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Achim Kluck

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Unser Urlaub auf Lanzarote vom 2. bis 17. März 2008

Teil 3

9. Tag
Statt das meine Erkältung endlich zurück ging, hatte ich das Gefühl, dass es immer schlimmer wurde. Auch Achim klagte inzwischen über Halsschmerzen und musste des Öfteren husten. Sicher hatte er sich bei mir angesteckt.
Gegen 6.30 Uhr stand ich auf. Draußen war es noch dunkel und still. Lediglich ein paar Vögelchen sagen schon wieder ihr Lied. Als die Sonne aufging nahm der Gesang zu.
Am Abend zuvor hatten wir beschlossen an diesem Tag den Norden der Insel zu erkunden. Wir fuhren zuerst bis nach Yaiza und folgten dann der LZ 30, die über Teguise bis zum Mirador del Rio führt. Kurz hinter Uga begann die 15 km lange Weinstraße. In mühseliger Arbeit hatten die Bauern tiefe Trichter aus Vulkanasche geschaffen, die mit halbkreisförmigen Mauern aus Lavasteinen die saftiggrünen Weinstöcke vor dem ständig wehenden Wind schützten und ein Austrocknen der Pflanzen verhinderten. Die Lapilli (poröse Lavakörnchen) speichern den Nachttau und geben die Feuchtigkeit an den Humus darunter ab.
Wir hielten an der ältesten und traditionsreichsten Bodega (Weinkellerei), El Grifo, die zwischen Masdache und Mozaga liegt, an und besuchten das Museum. Wir zahlten pro Person 3 € Eintrittsgeld. Im Museum wurden wir über die Geschichte des Weinanbaus auf Lanzarote informiert. Der Wein, den wir zum Probieren bekamen, mundete uns so gut, dass wir uns zwei Flaschen kauften. Außerdem überredete ich Achim sich ein weißes T-Shirt mit dem Bild des Museums zu kaufen. Nach ausgiebiger Besichtigung stiegen wir wieder in das Auto und fuhren weiter.
An einer Straßenkreuzung in der Inselmitte, kurz vor Mozaga, sahen wir das 15 m hohe Mobile Monumento al Campesino, das Manrique aus Edelstahl geschaffen hatte. Es wurde aus den Trinkwasserbehältern alter Fischerboote zu einer Säule zusammen geschweißt und soll einen Bauern mit einem Esel und einem Dromedar darstellen und ist den schwer arbeitenden Bauern der Insel gewidmet.
Wir fuhren weiter nach Teguise, die sicherlich schönste Stadt auf Lanzarote. La Villa de Teguise (von den Einheimischen nur „La Villa“ genannt) war der erste Regierungssitz Lanzarotes und wurde in piratensicherer Entfernung vom Meer errichtet. Die typischen Wohnhäuser sind mit braunen oder grünen Holzbalkonen geschmückt. In der einstigen Hauptstadt sind noch viele historische Bauten zu sehen, vor allem die stattlichen Adelspaläste und die schmucken weißen Kirchen fallen einem sofort ins Auge.
Die meisten Besucher fahren am Sonntag nach Teguise, denn dann verwandelt sich nicht nur der Hauptplatz zu einem großen Markt, nein, die ganze Stadt ist voller bunter Stände, die viel Kitsch und afrikanisches Kunsthandwerk (Afrika ist ja von Lanzarote nicht weit entfernt!), aber auch Werke der einheimischen Künstler anbieten.
Wir parkten unseren Wagen in einer Nebenstraße am Plaza de Vera Cruz. Dann gingen wir zurück und schauten uns von außen die Kapelle (Ermita de la Vera Cruz)  an, die aus dem 17. Jahrhundert stammt. Sie stand damals in einem Ortsteil, in dem Teguises ärmste Bevölkerung lebte. Die schmucklose Kirche beherbergt, so las ich in einem Reiseführer, eine Christusfigur aus dem 17. Jahrhundert, die portugiesischer Herkunft ist.
Bevor wir uns die Stadt anschauten setzten wir uns vor die Cafeteria Ceja und bestellten uns einen Kaffee. Als wir auch noch Hunger verspürten bestellten wir uns noch ein Tapas Gulasch. Schon die ganze Zeit wehte ein kräftiger und kalter Nord-West-Wind. Als wir unser Essen bekamen sahen wir viele dunkle Wolken am Himmel. Plötzlich fing es sogar leicht zu tröpfeln an. Aber Gott sei Dank wurde kein richtiger Regen daraus.
Wir bezahlten unser kleines Mahl und gingen dann durch die Cale La Sangre (Blutgasse), die zur Plaza de la Constitucion führt. Der Name „Blutgasse“ soll an die verheerenden Piratenüberfälle im 16. Jahrhundert erinnern, bei denen etliche Bewohner der Stadt ihr Leben lassen mussten.
Die Pfarrkirche Nuestra Seňora de Guadalupe wird auch Iglesia de San Miguel genannt, da sie sowohl dem Erzengel Michael als auch Nuestra Senora de Guadalupe geweiht wurde. Sie hat einen für Lanzarote ungewöhnlichen Turm aus rotem Lavastein. 1428 wurde sie als kleines, einfaches Gotteshaus errichtet und ist damit eines der ältesten auf den Kanarischen Inseln. Lange Zeit war sie die Hauptkirche von Lanzarote. Der wertvolle Kirchenschatz war besonders bei Angriffen sehr gefährdet. Die zweischiffige Kirche hat eine turbulente Zeit hinter sich. Zwischen 1568 und 1596 wurde sie bei Überfällen ausgeraubt und 1618 fiel das Kloster, zu dem sie gehörte, einem brutalen Piratenüberfall zum Opfer. Dank großzügiger Spenden der Bevölkerung konnte sie bald wieder aufgebaut werden.  Leider brannte sie 1909 fast vollständig aus. Der Wiederaufbau dauerte bis 1922. Von der alten Bausubstanz sind heute nur noch einige wenige Teile des Turmes erhalten.
Gegenüber der Kirche, direkt am Plaza de la Constitucion, schauten wir auf das von den Teguisern liebevoll „Teatrillo“ genannte Teatro Municipal Hermanas Manuela y Esperanza Spinola, das nach langer Restaurierungszeit am 24.5.1995 wieder eröffnet wurde. Das Gebäude wurde von Don José Feo Perazua zwischen 1730 und 1780 erbaut. Er war auch der bedeutendste Bewohner des Palastes.
1895 taucht der Namen Spinola erstmals in der Geschichte des Gebäudes auf, das zuvor mehr als 150 Jahre lang durch die Familie Feo geprägt worden war. Im Laufe der Jahre wurde es für die verschiedensten Gelegenheiten genutzt. Im 18. Jahrhundert diente es als Klosterkirche. Später wurden die Räumlichkeiten als Krankenhaus benutzt, danach diente es als Waisenhaus. 1974 ging der Palast in den Besitz der Aktiengesellschaft der Rio Tinto Union über, die ihn restaurierte und ihm neuen Glanz verlieh. 10 Jahre später kaufte die Stadt Teguise den Spinola-Palast und wandelte ihn in ein Museum um. 18989 wurde der Palast zur „Offiziellen Residenz der Präsidenten der Kanarischen Regierung“ erklärt.
Nachdem wir pro Person 3 € Eintritt bezahlt hatten, gingen wir zuerst in den Speisesaal mit der feierlich gedeckten Tafel. Danach besahen wir uns das ehemalige Schlafgemach und viele verschiedene schöne Wohnstuben, deren Fußboden mit Holzbohlen aus dem Kernholz der Kanarischen Kiefer Tea ausgelegt war. Im hinteren Teil des Hauses gingen wir durch einen separaten Eingang in die große historische Küche. Bevor wir den Palast verließen fiel uns die kleine Kapelle mit ihrem wunderschön gearbeiteten Holzaltar auf. Alles in Allem konnten wir uns sehr gut vorstellen, wie „die Herrschaften“ einst gelebt hatten. Zur Straßenseite hin waren keine Fenster, denn man wünschte keine neugierigen Blicke ins Innere des Hauses. Im Innenhof gab es viele Holzbänke, auf denen früher die Frauen bei der Hausarbeit saßen.
Als wir wieder auf dem Plaza de la Construction waren gingen wir rechts um den Palast herum und sahen uns das Casa Torres an, das aus dem 18. Jahrhundert stammt. Es war einst das Privathaus des Kirchenmannes Bartolomé Torres. Besonders fielen uns die schießschartenähnlichen Öffnungen im mächtigen Sockelgeschoss auf.
An der linken unteren Seite des Platzes steht ein etwas verloren wirkendes kleines Gebäude, das durch seine große Quadern wie eine zweischiffige Kapelle wirkt und in dem heute eine Sparkasse ist: das La Cilla de Diezmos (Zehnthaus). Es stammt aus dem 17. Jahrhundert. Hier mussten die Bauern früher ein Zehntel ihrer Ernteeinnahmen abgeben. Schon im 15. Jahrhundert wurde eine Kirchensteuer erhoben.
Da wir noch zum Castello de Santa Barbara und zum Mirador del Rio fahren wollten, besichtigten wir die anderen bedeutungsvollen Gebäude der Stadt erst einmal nicht. Das wollten wir in den nächsten Tagen nachholen, wenn wir wieder in den Norden der Insel fahren würden.
Unser nächster Weg führte uns zum Castillo Santa Bárbara, dass am Rande des 452 m hohen Montaňa de Guanapay liegt. Seit dem 14. Jahrhundert, so nimmt man an, gab es schon auf diesem Hügel einen kleinen befestigten Stützpunkt. Mitte des 16. Jahrhundert wurde der Stützpunkt von Sanco Herrera zu einem Küstenwachturm ausgebaut. Er sollte dazu dienen eindringende Piraten abzuwehren. 1586 wurde er von Piraten in Schutt und Asche gelegt und 2 Jahre später wurden die Reste des ehemaligen Kastells wieder zu einer funktionstüchtigen Verteidigungsanlage mit Waffenlager, Beobachtungstürmen, Schießscharten und einem Burggraben aufgebaut. 1596 hatte die Burg eine ähnliche Struktur wie heute. Da sich die Verteidigungsfunktion im Laufe der Zeit erübrigt hatte verfiel das Gebäude, das ehemals 130 x 27 m groß gewesen sein soll.
Auf Privatinitiative hin (Verein Freunde der Burg) wurde das Kastelle 1960 und 1977 wieder aufgebaut.
Heute ist dort das Museo del Emigrante untergebracht, das man über eine Steintreppe und eine Zugbrücke betritt. Das Museum, welches über 8 Ausstellungsräume verfügt, erzählt die eindrucksvolle und bewegende Geschichte der Inselbewohner über Jahrhunderte hinweg. Überall waren Dokumente und Erinnerungsstücke zu den verschiedenen Auswanderungswellen ausgestellt. Nachdem die verheerenden Vulkanausbrüche 1730 – 1736 das fruchtbare Ackerland vernichtet hatten, wollen viele Inseleinwohner vor allem nach Südamerika auswandern.
Nachdem wir auch hier pro Nase unsere 3 € Eintrittsgeld gezahlt hatten gelangten wir durch eine enge Steintreppe nach oben. Vom Söller hatte man einen herrlichen Ausblick über den Villenort Oasis de Nazaret bis nach Arrecife und auf das 150 m tiefer gelegene Teguise. Leider spielte das Wetter nicht mit, denn es war dort oben nicht nur sehr windig sondern auch etwas diesig. Trotzdem lohnte sich der Ausblick. 
Faszinierend war auch der Blick in den Krater hinein, an dessen Rand wir unseren Wagen geparkt hatten.
Obwohl es schon nach 16 Uhr war entschlossen wir uns zum Mirador del Rio zu fahren.
Auf dem Weg dorthin fuhren machten wir einen kurzen Stopp und schauten uns die wunderschöne Landschaft an. Wir kamen nach Haria, der Hauptstadt der gleichnamigen nördlichen Gemeinde von Lanzarote. Besonders anmutig scheinen die breitkronigen kanarischen Palmen , die dort locker verteilt zwischen den Gruppen der weißen, flachen Häuser stehen. Haria, so heißt es, sei der freundlichste Ort von Lanzarote. Nachdem Cesar Manrique sein Haus in Tahiche als Museum diente, zog er sich nach Haria zurück, wo er auch begraben liegt. „El Rio“ heißt die Meerenge, die die Insel Lanzarote und La Graciosa trennt. In vergangenen Zeiten fuhren hier die Schiffe der Phönizier und der Römer, was archäologische Funde von Schiffswracks auf dem Meeresgrund beweisen. Die Schiffe nutzten den guten natürlichen Schutz, den dieses Gebiet der Seefahrt bot, und versorgten sich außerdem mit Trinkwasser aus den nahen Quellen von Gusa, die am Fuß der Felsenküste von Famara liegt.
Wir parkten auf einem großen runden Platz mit einem schmiedeeisernen Kunstwerk, das Vogel und Fisch darstellen soll.
Dann gingen wir zu dem von César Manrique gestalteten Aussichtspunkt „Mirador del Rio“, der einstmals eine Artilleriestellung war und „Baterias del Rio“ genannt wurde. Da Manrique das Gebäude direkt in den Fels gebaut hat, ist es von außen kaum zu erkennen. Um den atemberaubenden Panoramablick der Insel zu genießen zahlt man am Eingang stolze 4,50 €.
Die Eingangshalle ist ein aus Stein gebautes, großes halbförmiges Amphitheater mit riesigen Panoramascheiben, die einen außergewöhnlichen Blick auf das so genannte Chinijo Archipel, das aus den kleineren Inseln La Graciosa, Montana Clara, Alegranza und El Roque del Oeste besteht, erlaubt. Über eine Treppe gelangt man zur oberen Etage und kommt dann zu einer weiteren Terrasse, von der man die perfekte Symbiose des „Mirador del Rio“ mit seiner Umgebung bewundern kann. Am Fuß der Klippen lagen die Salinas del Rio. Die Becken sind durch winzige Krebse, die sich im dichten Salzwasser besonders gut vermehren und auch für die Reinigung der Salinen sorgen, rosa gefärbt.
Die Nachbarinsel La Graciosa ist als einzige Insel des Archipelago Chinijo bewohnt. Die Bevölkerung lebt noch heute zu 90 % vom Fischfang.
Gegen 16.45 Uhr beschlossen wir auf dem Heimweg nach Playa Blanca kurz in Arrieta, einem kleinen Fischerdorf, zu halten um dort in einem Fischrestaurant einzukehren. Wir kamen am Kreisverkehr mit dem roten Windspiel Manriques („Juguetes del Viento“ = Windspiele ) aus dem Jahre 1992 vorbei und fuhren zum Strand von Arrieta. Trotz oder wegen der hohen Wellen waren viele Surfer zu sehen, die ihren Spaß hatten, wenn die Wellen über sie her krachten.
Wir schauten ihnen eine Zeitlang zu, dann suchten wir das Restaurant „Los Pescaditos“ auf und setzten uns dort auf die Terrasse.
Linker Hand sahen wir das zurzeit leer stehende „Blaue Haus“ auf rotem Sockel über eine Lavazunge thronen. Der Bau wurde 1915 von dem Arzt Juan de Leon Perdomo in Auftrag gegeben. Er, ein gebürtiger Einwohner Lanzarotes, emigrierte Ende des 19. Jahrhunderts nach Argentinien. Als seine kleine Tochter an Tuberkulose erkrankte kehrte er nach Lanzarote zurück, weil er vom gesunden Seeklima Linderung für seine Tochter erhoffte. Doch „La Juanita“ lebte hier nur wenige Jahre. Sie starb 1917 im Alter von 16 Jahren.
Nachdem das Haus nicht mehr bewohnt wurde, diente es einmal als Restaurant, dann wieder mal als Afrikanisches Museum.
Wir bestellten uns eine Fischplatte mit Fritten und tranken dazu ein Glas Bier. Welche Fische wir serviert bekamen wissen wir nicht, aber sie schmeckten einfach köstlich! Das Gericht war recht preiswert, denn insgesamt zahlten wir nur 21 €. Satt und zufrieden machten wir uns auf den Rückweg nach Playa Blanca.
Als wir in unserem Bungalow ankamen war es 20 Uhr. Die Wolken hatten sich inzwischen verzogen und am Himmel leuchteten die  Sterne. „Schau mal Schatz, wie der Mond hier aussieht. Ganz anders als bei uns in Deutschland steht hier seine Sichel nicht rechts oder links, sondern oben bzw. unten. Auch der Sternenhimmel ist ein anderer. Wenn du nach links schaust, dann kannst du dort das Kreuz des Südens erkennen.“
„Den Mond sehe ich, aber mit Sternbildern kenne ich mich überhaupt nicht aus. Ich werde den Mond morgen fotografieren. Jetzt lass uns reingehen.“

10. Tag
Als ich nach draußen ging sah ich nur wenige Schleierwolken am Himmel. Auch der kühle Wind hatte etwas nachgelassen.
Wir überlegten, wie wir den Tag gestalten sollten. Zum Angeln schien es uns doch noch zu windig.
Da wir noch nicht alle Sehenswürdigkeiten von Lanzarote gesehen hatten fragte ich Achim, ob er Lust hätte noch einmal in den Norden zu fahren. Dort könnten wir uns ja am Nachmittag an einen der kleinen, weißen Strände legen.
Bevor wir auf die FZ 2 fuhren hielten wir am Hafen von Playa Blanca an und gingen in ein Geschäft, um uns eine neue Speicherkarte für die Kamera zu kaufen. Der Verkäufer sah sich die Speicherkarte an, die wir in der Kamera hatten und zeigte uns eine andere, „viel bessere“. Er pries die, die er uns zeigte, in hohen Tönen. Als wir nach dem Preis fragten waren wir fassungslos: 95 € sollte sie kosten. Wir winkten ab, doch er meinte, davon gingen noch 35 % Rabatt runter. Er rechnete uns den andern Preis aus. Es sollten immer noch über 50 € sein. Als er unser abweisenden Gesichtsausdruck sah fragte er, ob wir mit Karte oder bar bezahlen würden. Bar, antworteten wir. Wieder rechnete er, bis er uns auf dem Taschenrechner 45 € als Endpreis zeigte. Da ich keine Lust mehr hatte länger in dem Laden zu sein sagte ich zu. Ich gab ihm das Geld und hoffte, dass wir endlich weiter könnten. Doch nun versuchte er uns eine andere, noch bessere Karte, wie er meinte, anzudrehen. „Sie bekommen sie auch für den gleichen Preis.“ Es dauerte noch einige Minuten, bis er endlich kapierte, dass wir keine andere mehr wollten. Zuletzt versuchte er uns noch einen Polfilter und einen Weitwinkelkonverter zu verkaufen. Wir lehnten ab mit der Aussage, dass wir das alles schon hätten.
Endlich saßen wir wieder im Auto und fuhren Richtung Yaiza. Wir folgten der LZ 2 bis Tias. Da ich nicht sofort die Abfahrt nach San Bartolomé fand, drehten wir eine Ehrenrunde in Puerto del Carmen, bis wir auf der LZ 30 waren. In San Bartolomé verfranzten wir uns auch ein wenig, denn die Straßenbeschilderung ist auf Lanzarote nicht gerade gut. An der Kreuzung bei dem kleinen Dörfchen Tahiche steht inmitten von schwarzen Lavafeldern das ehemalige Wohnhaus von dem Künstler César Manrique. Er wurde am 24. 4. 1919 in Arrecife geboren, wo er mit 3 Geschwistern aufwuchs. 1934 kaufte sein Vater auf Lanzarote ein Haus direkt am Wasser. Mit 18 Jahren nahm er am spanischen Bürgerkrieg teil. 1939 kehrte er auf die Kanaren zurück. Kurz darauf begann er an der Universität von La Laguna (Teneriffa) ein Studium als Bauingenieur um sich für einen „richtigen Beruf“ ausbilden zu lassen. Sein Kindheitstraum war jedoch Maler zu werden. Nach einigen Jahren Studium ging er 1945 nach Madrid um an der Academia de Bellas de San Fernando Malerei zu studieren.
Mitte der 60er Jahre folgte er einer Berufung des Internationalen Instituts für Kunsterziehung in New York. Doch die Sehnsucht nach seiner Insel und dem Gefühl auf Lanzarote gestaltend einzugreifen und die Insel vor möglicherweise katastrophalen Auswüchsen des rapide anwachsenden Fremdenverkehrs zu bewahren, ließ ihn schon 4 Jahre später wieder auf die Kanareninsel zurückkehren. Er wollte, dass kein Gebäude auf der Insel höher war als eine kanarische Dattelpalme.
Wir stellten unseren Wagen auf dem Parkplatz ab und gingen zuerst an die Straßenkreuzung, wo Manrique ein weiteres wunderschönes Windspiel geschaffen hat. An dieser Kreuzung verunglückte er am 25. 9. 1992 bei einem Autounfall tödlich.
Dann gingen wir zurück zur Fundacion César Manriques. Hier zahlten wir pro Person 7,50 € Eintrittsgeld. Sein ehemaliges Wohnhaus steht auf einem 30.000 qm großen Grundstück, das bei den Vulkanausbrüchen von 1730 von Lavaströmen bedeckt wurde. Als Manrique 1966 aus New York zurück kam entschloss er sich endgültig auf Lanzarote zu bleiben. Es wird berichtet, dass er den Bauplatz zufällig fand: Er wunderte sich über die Spitze eines grünen Feigenbaumes, der in der lebensfeindlichen Einöde wuchs. Die Wurzeln waren in einer Vulkanblase fest verankert. Hier erfüllte er sich einen lang gehegten Traum, indem er sich ein Taro de Tahiche (Hirtenhütte aus Lavagestein) schaffte und damit seine Vorstellungen vom Ineinanderwirken von Natur und Architektur realisierte.  
Als zu seinen Lebezeiten der Besucherandrang immer größer wurde, zog er sich 1987 in sein Lieblingsdorf Haria zurück. Sein Haus in Tahiche überließ er der von ihm gegründeten Stiftung als Museum.
Vor dem Eingang dreht sich ein buntes Windspiel, das „Juguete para el viento“ oder „La Energia de la Piramaide“ genannt.
Wir zahlten das Eintrittsgeld von 8 € pro Person und begannen mit unserem Rundgang im Innenhof. Das Haus baute Manrique um fünf Lavablasen herum, in denen Knochen und Gegenstände gefunden wurden, die nun als Dekoration dienen. Das Haus besteht aus einem Unter- und Obergeschoss.
Wir gingen zuerst in das ehemalige, zentral gelegene Wohnzimmer im Obergeschoss, welches um eine große Vulkanblase angeordnet ist und heute eine Sammlung moderner Kunst beherbergt. Hier konnten wir seine private Gemäldesammlung bestaunen. In einem anderen Raum waren Bilder von Joan Miró, Pablo Picasso, Manuel Valdés und vieler anderer Künstler zu sehen.
Vom Wohnzimmer kamen wir über ein kurzes Intermezzo unter freiem Himmel zu einem anderen Saal und gingen dann in einen kleinen Hof mit Sitzgruppen, einem Teich und vielen Pflanzen.
Dann stiegen wir eine Basalttreppe hinab und kamen zu den fünf Vulkanblasen, die er durch Röhren miteinander verbunden und verschiedenfarbig ausgestaltet hatte. Zuerst gingen wir in die weiße Blase und von dort in die rote Blase, die direkt unter dem Wohnzimmer liegt. Von dort ging es weiter durch eine vulkanische Grotte, die Manrique für den Bau eines Swimmingpools nutzte und das man schon beim Gang durch das obere Stockwerk sehen kann. Weiter ging es in die schwarze Blase hinein, die von vier soliden Eckpfeilern abgestützt wird. Schließlich kamen wir in die gelbe Blase.
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Die Gestaltung des Fensters in diesem Raum beeindruckte uns sehr. Die schwarze Lavamasse scheint durch die Scheibe zu fließen.
Wir gingen weiter  zum ehemaligen Atelier. Hier wird die Kernsammlung seiner Werke aufbewahrt. Viele seiner großen Bilder hat er in einer Art Mischtechnik hergestellt, d.h. sie bestehen aus Ölfarbe und Gestein oder Vulkanasche. Eigentlich sind sie keine Gemälde sondern stellen eher ein Relief dar.
Etwas überwältigt von dem großartigen Eindruck, den wir bekommen hatten, stiegen wir in unseren Mietwagen und fuhren kurz nach Costa Teguise hinein und dann weiter Richtung nach Punta Mujeres.

Oerlinghausen, den 25.05.2008

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