. Aber so sehr ich mich auch bemühte, es tat sich nichts mehr.

Nach einiger Zeit wechselte ich das Schwimmbrot gegen ein Stückchen Tintenfisch aus. Nun hatte ich zwar öfter einen Biss, aber die Fische hakten nicht.
Als Wind aufkam wurden die Wellen immer höher. Es war gerade Flut und wir mussten aufpassen, nicht plötzlich von Wasser umgeben zu sein. Unsere Angelsachen hatten wir vorsorglich gleich auf einen etwas höher und weiter weg liegenden Felsbrocken gelegt.
Als ich von der Gischt plötzlich platschnass wurde weil die Wellen immer höher wurden, wechselte ich meinen Platz und ging ich zu Achim und setzte mich neben ihn.
Ich gönnte mir eine kleine Pause bevor ich weiter angeln wollte und steckte uns erst einmal eine Zigarette an. Als ich sie Achim reichte drehte sich zu mir, nahm sie und schaute wieder zu seiner Segelpose. Doch die war nicht mehr dort wo sie vorher war. Plötzlich tauchte sie wieder auf. „So ein Mist. Jetzt habe ich den Biss verpasst!“ fluchte Achim.
„Jetzt sag bloß nicht, dass ich daran schuld bin, weil ich dir eine Zigarette reichte.“
„Nein“, antwortete Achim. „Aber das war ein schöner Biss. Es ging sogar Schnur von der Rolle.“
„Ach komm, der holt sich schon wieder den Köder.“
Und so war es tatsächlich. Ein paar Minuten später – ich hatte meine Wasserkugel wieder ausgeworfen – stand Achim auf, schlug an und verkündete: „Das ist ein großer. Hol deine Rute rein und bring mir den Kescher.“
Das tat ich doch gerne. Gleichzeitig nahm ich die Kamera aus dem Rucksack um den „großen Augenblick“ im Bild festzuhalten.

„Ich kann ihn sehen. Das ist wirklich ein großer“, rief ich erfreut, als der Fisch in die Nähe des Ufers kam.
Achim hatte etwas Mühe den Fisch zu keschern, denn er haute immer wieder ab. Doch Achim war der Stärkere, einige Minuten später lag der Fisch im Kescher. Da wir nicht wussten um was für einen Fisch es sich handelte zog Achim sich vorsichtshalber einen Lederhandschuh an, bevor er ihn vom Haken machte. Schließlich gibt es im Atlantik auch giftige Fischarten wie z.B. das Petermännchen. Auch dieser für uns (vorerst) unbekannte Räuber hatte eine stachelige Rückenflosse und ein paar scharfe Zähne.
„Schatz, heute Abend gibt es Fisch!“
„Schön, aber bist du dir auch sicher, dass man den essen kann? Lass uns erst mal nachschauen, um was es sich bei dem Prachtexemplar handelt. Du hast doch auf dem Notebook alle möglichen Fischarten gespeichert. Und ich habe den Zettel vom Frühjahr mitgenommen. Darauf sind auch welche abgebildet“ antwortete ich.
Wir angelten noch eine gute Stunde lang ohne dass ein weiterer Fisch biss. Etwas enttäuscht packten wir unsere Sachen zusammen und machten uns auf den Rückweg. In der Wohnung angekommen schauten wir sofort in unseren Unterlagen nach, um was für einen Fisch es sich handeln könnte. Aber er war auf dem Papier nicht abgebildet. Und auch auf den Bildern, die wir im Notebook gespeichert hatten war keiner dabei, der so aussah.
„Dann gibt es heute Abend wohl doch keinen Fisch“, bemerkte ich.
„Doch. Wir legen uns erst ein wenig schlafen und gehen dann zum Hafen. Dort suchen wir uns ein schönes Restaurant aus und lassen uns Fisch servieren.“
Kurz nach 17 Uhr schlenderten wir die Uferpromenade entlang. Es reihten sich Restaurants an Restaurants, aber sie gefielen uns alle nicht besonders. Und Abwechselung gab es auf den Speisekarten auch nicht, es standen fast überall die gleichen Gerichte drauf.
In der Ferne konnten wir die Papagayostrände im Abendrot sehen, ein fantastischer Anblick!

Wir gingen am Hafen vorbei und setzten uns dann in das nächstbeste Restaurant, weil wir durstig geworden waren. Eigentlich wollten wir dort nur ein Bier trinken, doch dann ließen wir uns die Speisekarte geben und entschieden uns dort zu essen.
Achim bestellte sich eine gegrillte Seezunge in Zitronensoße mit vielen Kapern, ich wählte ein Seezungenfilet mit Krabben. Als Vorspeise aßen wir jeder ein Knoblauchbrot. Wir waren überrascht, wie gut uns das Essen schmeckte. Und auch die Bedienung war aufmerksam, bis im Fernsehen ein Fußballspiel (UEFA Cup Champions Leag/ Liverpool spielte gegen Madrid) begann. Von da an interessierte sich der spanische Ober nur noch für das Spiel.
Noch vor der Halbzeit verließen wir das Restaurant und gingen auf der Uferpromenade zurück in Richtung unseres Bungalows.
Als wir am Irischen Pub vorbei kamen kehrten wir dort ein, tranken noch ein paar Biere und sahen uns das Fußballspiel zu Ende an. Zuerst führte Madrid, dann erhielt Liverpool einen Elfmeter und zuletzt stand es unentschieden 1:1.
Achim sprach den deutschen Ober an und fragte ihn, ob er jemanden kennen würde, der mit uns zum Fischen rausfahren würde. „Aber klar“, sagte er verschwand und kam sofort wieder an unseren Tisch. „Der versteht aber nur Englisch“ sagte der Ober und überreichte Achim eine Visitenkarte, auf der zu lesen stand: Blue Delfino Uno, Fishing Trips from Playa Blanca.

Oerlinghausen, den 20.01.2009

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