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Angelurlaub in Schweden am Åsnen in Småland 26.04. – 14.05.2003
Teil II
Sa., 03.05.
Ich war sehr gespannt, wie der heutige Tag verlaufen würde. „Bitte, nicht schon wieder einen Schneidertag!“ betete ich still für mich.
Um 8 Uhr war es windstill, nur der Himmel war wieder bedeckt. Wir hatten gestern beschlossen, dieses Mal in die andere
Richtung zu fahren, also noch über die große Bucht hinaus, wo wir am 30.04. schon einmal waren. Bis wir soweit waren, schüttet
es wie aus Eimern. „Also wird heute nichts mit Bootfahren“ sagte ich zu Achim. Aber um 9.15 war es dann plötzlich trocken und
ab und zu kam sogar die Sonne durch. Doch mit der Sonne war auch wieder etwas Wind aufgekommen. Trotzdem entschlossen wir uns mit dem Boot rauszufahren. Um 9.45 legten wir am Steg ab.
Wir tuckerten gemütlich über den See und schauten immer wieder auf die Inselkarte um uns zu orientieren. Dann kamen wir zu
der Stelle, die als Naturschutzgebiet gekennzeichnet ist. Wir wussten nicht so richtig, ob wir zwischen den roten Bojen
hindurchfahren durften und machten deshalb einen Bogen um die Insel, die vor uns lag. Wie sich später herausstellte, hätten wir
nach der Insel rechts abbiegen müssen, aber das taten wir. Und das war gut so, denn wer weiß, wie es uns dann ergangen wäre.
Über uns war der Himmel blau, doch in der Ferne zogen dunkle Wolken auf. Gegen 13 Uhr kommen wir an einer Insel vorbei,
auf der ein Häuschen stand. Zwei Männer saßen am Steg und angelten Köderfische. Wir fuhren an ihnen vorbei und eine weitere
Insel lag vor uns. Irgendetwas stimmte nicht. Auf der Karte sah es anders aus, als vor uns. Achim wendete das Boot und wir
erkundigten uns bei den beiden Anglern, um welche Insel es sich handeln würde. Da es deutsche Angler waren, gab es keine
Sprachschwierigkeiten. „Die Insel heißt Mossö“ antworteten sie uns. Es dauert einen Moment, bis wir sie auf der Karte entdeckten und feststellten, dass wir viel zu weit runter gefahren waren.
Langsam braute sich am Himmel etwas zusammen. In der Ferne sah ich zwar schon Blitze, aber es war noch kein Donner zu
hören. Das Gewitter war also noch weit weg. Trotzdem fuhren wir etwas schneller zurück. Wir waren kurz vor der Stelle, wo wir
hätten nach links abbiegen müssen, als es zu regnen anfing. Er wurde immer stärker. Der Regen selbst machte uns nichts aus, aber
plötzlich donnerte und blitzte es um uns herum. Da wir wussten, wie gefährlich es ist, in einem Aluboot mitten auf dem Wasser zu
sein, steuerte Achim sofort die nächste Insel an (nach der Karte musste es Öhmhomen gewesen sein), wo wir erst einmal ankerten
und das Schlimmste abwarteten. Völlig ungeschützt saßen wir in dem Boot, als der Regen immer heftiger wurde. Dann kaum auch
noch Hagel dazu. Vom Himmel über uns war nichts mehr zu sehen. Nur dicke schwarze Wolken! Nach einer Dreiviertelstunde
wurde es etwas klarer und es hörte auf zu Regnen. Wir entschlossen uns schnell weiter zu fahren, denn es lagen noch einige
Kilometer auf dem Wasser vor uns bis zum Anleger. Es dauerte keine zehn Minuten und der nächste Regen- und Hagelschauer
folgte. Durch den Wind hatten sich hohe Wellen aufgebaut, so dass wir nur sehr langsam voran kamen. „Bald haben wir es
geschafft. Ich kann den Anleger schon sehen“, sagte Achim zu mir. Es war tatsächlich nicht mehr weit. Wir hatten vielleicht noch
500 m vor uns, als der Motor plötzlich verstummte. Der Sprit war ausgegangen. Selbstverständlich hatten wir einen
Reservekanister dabei, das war nicht das Problem. Aber Achim war gerade dabei neues Benzin einzufüllen, als ca. 200 m neben
uns der Blitz einschlug. Wir waren beide kreidebleich und sprach kein Wort miteinander. Jeder von uns dachte, das sei das Ende.
Der nächste Blitz würde uns sicher treffen. Vor mir im Boot lag eine Plastiktüte, die ich schon während der Rückfahrt immer
angeschaut hatte. Darauf waren die Kontonummer und Bankverbindung eines Kindersuchwerkes aufgedruckt. „Wenn wir gesund in unserem Häuschen sind, dann spende ich denen 50 €“, war mein Gedanke.
Die letzten Minuten vergingen wie in Zeitlupe, dann hatten wir endlich den Steg erreicht. Kaum hatten wir das Boot festgemacht
und verlassen, blitzte es erneut über dem See. Aber wir fühlten uns jetzt in Sicherheit!
In dem Häuschen angekommen (15.15 Uhr), zogen wir erst einmal sofort unsere nassen Sachen aus und gossen uns auf den
Schrecken ein Schnäpschen ein. Danach wurde uns erst so richtig klar, was wir gerade erlebt hatten. Damit sich Ulli um uns keine
Sorgen machte, rief Achim ihn sofort an, um zu sagen, dass wir heile zurück gekommen seien. Keine 5 Minuten später war Ulli bei
uns. Er hatte gar nicht bemerkt, dass wir rausgefahren waren, war aber dann doch froh, dass wir die Prozedur heil überstanden
hatten. Ulli verstand immer noch nicht, dass wir wieder nichts gefangen hatten. Morgens wären doch die besten Gegebenheiten dazu vorhanden gewesen, meinte er.
Auf der Seekarte zeigt er uns jetzt noch zwei Brücken, wo sogar letztens, wie er sagte, Neulinge ihre 8 Hechte beim Blinkern
gefangen hätten. „Wenn’s woanders überhaupt nicht läuft, dann garantiert dort. Da gibt es auch Zander und Barsche zu fangen.“
meinte Ulli. Manchmal kamen seine Worte so bei mir an, als wenn er dachte, wir seien einfach zu blöd einen Hecht zu fangen.
Aber ich weiß, dass er es niemals so gemeint hatte. Er wünschte sich einfach für uns, dass wir einen schönen Urlaub hätten und
später zuhause mit unseren Fangerfolgen glänzen könnten. Aber leider war dem (noch) nicht so.
Das Gewitter war endlich vorbeigezogen und der Himmel wieder einigermaßen wolkenlos. Da es noch früh am Nachmittag war,
wollten wir eigentlich noch mit dem Auto zu der Brücke fahren, die Ulli uns vorher gerade auf der Karte gezeigt hatte. Den Kescher hatten wir aber im Boot gelassen. Also zog ich meine Stiefel an und ging zum Steg.
Und wen traf ich da? Unseren Angelnachbar, der auch gerade erst rein gekommen war.
Und was tat dieser? Er schuppte – wie konnte es auch anders sein – seine gefangenen Hechte.
„Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt! Wie macht der das bloß? Das kann nur daran liegen, dass er ein Echolot hat und
damit ausmachen kann, wo die Fische stehen. Morgen fahren wir rum und besorgen uns selbst ein Echolot. Ich bin stinksauer!“ sagte ich zu Achim, als ich wieder in unserem Häuschen ankam.
Es war fast 17 Uhr und ich war immer noch am Schmollen, als ich durch die Wohnzimmerscheibe Ulli und seinen Freund mit ihren
Angelruten zum Steg gehen sah. Ich wollte wissen, wo sie wohl schleppen oder blinkern würden und überredete Achim, noch
einmal ins Boot zu steigen und hinter den beiden herzufahren. Achim war zwar nicht so sehr von meiner Idee begeistert, aber dann
stimmte er zu. Also fuhren wir erneut auf den See. Wir kamen auch recht schnell voran, denn es waren kaum Wellen vorhanden.
Bald hatten wir Ulli und seinen Freund erreicht. Ulli winkte zu uns rüber und zeigte uns lachend seinen selbstgebastelten „Blinker“.
Es war ein Suppenlöffel. „Warum tat er das? Vielleicht wollte er uns (und auch sich selbst?) zeigen, wie einfach es war Hechte zu
fangen“, dachte ich bei mir. Achim und ich tuckerten langsam weiter in die linke Richtung, während Ulli und sein Freund eine
andere Richtung einschlugen. Nach einer Stunde vergeblichen Schleppens drehten auch wir wieder um und machten uns auf den
Rückweg. Inzwischen hatte es wieder zu regnen angefangen und es zogen erneut dunkle Wolken auf. Hechte hin, Hechte her. Auf
keinen Fall wollten wir wieder in ein Gewitter kommen. Dieses Erlebnis brauchten wir nicht noch einmal. Als wir später dann in unserem Ferienhäuschen waren, hatten wir beide die Nase voll vom Angeln!
So., 04.05.
So konnte es doch nicht weitergehen! Es musste sich doch endlich einmal etwas tun? Oder waren wir wirklich zu blöd zum Angeln?
Ein Blick aus dem Fenster um 6 Uhr in der Frühe zeigte mir, dass es mal wieder regnete und auch windig war. Wir mussten wohl
eine schlechte Zeit erwischt haben. Das Wetter spielte nicht richtig mit und auch die Fische/Hechte wollten noch nicht so richtig
beißen. Oder lag es daran, dass wir kein Echolot hatten? Tausend Fragen gingen mir durch den Kopf, während Achim noch selig
schlief. „Sch.... was auf die Fische. Ich nehme mir jetzt einen Krimi und lese den ganzen Tag“, dachte ich bei mir.
Als Achim gegen 10 Uhr aufstand war der Himmel strahlend blau. Nur ein paar weiße Schäfchenwolken waren zu sehen.
Eigentlich wollten wir ja nicht mehr angeln, aber „wer nicht wagt, der nicht gewinnt“. Als wir mit dem Boot rausfuhren wehte nur
ein ganz leichter Wind. Während wir schleppten nahm der Wind wieder zu, so dass wir wieder in eine Bucht flüchteten, wo wir etwas dann ein bisschen
blinkerten. Aber wie schon die vielen Male vorher, war kein Hecht weit und breit auszumachen! Es war zwar erst gegen Mittag, aber als der Wind weiter
zunahm entschlossen wir uns das „Frustangeln“ aufzugeben. Im Fernsehen wurde gerade das Wir kamen Formel-Eins-Rennen gezeigt, dass wir nun gespannt verfolgten. Wenigstens etwas Spannung! Als das Rennen zu Ende
war, entschlossen wir uns doch wieder mit dem Auto zu der Brücke zu fahren, „wo auch die Leute Hechte fangen, die kaum Ahnung vom Angeln haben“, wie Ulli uns vor ein paar Tagen sagte.
Anscheinend gehörten wir nicht einmal dieser Kategorie an, denn wir blinkerten und blinkerten, ohne das sich etwas tat! Auf der
spiegelglatten Oberfläche hätten wir aber auch Hechte rauben sehen müssen – wenn sie denn da gewesen wären.
Wieder ging es Tag zu Ende, ohne dass wir auch nur einen Hecht gefangen hatten. Nur unseren Hintern hatten wir inzwischen auf dem Bootssitz wundgescheuert!
Mo., 05.05.
Woher ich jeden Tag aufs neue die Hoffnung auf einen Fang nahm, weiß ich auch nicht. Klar war ich ärgerlich über die Miss- oder
Nichterfolge. Aber nun waren wir schon einmal hier und so schnell gebe ich auch nicht auf.
Jeder Tag beim Angeln, dass weiß ich inzwischen aus eigener Erfahrung, kann anders sein. Mal fängt man viel, mal überhaupt
nichts. Aber es kam selten vor, dass Achim und ich als Schneider vom Angeln nach Hause fuhren. Und das mehrmals hintereinander! Doch hier in Schweden war wohl alles anders als zuhause.
Zuerst einmal fuhren wir an diesem Morgen wieder nach Väckelsäng um erneut einzukaufen. Die Sonne schien zwar und der
Himmel war blau, aber es wehte wieder ein starker Ostwind. Also wurde wieder nichts aus dem Schleppenfischen. Was also
sollten wir tun? Den ganzen Tag in der Hütte zu bleiben hatte ich auch keine Lust. In Väckelsäng gab es zwar einen Supermarkt,
eine Tankstelle und eine Kirche, aber das war’s dann auch schon. Ansonsten gab es nur Natur pur. Es blieb uns nichts anderes als
ins Auto zu steigen und erneut zu einer Brücke zu fahren, wo es windstiller war um dort zu angeln.
Wir fuhren zwar wieder die gleiche Richtung (nach Sirkön), überquerten aber dieses Mal die Brücke, an der wir zuletzt geangelt
hatten und fuhren ca. 10 km weiter war. Die Gegebenheiten an der anderen Brücke gefielen uns sofort besser. Die andere Bucht war sehr flach gewesen, aber hier war es deutlich tiefer.
Wenn wir schon keine Hechte fingen, dann klappte es vielleicht mit einem großen Rotauge oder auch einem großen Barsch. Ich entschloss mich also es
zuerst mit Rotwurmstücken zu versuchen. Wir hatten auch Tauwürmer dabei, denn im Åsnen sind nicht nur Hechte, Zander und Barsche zu fangen, sondern
auch Aale, Karpfen, Schleien und andere Weißfische. Aber alles was biss, waren 9 kleine Rotaugen und 2 kleine Barsche. Während ich also wieder mal
Köderfische angelte, blinkerte Achim. Dann tauschte er seine Rute gegen eine andere aus. An einer hatte Achim schon eine Segelpose montiert. Als Köder musste eine kleiner Barsch herhalten.
Immer nur Köderfische zu angeln fand ich nun doch zu langweilig. Was sollten wir auch damit tun? Den Hechten schmeckten sie
anscheinend ja nicht. Also nahm ich meine Rute mit der Raubfischpose und hakte ein kleines Rotauge in den Drilling. Ich warf
meine Rute zum linken Ufer aus, das voller Schilf war, in der Hoffnung, dass dort ein Hecht stehen würde. „Wenn ich bzw. wir
heute wieder nichts fangen, dann ist es vorbei mit der Angelei“, dachte ich bei mir. „Dann sehen mich die Schweden nie wieder!“
Langsam wurde es dämmerig. Um uns herum hörten wir unbekannte Geräusche. Ein tiefes Dröhnen von links, dann eines von
rechts und später noch eines von links. „Weißt du was das ist?“, fragte ich Achim. „Ich glaube, dass sind Elche“, meinte er. Es hörte sich sehr interessant an.
Es war so gegen 19.45 Uhr, als Achim zu mir kam, um ein paar weitere Köderfische zu stippen. Ich stand vielleicht 5 Minuten
neben ihm, als ich mich nach meiner Pose umdrehte und noch sah, wie sie abtauchte. „Das gibt’s doch nicht! Meine Pose ist weg“, sagte ich zu Achim. „Warte ab, vielleicht kommt sie ja wieder hoch. Meine ist auch ab
und zu abgetaucht. Dann hat sie der Fisch runtergezogen“. „Sie kommt aber nicht wieder hoch. Und ich habe auch gesehen, dass sie nicht nach unten abtauchte, sondern nach
hinten“, antwortete ich ihm. Sofort legte Achim die Stipprute zur Seite und holte den Kescher. Ich schaute ihn ungläubig an. „Wenn er zieht, dann gib ihm ruhig etwas Schnur“
sagte Achim zu mir. „Ziehen? Wer? Glaubt Achim wirklich, dass ich einen Fisch dran habe“, dachte ich bei mir. Ich stand neben meiner Rute und wartete. Einen Moment lag tat
sich nichts. Ich hatte den Freilauf immer noch eingeschaltet und wartete gespannt. Plötzlich ging Schnur von der Rolle runter. Ich nahm die Rute hoch, schlug an und drillte ganz
langsam. Dabei spürte ich sofort, dass tatsächlich ein Fisch dran war. „Das ist sicher ein Barsch. Oder vielleicht ein Zander. Aber sicher kein Hecht“, meinte ich zu Achim.
„Wart’s ab“. In der Nähe des Ufers versuchte der Fisch ins Kraut zu flüchten. Er zog sehr stark und ich ließ ihn etwas ziehen. Vor mir meinen Beinen ein Schilfbündel in das er
flüchtete. Rechts hing meine Pose drin und links hatte sich der Fisch versteckt. Nichts ging mehr. Also nahm Achim dem Stiel des Keschers und ging zu dem Schildbündel. „Ich kann ihn sehen. Er hat sich hier versteckt.“ Er scheuchte den Fisch aus seinem Versteck und ich gab ihm wieder etwas
Schnur, damit er da raus und ich die Pose frei bekam. Das klappte gut und einen Moment später kescherte Achim ihn. Es ist tatsächlich ein Hecht!!! Zwar kein besonders großer, aber immerhin ein Hecht. „Ob unsere
Fangflaute nun endlich vorbei ist. Sie scheinen ja endlich in Beißlaune zu sein“, meinte ich glücklich über meinen Fang zu Achim.
An diesem Tag war es auch eindeutig wärmer als die ganzen Tage zuvor. Vielleicht lag es ja daran, dass wir einen gefangen hatten.
Glücklich über diesen kleinen 58er fuhren wir gegen 21.15 zurück. Nun war es schon dämmerig. Da die Schotterstraße durch Wälder führte, wo wir
schon viele Hasen und Rehe gesehen hatten, fuhr ich sehr langsam und vorsichtig. Das war auch gut so, denn plötzlich lief ein Dachs vor dem Auto
her und verschwand im Wald. Einen Kilometer weiter hoppelte wieder ein dicker Hase über die Straße. Nur einen Elch haben wir bisher nicht zu Gesicht bekommen.
Trotzdem war es ein schöner Tag. Vielleicht würden die anderen ja jetzt endlich besser werden.
Di., 06.05.
Es hatte in der Nacht zwar geregnet, aber morgens um 8 Uhr es war endlich einmal windstill, wenn auch der Himmel bedeckt war
. Doch das besagte nicht viel. Die ganzen Tage hatte sich das Wetter tagsüber immer wieder geändert. Schien morgens die Sonne
, war es mittags regnerisch. War es morgens regnerisch, konnte es passieren, dass es ab mittags schön war.
Ich wünschte, wir hätten die Möglichkeit gehabt, einen Wetterbericht für das Gebiet zu empfangen. Aber leider konnten wir kein
Schwedisch und so blieb uns nichts anderes übrig, als auf gut Glück rauszufahren und hoffentlich nicht wieder in ein Gewitter zu kommen.
Als wir gegen 11 Uhr zum Steg gingen, war die See relativ ruhig. Es nieselte zwar, aber es waren nur ganz kleine Wellen
vorhanden. Wir entschlossen uns mit dem Boot rauszufahren, und zwar wieder zu der Stelle, wo wir bei der ersten Bootsfahrt
waren. Während der Fahrt dorthin (sie dauerte ca. 45 Minuten), nahm der Wind zu und es regnete auch wieder. Trotzdem fuhren
wir dieses Mal ein Stückchen weiter in eine Bucht, wo wir vorher noch nicht waren. Sie lag etwas hinter dem „Loch“ und dort
war es relativ windstill. Zuerst wollten wir ein paar Köderfische fangen, was sich jedoch als nicht so einfach herausstellte, denn sie
bissen nur sehr zaghaft. Etwas später beködern wir unsere Posenruten mit je einer Rotfeder. Geduldig warteten wir auf einen Biss.
Nach 3 Stunden war es dann endlich (!!!) soweit. Achims Segelpose tauchte ab. Ohne viel zu überlegen schlug er an und hatte er
einen Hecht am Haken. Es war nur ein kleiner von 55 cm, aber immerhin mal wieder ein Fisch. So könnte es ruhig weitergehen. Wir probierten es noch eine Stunde in der Bucht, dann machten wir uns auf den Rückweg.
Im langsamen Schlepptempo tuckerten wir zurück. Achim montierte einen silbernen Blinker ans Stahlvorfach, ich probierte es mit
einem weiß-roten Wobbler. Kaum hatten wir ein paar Meter geschleppt, als wir zurückfahren mussten, weil Achim einen Hänger
hatte. Nachdem ich deswegen das 4. Mal meine Rute reinholen musste, wurde ich schon nöckelig.
„So kann ich bestimmt keinen Fisch fangen. Immer wieder muss ich meine Rute reinholen. Sch....“, dachte ich bei mir. Laut sagte
ich zu Achim: „Wenn du mit dem Blinker immer wieder einen Hänger hast, dann nimm doch einen anderen. Einen schwimmenden
Wobbler zum Beispiel“. Achim nahm zwar keine Wobbler, sondern wieder einen Blinker, aber einen anderen als vorher. Kaum
hatte er seine Rute ausgeworfen und wir ein paar Meter geschleppt, als er zu mir sagte, ich müsste meine Rute reinholen. „Das
kann doch wohl nicht wahr sein! Hast du schon wieder einen Hänger?“ antwortete ich ihm. „Ja. Ich glaube schon. – Nein! Ich hab e einen dran! Es muss sogar ein etwas größerer sein. Mach schon mal den Kescher fertig“ kam als Antwort.
Das tat ich natürlich mit großer Begeisterung. „Ein Großer, hat er gesagt“, dachte ich bei mir, während ich dabei war den Kescher auseinander zu
packen. „Beeil dich. Er ist gleich hier“ rief mir Achim erneut zu. „Ja, ja. Ich beeile mich schon“. Wir waren beide etwas aufgeregt und sehr gespannt auf
den Fisch. Dann sahen wir ihn im Wasser auftauchen. Das war wirklich ein größeres Exemplar! Kurz vor dem Boot machte er einen Mordsspektakel.
Als Achim ihn vor der Bootswand hatte und ich ihn keschern wollte, haute er jedoch erst mal wieder ab. Doch Achim hatte ihn fest im Griff und dirigierte
ihn erneut zum Boot. Dann endlich lag er im Kescher. Ein Mordskerl! Zwar immer noch kein „Elchhecht“, also ein Exemplar von 10 kg, aber immerhin
einer von 91 cm. Wir waren beide überglücklich. Im Kescher machte der Hecht so ein Spektakel, dass sich der Drilling im Netz verfing. Da Achim ihn
nicht aus den Maschen frei bekam, betäubte er den Räuber erst einmal mit einigen Schlägen auf den Kopf. Als er endlich ruhig war, konnte er den Drilling aus dem Maul holen und wir uns den Hecht in
Ruhe anschauen. Nun konnte ich auch ein paar schöne Fotos machen. Bisher war die Kamera kaum zum Einsatz gekommen.
Achim wollte gerne mit dem Blinker weiterangeln, aber das ging nicht. Der Drilling hat sich so zwischen den Maschen verfangen,
dass er kurzerhand das Vorfach abmachte und ein neues mit einem anderen Kunstköder dran machte. Während Achim seine Rute wieder auswirft und wir gemütlich weiter tuckern, versuchte ich den
Drilling aus dem Kescher los zu bekommen. Nach einer Viertelstunde war es dann geschafft, ohne das eine Masche kaputt gegangen war.
Da die Wellen inzwischen wieder höher geworden waren, entschlossen wir uns mit dem Schleppen aufzuhören und zurück zu
fahren. Außerdem war es fast 18 Uhr und wir hatten 2 schöne Hechte im Boot, die auch noch ausgenommen werden mussten.
In dem Häuschen angekommen, tranken wir erst einmal einen auf den schönen Fang. Dann holte ich die Waage, um festzustellen, dass
der „Große“ 5 kg wog. „Na, wer sagt’s denn. Wir können doch fangen – wenn die Fische da sind und beißen wollen. An uns lag es also nicht!“ meinte Achim zu mir.
Vielleicht lag es ja wirklich daran, dass wir die letzte 2 sonniges Wetter hatten. Hechte beißen auch nur ab einer bestimmten
Wassertemperatur. Und das Hin und Her der letzten Tage musste auch sie irritiert haben. Glaubte ich jedenfalls.
Mi., 07.05.03
Mein erster Gedanke an diesem Morgen war: „Ich möchte auch einen Hecht, einen großen Hecht, fangen.“ Aber ein Blick aus
dem Fenster zeigte mir, dass es mit dem Schleppen wieder nichts würde. Es kräftiger Wind schaukelte die Baumkronen und schwenkte die Schwedenflagge von rechts nach links. Sch....
Erst einmal tranken wir in aller Gemütsruhe unseren Kaffee und freuten uns über den schönen Fang vom Vortag, dann packten wir
in aller Ruhe unsere Angelsachen ins Auto und fuhren erneut zu der Brücke hinter Sirkön. Aber auch hier ist es keinesfalls windstill
. Auch hier blies uns ein kräftiger Wind ins Gesicht und das Auswerfen der Ruten war nicht ganz einfach. Zuerst fingen wir ein
paar Rotaugen, die wir als Köder an unsere Posenmontagen anbrachten. Ob es am Wind lag oder an den Fischen selbst, weiß ich
nicht zu sagen, aber beide Posen trieben immer wieder in die rechte Seite der Bucht, wo sich ein großes Seerosenfeld
ausgebreitete hatte. Auf der Wasseroberfläche waren sie zwar noch nicht zu sehen, aber die Stängel der abgestorbenen Pflanzen
vom letzten Jahr ragten aus dem Wasser. Mein Köderfisch war schon ganz nahe an dem Pflanzendschungel dran und ich
entschloss mich, die Montage einzuholen und erneut etwas weiter nach links auszuwerfen. Doch ich bekam die Pose nicht frei. Sie
hatte sich im Kraut verfangen. In der Hoffnung, dass der Fisch sich aus dem Kraut fortbewegen würde, gab ich noch etwas
Schnur. Aber er wollte wohl nicht, hatte sich vielleicht auch hinter einem Stein versteckt. Ich zog nach mehreren vergeblichen
Versuchen so stark an der Schnur, dass sie riss. Die schwarze Raubfischpose stand weiterhin im Wasser, samt Vorfach und Köderfisch.
„Wenn deine Pose gleich abtaucht, dann hat sich ein Hecht deinen Köderfisch geholt“, sagte Achim grinsend zu mir. Ich war sehr
ärgerlich, dass ich diese schöne Pose nicht freibekommen hatte. Schnell montierte ich eine andere Pose auf die Schnur und warf
sie erneut mit einem quicklebendigen Köderfisch aus. Nun waren drei Posen auf der Wasseroberfläche zu sehen, aber nur zwei
Ruten im Wasser. Ein uriger Anblick. Nach einigen Stunden ohne den kleinsten Zupfer oder Biss packten wir unsere Sachen
wieder ein. Sehnsüchtig schaute ich auf meine schwarze Raubfischpose, die im Wasser geblieben war. Wir hatten schon fast alle
Sachen im Auto, als Achim eine Rute nahm, sie mit einem Stahlvorfach mit Drilling bestückte und auswarf. „Was machst du denn
jetzt?“ fragte ich ihn. „Ich versuche deine Pose frei zu bekommen.“ Nach einigen Versuchen gelang es ihm auch und ich hatte
meine Pose samt Vorfach und Drilling wieder. Der Köderfisch war jedoch nicht mehr dran.
Die Rückfahrt ging wieder über die Schotterstraße durch die Wälder. Achim hatte die digitale Kamera bereit, um einen
eventuellen Dachs oder auch ein paar Rehe oder Hasen zu fotografieren. Wir waren noch gar nicht weit gefahren, als er zu mir
sagte: „Halt an. Da steht ein Elch.“ „Wo?“ „Links am Straßenrand“, antwortete er. Ich sah zwar auch eine große dunkle Statur,
aber sie ähnelte mehr der Elchfigur im Bielefelder Bürgerpark. „Der ist doch nicht echt“, meinte ich zu Achim. „Den haben sie da
heute für die Touristen hingestellt“. Plötzlich bewegte die Statue ein Ohr! Wahrhaftig! Ein lebendiger Elch stand dort.
Ich konnte es nicht glauben. Achim fotografierte ihn erst durch die Windschutzscheibe und öffnete dann vorsichtig die Autotür. In
diesem Moment setzte sich der Elch in Bewegung und rannte über die Straße in das andere Waldstück. Dort blieb er erneut
stehen und sah sich um. Achim pirschte sich ein paar Schritte an ihn heran, um ein weiteres Foto zu machen. Doch der Elch muss ihn wohl gewittert haben. Er rannte weg und verschwand im Wald.
„Na, das ist doch was. Wenn wir schon keine Hechte fangen, dann haben wir wenigstens einen Elch gesehen. Aber Hechte wären mir eigentlich lieber....“
Do., 08.05.
Die Hälfte unseres Urlaubs lag hinter uns und wir hatten insgesamt erst 4 Fische gefangen. Normalerweise war das die Fangquote
für einen Tag. Aber wir konnten es nicht ändern. Die Fische wollte einfach noch nicht beißen. An uns und unserer Montage lag es jedenfalls nicht, da waren wir uns sicher.
Am Abend vorher hatten wir beschlossen den Wecker auf 5 Uhr zu stellen und – wenn es die Windverhältnisse zuließen – einmal ganz früh mit dem Boot rauszufahren.
Und welch ein Wunder! Es war absolut windstill. Als wir das Boot bestiegen war die Sonne schon aufgegangen. Der See war
vollkommen von Nebel umhüllt. Die Wasseroberfläche war spiegelglatt, so dass wir die Möglichkeit hatten, die springenden
Fische zu sehen. Wir schleppten bis ca. 11 Uhr um eine Steingruppe und eine kleine Insel herum. Aber weil sich einfach nichts tat,
fuhren wir zum Anleger zurück. „Wir können es ja heute am späten Nachmittag noch einmal versuchen“, meinte Achim. Unser
Anleger war schon in Sichtweite, als ich zu ihm sagte, dass wir es doch einmal in der anderen Richtung probieren sollten. Vielleicht
hatten wir dort mehr Glück und es ging uns ein Hecht an den Blinker. Wir fuhren nordöstlich am Ufer entlang. Zwischen den roten
Bojen, die das Naturschutzgebiet markieren, schleppten wir wieder. Ulli hatte uns auf der Inselkarte auch diese Route
eingezeichnet und gemeint, dass dort viele Hechte gefangen würden. Langsam kam wieder Wind auf und die Wasseroberfläche
kräuselte sich. Die Gegend war sehr schön. Wir kamen an einem großen Stein vorbei, der von Vögeln besetzt war. Eine ganze
Kolonie hatte sich dort breit gemacht. Ich geriet immer wieder ins Staunen, wenn ich die riesigen Steine aus dem Wasser ragen
sah, auf denen schon Gräser und kleine Bäumchen wuchsen. Wenn sie dann größer waren, wurde aus dem Steinfeld eine kleine Insel.
Wir schleppten fast weitere 5 Stunden, als wir beide auf dem Rückweg an der gleichen Stelle einen Hänger hatten. Wir drehten
um, um zu der Stelle zu fahren, wo sich die Kunstköder verfangen hatten. Ich hatte den kupferfarbenen doppelten Blinker am
Stahlvorfach und Achim einen der beiden Firetiger, die ihm Ulli freundlicherweise überlassen hatte. Bisher hatten wir unsere
Köder immer frei bekommen, doch dieses Mal war es unmöglich. „Da müssen sie ein Auto oder sonst was versenkt haben. Wenn
die Drilling hinter einem Stein wären, würden wir sie frei bekommen. Aber es geht nicht.“ Von unten war so ein kräftiger Zug,
dass ich schon Angst um unsere Ruten hatte. Nach einiger Zeit riss an beiden Ruten die Schnur und unsere Köder blieben
einschließlich 10 m Schnur auf dem Grund des Åsnen zurück. Achim griff zu seiner anderen Rute, montierte einen silbernen
Blinker dran und warf erneut aus. Ich hatte die Nase voll und schmollte. „Ich werfe erst wieder aus, wenn du einen Hecht
gefangen hast. Aber bisher sehe ich die ganze Arbeit als sinnlos an“, meinte ich murrend zu ihm. Während der langen Rückfahrt
schleppte Achim weiter ohne das er auch nur einen Biss hatte. Wir hatten morgens vorgehabt gegen Mittag wieder zurück zu sein
und daher keine Butterbrote mitgenommen. Nun machte sich zu allem Überdruss auch noch mein Magen bemerkbar. Eine
bescheidene Situation war das, um es milde auszudrücken. Kein Fisch, kein Essen, einfach nichts außer Wasser, Steine und Wind. Ein schöner Urlaub!
Oerlinghausen, den 28.05.2003
weiter zum .... Schwedenurlaub Teil 3
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