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Räuber aus dem Åsnen 02.09. – 16.09.2006
Teil II
Am nächsten Morgen (Do., 07.09.) war es zwar noch etwas windig, aber der Wind blies nicht mehr so stark wie tags zuvor. Am Himmel waren einige Wolken zu sehen. Der Wind kam jedoch immer
noch aus Westen. Das bedeutete, er drückte genau in die Stelle, wo unsere Boote lagen. Deshalb entschlossen wir uns noch einmal in den Fluss zu fahren um es später, wenn der Wind noch etwas mehr nachgelassen hat,
auf dem Åsnen zu probieren. Zuerst schleppten wir eine Strecke von ca. 2 km ab, dann ankerten wir an einer Stelle, wo es 4 Meter tief war. Achim hatte an einer Raubfischpose einen Köderfisch, während an meiner
Pose ein Tauwurmbündel hing. Fast eine Stunde lang tat sich nichts. Plötzlich tauchte Achims Pose ab. Ein paar Sekunden später tauchte sie wieder kurz auf und dann wieder ab. Da in Achims Schnur durch den Wind eine
Schlaufe war, konnte er nicht richtig anschlagen. Er drillte den Fisch zwar bis kurz vors Boot, dann aber ließ der Räuber (wir sind sicher, dass es sich um einen Zander gehandelt hat) den Köder wieder los.
Während des Drillens warf ich einen Blick auf meine Pose. Plötzlich tauchte auch sie ab. Ich wollte die Rute gerade in die Hand nehmen und anschlagen, als sie wieder auftauchte.
Trotzdem holte ich sie rein um den Köder zu kontrollieren. Bis auf einen Tauwurm waren alle abgefressen. Wer der Täter war habe ich natürlich nicht erfahren.
Gegen 14 Uhr meldete sich Heike mit dem Walkie-Talkie: „Wir fahren jetzt zurück.“ Kurz danach meldete sie sich erneut: „Ich habe gerade beim Schleppen einen Zander gefangen! Mein erster Zander!“ jubelte sie.
Wie es schien, war Schleppen erfolgreicher als Posenangeln. Also holten wir unsere Ruten und den Anker rein und starteten den Motor. Wir schleppten noch einige Kilometer. Doch wir bekamen keinen Räuber zu fassen.
Um 15 Uhr waren auch wir wieder in der Hütte. Kurz darauf kam Ulli zu uns und fragte, wie es liefe. „Nicht besonders“, antworteten wir.
Ulli konnte es nicht glauben: „Die Brandenburger sind von 7 bis 11 Uhr und von 15 bis 19 Uhr auf dem See und in der Zeit fangen sie immer sehr gut. Vielleicht solltet ihr auch mal um diese Zeit rausfahren.“
Wir ließen uns dies durch den Kopf gehen und entschlossen uns spontan, noch einmal rauszufahren. Aber auf den See trauten wir
es uns bei dem Wellengang immer noch nicht, deshalb fuhren wir erneut in den Fluss. Wieder schleppten wir viele Kilometer
unsere Wobbler hinter uns her, aber außer Hängern hatten wir keinen Erfolg zu vermelden. Vielleicht lag es daran, dass wir gerade Vollmond hatten und die Fische deshalb nicht bissen.
Man kann eben nichts erzwingen, sagten wir uns. Am Freitag (08.09.) war ich schon wieder um 5 Uhr wach und stand sofort auf. Kurz darauf erschien auch Heike. Wir hatten
gerade unsere Tasse Kaffee getrunken, als auch Thomas in die Küche kam. „Na, Mädels. Schon wach? Was sagt das Wetter? Können wir heute mit dem Boot rausfahren?“
Ich antwortete: „Ich glaube schon. Wir haben einen leichten Wind, der aus Norden kommt. Es ist zwar etwas bewölkt, aber das heißt nichts.“
Etwas müde aussehend gesellte sich Achim um 5.45 Uhr zu uns. Er meinte, dass wir nicht lange rumtrödeln, sondern so bald wie möglich rausfahren sollten. Seine Worte klangen wie Musik in meinen Ohren!
Um 6.40 starteten wir die Bootsmotoren. Wir fuhren wieder in Richtung Harö. Thomas und Heike entfernten sich ein Stück von uns. Achim und ich schleppten vielleicht gerade 15 Minuten, als ich einen Biss bemerkte.
„Schatz, halt mal an. Ich habe einen Fisch dran.“ Sofort holte Achim seine Rute rein und stoppte den Motor. Als der Räuber vor dem Boot war machte er einen Radau. Mehrmals
versuchte er sich vom Drilling zu befreien. Gott sei Dank gelang es ihm nicht. Nach einigen vergeblichen Fluchtversuchen landete
er im Kescher. Der Hecht war 61 cm lang und wies am Rücken eine Bisswunde auf. Den Drilling hatte er tief in seinem Maul, aus
dem er blutete, so dass wir ihn nicht zurücksetzten, sondern mitnahmen. Dank unseres neuen Keschers mit großen Maschen aus
Kunststoff dauerte es nicht lange und ich hatte den Drilling, der sich in den Maschen verheddert hatte, war wieder frei.
Wir schleppten ca. 20 Minuten, da meldete Achim, dass er einen Fisch am Haken hatte. Der Hecht, der sich den Blinker
geschnappt hatte, war 70 cm groß. Nachdem Achim den Haken aus dem Fischmaul befreit hatte, setzte er ihn behutsam ins Wasser zurück. Schon vor unserer Reise hatten wir beschlossen, nur ganz wenige Fische mitzunehmen.
Über das Walkie-Talkie hörten wir von Heike, dass Thomas einen Hecht von 68 cm gefangen hatte. Kurz darauf meldete sie,
dass sie ebenfalls einen Hecht von 63 cm am Haken hatte. Wir fuhren ein Stückchen weiter und warfen erneut unsere Köder aus.
Dieses Mal hatten wir uns für 45-Gramm-Blinker entschieden. Es dauerte auch nicht lange und Achim hatte einen weiteren Hecht am Haken. Er war ebenfalls 61 cm groß.
Als wir gegen 10.30 Uhr Thomas und Heike mitteilten, dass wir zurückfahren würden, sagte sie uns, dass Thomas ebenfalls einen weiteren Hecht, den er aber wieder zurückgesetzt hatte, gefangen hatte.
Mittags kam Ulli zu uns um den Rasen am Häuschen zu mähen. Als erstes fragte er uns natürlich wie es liefe bzw. ob wir etwas
gefangen hätten. Dieses Mal konnten wir ehrlich antworten: „Gut!“ Ulli schien mit unserer Antwort zufrieden zu sein.
Während Achim und Thomas in der Hütte blieben fuhren Heike und ich nach Tynsgryd zum Einkaufen. Es tat so richtig gut endlich
einmal keine Angelklamotten anzuhaben. Leider hatte das Touristenbüro gerade Mittagspause, so dass wir uns kein Andenken kaufen konnten.
Als wir wieder zurück waren hatte der Wind zugenommen. Daher fuhren wir nicht mehr auf den See hinaus, sondern entschlossen
uns noch einmal auf dem Fluss zu schleppen. Thomas, der bisher noch keinen Zander gefangen hatte, wollte unbedingt einmal
einen am Haken haben. Leider tat ihm keiner den Gefallen. Bevor wir zum Bootsanleger zurückfuhren ankerten wir an einem
Bootssteg im Fluss. Heike warf mehrmals ihren Wobbler an eine Stelle, wo sie ihren Zander gefangen hatte. Aber auch ihr gelang
es nicht einen weiteren zu fangen. Später erzählten uns Heike und Thomas, dass sie auf der Rückfahrt eine Schlange im Wasser schwimmen gesehen hatten.
Für den Abend hatten wir Ulli und Mona zum Grillen und Trinken eingeladen. Ulli kam schon um 18 Uhr und wollte mit uns noch
eine Stunde rausfahren. Aber die Zeit war uns viel zu knapp, denn wir hatten das Grillen für 19 angesetzt.
Als Mona kam stand Thomas schon am Grill und Achim zapfte für uns ein kühles frisches Erdinger Weißbier. Nach dem Essen
saßen noch bis ca. 23 Uhr zusammen und redeten über alles Mögliche, natürlich ging es hauptsächlich ums Angeln. Aber auch
andere Themen kamen zur Sprache. Ich legte mich als Erste schlafen. Wann die anderen kamen weiß ich nicht. Ulli und Mona
übernachteten in ihrem Wohnmobil. Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen. Um 6 Uhr waren alle wach. Für Heike und
Thomas war es die letzte Gelegenheit noch ein paar Hechte zu fangen, denn am nächsten Tag hieß es die Heimreise anzutreten. . Mittags mussten sie das Boot wieder abgeben.
Um 7 Uhr fuhren wir zu einer relativ tiefen Stelle. Dieses Mal wollte ich nicht mit Blinker angeln. Ich entschied mich für einen
15cm-Wobbler. Es dauerte auch gar nicht lange, da spürte ich einen kräftigen Ruck in meiner Rute. Schon während des Drillens
und besonders, als der Fisch im Wasser auftauchte, konnte ich erkennen, dass es sich um einen sehr großen Hecht gehandelt hatte
. Ich konnte ihn bis ans Boot drillen. Plötzlich machte er ein paar Sprünge – und verabschiedete sich auf Nimmer Wiedersehen.
„So ein Mist! Den hätte ich gerne im Boot gehabt. Ich hätte so gerne ein Foto von ihm gehabt. Das war der Größte, den ich bisher gefangen hatte“, schimpfte ich.
„Komm Schatz, beruhige dich. Wir fangen bestimmt noch welche“, tröstete mich Achim. Eine gute Viertelstunde später fing Achim einen Hecht von 70 cm, den er wieder zurücksetzte.
Während des Schleppens hatte ich mal wieder einen Hänger. Da ich den Wobbler durch Schütteln nicht frei bekam fuhr Achim
ganz nah an die Schnur heran. Ich hatte große Angst, dass mir die andere Rute ebenfalls zerbrechen würde und griff deshalb die
Schnur. Es kostete mich einige Mühe, dann hatte ich den Wobbler hochgezogen. Als ich sah, dass er sich in einem Fischernetz
verfangen hatte, dass mit hochgezogen hatte, wunderte es mich nicht, dass ich ihn so nicht losbekommen hatte. Vielleicht hatte mein anderer Wobbler, als die Rute zerbrach, ja auch in so einem Netz gehangen?
Wir fuhren zu Thomas und Heike und sagten ihnen, dass wir Schluss machen würden, denn das Boot, welches die beiden gemietet hatten, mussten sie um 11 Uhr wieder abgeben.
Thomas erzählte uns, dass er drei Hechte gefangen hätte. Einer von ca. 80 cm war am Boot wieder vom Haken abgegangen. Ein
anderer besaß keine Rückenflosse mehr. Der dritte hatte den Wobbler total verschluckt und blutete aus den Kiemen, so dass Thomas ihn mitnehmen musste.
An diesem Samstag (09.09.) hatten wir schönes, fast windstilles Wetter. Die Sonne schien bei 20° C vom blauen Himmel und für die nächsten Tage war herrliches Spätsommerwetter angesagt.
Heike wollte unbedingt einmal einen Elch aus der Nähe sehen. Einige Tage vorher waren sie und Thomas am frühen Abend einige
Kilometer mit dem Auto gefahren, in der Hoffnung, auf einen Elch zu treffen. Da es nicht klappte war sie etwas traurig. Ein paar Tage vorher hatte Ulli uns von einem Elchpark in Kosta erzählt und so beschlossen wir dort hinzufahren. Es waren zwar einige Kilometer zu fahren, aber es hatte sich gelohnt.
Im Park gab es einen Elchbullen mit Namen Karl-Gustav, der durch einen Zaun von der Elchkuh mit Namen Silvia mit ihren
beiden Jungen getrennt war. Der Bulle lag mit geschlossenen Augen faul am Boden. Die Kuh mit ihren beiden Kälbern lag
ebenfalls im Schatten. Es dauerte einige Minuten, bis der Bulle wenigstens einmal seinen Kopf hob. Aufstehen wollte er jedoch nicht – auch nicht für ein Foto!
Wir gingen weiter durch den Park und trafen auf einen Hochsitz. Von oben konnte man eine weitere Elchkuh bestaunen, die friedlich am Grasen war.
In Schweden, so hörten wir, passieren täglich 12 bis 15 Verkehrsunfälle mit Elchen. Die Unfälle geschehen meistens zur Abend-
oder Morgendämmerung. Elche können bis zu 50 km/h schnell sein. Innerhalb weniger Sekunden kann also so ein Elch vor dem
Auto stehen. Deshalb sind überall Warnschilder aufgestellt, die auf Elchwechsel hinweisen. Dort, wo die Schilder stehen, sollte man auf jeden Fall die Geschwindigkeit herabsetzen, um keinen Schaden zu erleiden.
Auf dem Weg durch den Park besichtigten wir auch das „Elchmuseum“, wo einige Szenen mit Elchen abgebildet waren. Dann
kamen wir an einem Gehege voller Ziegen vorbei, die ich unbedingt streicheln und füttern musste, denn es sind meine
Lieblingshaustiere. Anschließend wollten mir die anderen nicht mehr die Hand geben, denn sie rochen sehr streng. Außerdem sahen wir dicke fette Schweine und ein Hängebauchschwein, die sich im Sand suhlten.
Als wir gegen 15.30 Uhr zurück waren zogen Achim, Thomas und ich uns schnell um, um noch einmal mit unserem Boot
rauszufahren. Wir schleppten ca. 2 Stunden um die Insel Harö, ohne jedoch einen Biss zu bekommen. Enttäuscht fuhren wir
zurück. Für Thomas hätte es mich gefreut, wenn er noch einmal richtig zugeschlagen hätte. Schließlich hatten Achim und ich noch eine Woche vor uns.
Am Sonntagmorgen war es in der Früh leicht bewölkt, aber windstill. Nach und nach setzte sich die Sonne durch. Gegen 9.30
Uhr hatten Heike und Thomas ihre Sachen im Auto verstaut und sie machten sich auf die Heimreise. Kurz nachdem sie abgefahren
waren, kam mir die Stille, die nun in der Hütte herrschte, bedrohlich vor. Mir war irgendwie ganz komisch zumute. Als Ulli einige
Minuten später zu uns kam standen mir die Tränen in den Augen. „Was ist denn mit dir?“ fragte er mich.
„Scheiße! Am liebsten würde ich jetzt auch nach Hause fahren. Ich habe Heimweh. Scheiß Schweden!“ schimpfte ich vor mich hin.
Ulli konnte es sich nicht verkneifen zu sagen: „Kaum ist die Tochter weg, bekommt die Mutti Heimweh. So kenne ich dich ja gar nicht. Ich hätte nicht gedacht, dass du so sensibel sein kannst.“
Es dauerte einige Minuten bis ich begriff, was mit mir los war. Ich war traurig, weil Heike nicht mehr da war. Vielleicht erinnerte mich der Abschied auch daran, dass meine Schwester todkrank ist.
Nachdem Ulli weg war schlug mir Achim einen Spaziergang vor. Bei dem schönen sonnigen Wetter bot sich das regelrecht an. Und vielleicht würde unterwegs meine Traurigkeit verschwinden.
Unser Weg führte uns die Straße entlang und weiter zum Strand, wo die Kanuten ihre Boote ins Wasser ließen. Hier, das sah ich
sofort, wuchsen viele schöne große Steinpilze. Einige Minuten war ich durch das Sammeln der Pilze abgelenkt, doch kurz darauf standen mir schon wieder die Tränen in den Augen.
„Verdammt! Reiß dich zusammen! Lass dich nicht so hängen“ schimpfte ich mit mir selber. Die andere Stimme in mir konterte: „Was willst du überhaupt hier in Schweden? Hechte fangen kannst du doch auch zuhause.“
Und schon liefen mir wieder die Tränen die Wange hinunter. Als wir wieder in der Hütte waren aßen wir eine Kleinigkeit. Dann zogen wir uns um und fuhren gegen 15 Uhr mit dem Boot auf
den See hinaus. Wir schleppten ca. 30 Minuten ohne Biss an einer Stelle. Dann fuhren wir ein Stück weiter. Hinter der Insel Lindö
schleppten wir über eine Stunde lang. Ich hatte überhaupt keine Lust zum Angeln und beachtete deshalb kaum meine Rute. Erst
als Achim einen Biss meldete und einen Hecht von 57 cm aus dem Wasser zog, den er auf FZ Doppelblinker gefangen hatte, war ich wieder voll bei der Sache und meine Traurigkeit war verschwunden.
Nun konzentrierte ich mich wieder auf meine Rutenspitze, aber es tat sich nichts. Da wir keine weiteren Bisse mehr bekamen fuhren wir zum Bootsanleger zurück, wo wir gegen 18.30 Uhr ankamen.
Wir beschlossen am anderen Morgen zum „Zanderloch“ bei Torne zu fahren, um dort auf Grund Zander zu fangen. Dazu machte jeder von uns eine Rute mit einer Grundmontage fertig.
„Was meinst du, reichen 40 Gramm Bleie wohl aus?“ fragte ich Achim. „Klar. Wir lassen den Köder auf den Grund und dann treiben wir einfach“, antwortete er.
Oerlinghausen, den 28.09.2006
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