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Angelerlebnisse 2009
Teil 3
Jugendangeln am Hücker Moor mit dem ASV Dalbke e.V. vom 17. bis 19.07.2009
Musste es denn ausgerechnet dann wieder schlechtes Wetter geben, wenn wir am Hücker Moor angeln wollten? Es war nicht zu glauben!
Die ganze Woche war es sonnig und warm, aber für’s Wochenende hatte der Wetterbericht einen Temperatursturz von 25 auf 15° C vorhergesagt. Und es musste auch mit schweren Gewittern und Sturmböen gerechnet werden.
Für den Freitagnachmittag waren Regenschauer und örtliche Gewitter vorausgesagt und wir hofften inständig, dass wir unsere Angelsachen wenigstens trocken auf die Halbinsel bringen könnten.
Die ersten Regenschauer und Gewitter gab es am Freitag in Bielefeld schon um 8.30 Uhr. „Was jetzt runterkommt, kommt nachher nicht mehr“, dachte ich.
Gegen 10 Uhr wurde von Radio Bielefeld für die nächste Stunde eine Unterwetterwarnung mit Hagel, Starkregen und Sturmböen um die
100 km herausgegeben. Aber es kam dann doch nicht so schlimm. Zwar regnete es kurzfristig einmal kräftig, aber es gab keinen Sturm und auch die Gewitterfront zog an Bielefeld vorbei.
Als ich gegen 14 Uhr das Büro verließ war ich sehr gespannt, wie das Wetter am Hücker Moor sein würde. „Ich hoffe sehr, dass es dort
nicht regnet, wenn wir ankommen. Es wäre echt schade, wenn unsere Sachen schon beim Rüberbringen nass würden.“
„Mach dir keinen Kopf. Wenn es regnen sollte, dann warten wir eben bis er vorüber ist“, antwortete Achim.
„Ich bin mir sicher, dass die Fische auch nicht beißen werden. Die mögen dieses ständige Auf und Ab auch nicht.“
„Ach, Schatz. Sieh nicht alles so negativ. Wenn wir nicht angeln können bzw. die Fische nicht beißen, dann machen wir uns trotzdem ein schönes Wochenende.“
Wir hatten Glück. Bei trockenem Wetter kamen wir am Hücker Moor an. Thomas und die 6 Jugendlichen waren schon da. Als er uns
beim Moorstübchen stehen sah, schnappte er sich das Boot und kam zu uns rüber. Wir luden unsere Sachen ins Boot und Thomas
ruderte zur Hütte zurück. Einer der Jugendlichen half ihm beim Ausladen, während wir die nächsten Sachen aus unserem Auto zum Steg
brachten und auf die Rückkehr des Bootes warteten. Als alle unsere Sachen drüben auf der Halbinsel waren bauten wir zuerst einmal unser Zelt auf, wo Achim drin schlafen wollte.
Ich stellte meine Liege wie schon die letzten beiden Jahre zuvor in die Hütte.
Nachdem ich die Kaffeemaschine angemacht hatte suchte ich die Angelruten raus, mit denen ich angeln wollte. Ich entschied mich für die
kurze Spinnrute, an der eine kleine Pose angebracht war und meine 3,90 m lange Feederrute.
Kaum schwamm die Pose mit zwei Maden am Haken auf dem Wasser, tauchte sie auch schon ab. Wie schön, dachte ich, dass ich gleich
Köderfische fange. Doch als ich den Fisch am Ufer hatte wurde meine Freude etwas gedämpft, denn es hing eine 25 cm lange Brasse am
Haken. Sch…, die wollte ich doch nicht. Viel zu groß als Köderfisch. Und ansonsten wiederum viel zu klein. Ich behielt sie trotzdem –
vorsichtshalber, falls nichts Vernünftiges mehr beißen sollte – und setzte sie in den Köderfischeimer. Wenige Minuten später landete eine zweite Brasse von fast der gleichen Größe im Eimer.
„Na, mein Schatz, wie läuft’s denn?“ fragte mich Achim, als er mit dem Aufbauen seiner Angelruten fertig war.
„Ganz gut, aber bisher habe ich erst zwei kleine Brassen gefangen. Als Köderfische sind sie jedoch etwas zu groß.“
„Pack sie am besten in meinen Setzkescher. Das Wasser im Eimer wird zu schnell warm und dann sind die Fische platt.“
Die Idee fand ich gut und handelte dementsprechend. An der Feederrute tat sich nichts. Für die Würmer auf Grund interessierte sich kein
Fisch, aber das hatte ich auch nicht erwartet. Das heißt, ich hoffte dass sich ein schöner großer Aal dafür interessieren würde, aber dafür
war es noch zu früh am Tag. Vielleicht würde es ja am Abend etwas werden, tröstete ich mich.
Ich ging in die Hütte und machte mir mein Nachtlager zurecht. Dann goß ich mir eine Tasse Kaffee ein und ging wieder an meinen
Angelplatz. Ich hörte wie Thomas zu Achim sagte, dass die „Kids“ einen Aal gefangen hätten, so lang und dünn wie ein Schnürsenkel. Wo
kleine sind, da sind auch große, ging es mir durch den Kopf. Meine Hoffnung wuchs daraufhin.
Um den Köder zu kontrollieren holte ich die Feederrute rein. Tatsächlich waren die Würmer abgefressen, lediglich ein winziger Fetzen
hing noch am Haken. Sieh an, sie mögen also doch Dendrobenas. Schnell steckte ich ein paar neue auf den Haken und warf aus. Weit
konnte ich nicht auswerfen, denn hinter und neben mir standen hohe Bäume. Eigentlich wäre die 2,70 m lange Feederrute besser gewesen,
aber ich war zu faul eine andere zu holen. Außerdem spürte ich ein dumpfes Ziehen im Oberbauch. Was sollte dass denn schon wieder
sein? Bauchschmerzen brauchte ich hier nicht! Ich konzentrierte mich wieder aufs Angeln. Statt Maden steckte ich nun auch einen kleinen
Wurm an den Haken der Posenrute. Nachdem ich eine zeitlang vergeblich auf das Abtauchen der Pose gewartet hatte holte ich sie wieder
rein und stellte den Stopper etwas höher ein, damit das Vorfach tiefer im Wasser hing. Tatsächlich interessierte sich nun auch ein Fisch für
den Köder. Nachdem die Pose unter Wasser gezogen wurde schlug ich kurz an und holte ein. Statt der ersehnten Rotfeder hing ein
Kaulbarsch am Haken! Verflixt, den wollte ich doch auch nicht. Aber vielleicht war er gar nicht so schlecht und konnte als Köder für die
großen Räuber dienen. Ich warf ihn in Achims Setzkescher und steckte wieder zwei Maden auf den Haken. Erneutes Warten, während mein Bauch immer heftiger weh tat.
„Essen ist fertig“ rief Thomas aus der Hütte heraus. Zum Abendessen gab es Kartoffelsalat mit Heißwürstchen und Mettbrötchen.
Als wir mit dem Essen fertig waren fragte mich Achim: „Was ist los? Willst du kein Bier trinken?“ „Ach, ich weiß nicht so recht. Ich habe Bauchschmerzen. Vielleicht nachher. Jetzt noch nicht.“
Als ich wieder an meinem Angelplatz war holte ich zuerst meine Feederrute rein um den Köder zu kontrollieren. Da der Freilauf
eingeschaltet war und der elektronische Bissanzeiger stumm geblieben war hatte ich nicht mit einem Fisch am Haken gerechnet. Umso
mehr staunte ich, als ein kleiner Aal, so dünn wie ein Schnürsenkel, am Haken hing. Als ich den Haken aus seinem Maul entfernen wollte,
wand sich der kleine Aal in meiner Hand. Er entwickelte eine Kraft, die ich ihm nicht zugetraut hätte. Kaum warf er vom Haken befreit
fiel er mir aus der Hand und landete auf dem Boden. Ich wollte ihn greifen und ins Wasser zurück setzen, doch er war schon von alleine darin verschwunden.
Statt der Dendrobenas steckte ich nun zwei dicke Tauwürmer auf den Haken und warf die Feederrute erneut aus. Warum ich nicht mit
Futterkorb geangelt habe weiß ich selber nicht zu sagen. Ich hatte genügend Futter zum Anmischen gekauft und auch mitgenommen.
Auf den Haken der Posenrute steckte ich dieses Mal gleich 5 Maden. Kurze Zeit später hing endlich eine schöne Rotfeder am Haken.
Aber sie hätte ruhig etwas kleiner sein können. Am liebsten wären mir 8 bis 10 cm gewesen, doch diese hatte fast 20 cm.
Bevor ich den Haken erneut beköderte ging ich in die Hütte um in meiner Tasche nach einem Medikament gegen Bauchschmerzen zu
suchen. Doch ich hatte nichts Passendes mitgenommen. Mit Bauchschmerzen hatte ich ja nun auch wirklich nicht gerechnet. Soviel stand
fest: mein Gallenstein war es nicht, der mir Schmerzen bereitete. Doch woher sie kamen wusste ich (vorerst) nicht.
So richtig konnte ich mich aufs Angeln nicht konzentrieren. Ein letztes Mal für diesen Tag beköderte ich den Haken der Posenrute – und
fing gleich darauf eine weitere Rotfeder. Natürlich war auch diese wieder größer als ich es mir gewünscht hätte.
Ich legte die Posenrute zur Seite und holte meine Rhino-Rute aus der Tasche. Dann gab mir Achim eine Unterwasserpose mit einem Einzelhaken, auf den ich einen toten Köderfisch steckte.
Bevor es dunkel wurde brachten Achim und Thomas mit dem Boot unsere Montagen mit den Köderfischen raus.
Gott sei Dank waren nun keine Bootsfahrer mehr auszumachen. Tagsüber stören sie einen doch ganz schön, besonders dann, wenn sie nicht auf die im Wasser liegenden Schnüre achten.
Ich setzte mich zu Achim und stand nach einiger Zeit wieder auf um mir ein Bier aus dem Kühlschrank zu holen. Meine Bauchschmerzen
waren etwas schlimmer geworden und so richtig schmeckte mir das Bier auch nicht. Als ich die Flasche ausgetrunken hatte ging ich in die
Hütte und legte mich auf die Liege. Ich war zwar müde, aber die Bauchschmerzen ließen mich nicht schlafen. Nach etwa einer halben
Stunde ging ich auf die Toilette. Als ich wieder raus kam stand Achim vor mir. „Wie geht’s dir? Hast du immer noch Bauchschmerzen?“ „Ja. Jetzt habe ich auch noch Durchfall bekommen!“
Ich legte mich wieder auf die Liege. Plötzlich wurde mir übel. Ich wartete, dass Achim endlich von der Toilette kommen würde. Er hatte
gerade die Tür geöffnet, als ich mich auch schon übergeben musste. Ich kotzte wie ein Reiher!
Danach ging es mir ein wenig besser. Achim blieb in der Hütte sitzen und wartete bis ich endlich eingeschlafen war. Dann ging er in sein Zelt.
Am anderen Morgen wachte ich gegen 6.30 Uhr auf. Ich hatte immer noch Schmerzen im Oberbauch. Aber sie waren erträglich.
Nachdem ich die Kaffeemaschine eingeschaltet hatte ging ich zu meinen Angelruten. Wie erwartet hatte sich in der Nacht nichts getan.
Den Köderfisch hatte keiner angerührt, die Würmer waren jedoch vom Haken gefressen. Ich stellte beide Ruten zur Seite und holte mir
die kürzere Feederrute mit Schwingspitze aus meiner Rutentasche. Ich wählte ein Wurmvorfach und steckte 4 Dendrobenas auf den
Haken. Nachdem ich den Köder ausgeworfen hatte legte ich die Rute in den elektronischen Bissanzeiger. Als zweite Rute wählte ich
wieder die kleine Spinnrute mit der kleinen runden Pose. Auf den 14er Haken steckte ich 2 Maden. Ich beobachtete wie die Pose auf dem Wasser tanzte und wartete, dass sie abtauchte. Doch es tat sich nichts.
Ich schaute nach Achim. Er lag immer noch in seinem Zelt und schlief tief und fest. Leise entfernte ich mich und setzte mich wieder auf meinen Angelstuhl. Thomas bereitete inzwischen in der Küche das Frühstück vor.
Als der Frühstückstisch gedeckt war lagen die Kids immer noch in ihren Zelten. Thomas ging zu ihnen und scheuchte sie von ihren Liegen.
Verschlafen kamen sie in die Hütte und setzten sich an den Tisch. Sie hatten in der Nacht nicht viel gefangen, waren aber sehr lange auf gewesen.
Beim Frühstück erfuhr ich, dass unser Jugendwart Thorsten, der erst am späten Freitagabend zum Angeln kam, in der Nacht einen interessant gezeichneten Babywels gefangen hatte.
Auch Ulli, unser Stellv. Jugendwart hatte nach einigen Fehlbissen glück und konnte einen schönen Aal landen.
Obwohl ich die Köder immer wieder erneuerte tat sich den ganzen Vormittag nichts. Die Temperatur war gegenüber dem Vortag um
einige Grad gesunken. Sicher war das nicht spurlos an den Fischen vorbei gegangen. Um erfolgreich zu fangen, sollte eine stabile
Wetterlage herrschen, hatte ich einmal gehört. Davon konnte in diesem „Sommer“ keine Rede sein. Entweder war es heiß und schwül oder es war kalt und regnerisch. Kein Tag glich dem anderen. Ständig ging es auf und ab.
Trotz meiner Bauchschmerzen schmeckte mir das Mittagessen. Bärbel, Thomas Frau, hatte eine Bolognesesoße zubereitet. Achim stellte sich an den Herd und kochte 3 kg Spaghetti.
Als alle satt und die Küche aufgeräumt war widmeten wir uns wieder unseren Angelruten. Ich verstellte den Stopperknoten an meiner
Posenrute und hatte kurz darauf einen Hänger. Da ich die Pose nicht verlieren wollte wartete ich darauf, dass die beiden Jungs, die gerade
mit dem Boot auf dem Wasser unterwegs waren, sie befreien würden. Als sie das Boot am Steg festmachen wollten rief ich sie zu mir:
„Jungs, versucht doch bitte einmal meine Pose los zu bekommen.“ Yassin ruderte ganz nahe an die Pose heran, während …. ins Wasser
griff um sie frei zu bekommen. Einen Moment später hielt er sie in der Hand. Ich war überrascht, als ich sah, dass ein Kaulbarsch am Haken hing!
Schon am Vortag hatte ich gehört, dass sich in der Nähe des Schuppens mehrere Bisamratten aufhalten würden. Ratten beim Angeln sind nichts Neues, daher interessierte ich mich nicht weiter dafür.
Doch als ich sah, dass Achim seinen Fotoapparat nahm um die Ratten zu filmen, ging ich ebenfalls dort hin. Die beiden jungen Bisamratten
ließen sich beim Grasfressen nicht stören. Sie waren so possierlich, dass ich sie am liebsten gestreichelt hätte!
Als wir wieder an unserem Angelplätzen waren verdunkelte sich der Himmel und es kam heftiger Wind auf. In Anbetracht des
bevorstehenden Regenschauers stellte ich meinen Stuhl und meine Angelkiste in die Hütte. Anschließend ging ich zu Achim und stellte mich
unter seinen Schirm. Kaum saß ich neben ihm, goss es auch schon wie aus Kübeln! Der Schauer war zwar sehr heftig, war jedoch nach wenigen Minuten wieder vorbei.
Ich wartete noch ein paar Minuten, dann ging ich in die Hütte und holte meinen Angelstuhl und meine Gerätekiste ins Freie. Ich setzte mich
in meinen Stuhl und beobachtete die Schwinge der Feederrute. Hatte ich mich getäuscht oder bewegte sie sich tatsächlich ganz leicht nach
vorne? Ich wartete eine ganze Weile, dann holte ich sie rein. Wie ich es mir schon gedacht hatte, waren die Würmer vom Haken gefressen
. Also hatte ich mich nicht getäuscht. Vielleicht sollte ich lieber sofort anschlagen, wenn ich einen Biss oder Zupfer bemerkte. Würmer
abfressen lassen wollte ich mir auch nicht. Ich beköderte den Haken mit frischen Würmer und warf erneut aus. Ich legte die Rute ab und
widmete mich der Posenrute. Wie es schien, interessierten sich die Fische für Würmer. Also steckte ich statt Maden dieses Mal auch
Würmer auf den Haken, in der stillen Hoffnung, dass sich ein Aal – natürlich kein Schnürsenkel! – oder auch ein Barsch dafür
interessieren würden. Ich schaute der Pose zu wie sie ganz langsam auf der Wasseroberfläche schwamm. Nach einer ganzen Weile holte ich sie resigniert wieder rein. Den anderen Köder ließ ich auf Grund liegen.
Thomas und Ulli hatten den Grill angezündet und Fleisch und Würstchen drauf gelegt. Es roch gut und ich hatte auch etwas Hunger, aber ich traute mich nichts zu essen.
Stattdessen kochte ich mir einen Früchtetee. Ich wünschte mir, dass meine Bauchschmerzen endlich aufhörten und vor allen Dingen, dass ich die Nacht ruhig schlafen könnte.
Nach dem Abendessen setzte ich mich zu Achim. „Geht es dir etwas besser?“ fragte er mich. „Ich weiß noch nicht“ antwortete ich. „Ich
werde mir jetzt eine Flasche Bier holen. Vielleicht geht es gut, wenn nicht – auch egal.“
Kurz nach 22 Uhr legte ich mich schlafen. Es dauerte sehr lange bis ich einschlief, denn nicht nur die immer noch auftretenden Bauschmerzen störten mich, auch dass ständig jemand in die Hütte kam.
Am anderen Morgen fühlte ich mich jedoch schon wesentlich besser. Natürlich schlief noch alles, als ich die Kaffeemaschine anmachte
und nach meinen Ködern sah. Die Nacht war ruhig geblieben, d.h. keiner hatte etwas gefangen.
Nach dem Frühstück ging es ans Packen. Es war schon fast Mittag, als auch wir endlich unsere Angelsachen und das andere Gepäck mit
dem Boot zur anderen Seeseite bringen konnten. Dieses Mal kümmerte ich mich nicht ums Aufräumen der Hütte. Dafür waren die Kids zuständig.
Als Thomas uns fragte, ob wir in 4 Wochen beim Jugendangeln an der Orbke auch dabei sein würden, antworteten wir: „Selbstverständlich. Wir freuen uns schon darauf!“
Zuhause las ich im Beipackzettel des neuen Medikamentes, welches ich Donnerstagabend eingenommen hatte, dass sehr häufig Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen sind.
Oerlinghausen, den 31.07.2009
Fischzubereitung einmal anders: Dorsch nicht gebraten oder gedünstet
Achim macht regelmäßig im Deutschlands Angler Forum beim DAF-Jahresrätsel mit.
Beim letzten Mairätsel konnten sich alle Teilnehmer einen Artikel von der Webseite: Matjes-Hering www.matjes-hering.de aussuchen. Achim wählte den Seelachsreifer.
Auf der Webseite heißt es dazu: “Zaubern Sie doch einfach mal aus Ihren Fischen leckere Seelachsschnitzel
Nehmen Sie dazu Filets von Pollack/Köhler Wittling oder Dorsch Selbstverständlich können Sie auch einheimische Süßwasser Fische nehmen”
Hier Achims Bericht: Wie aus Dorschfilets Seelachsschnitzel werden:
Am vergangenen Sonntag bin ich nun endlich dazu gekommen den Seelachsreifer von Matjes Hering Frank auszuprobieren.
Dazu verwendete ich 2 Tüten vakuumierte Dorschfilets. Diese Dorsche hatte ich am 2. Januar in der Neustädter Bucht bei - 3 Grad gefangen und mußten nun langsam verarbeitet werden.
Die Fischfilets hatten ein Gesamtgewicht von 1500 Gramm.
Nachdem die Filets fast aufgetaut waren, befreite ich sie von der Haut und den verbliebenen Gräten. Dann schnitt ich sie in möglichst dünne Scheiben.
Nun vermischte ich einen Liter Wasser mit dem Seelachsreifer, dem Farbstoff, sowie 100 Gramm Meersalz, das wir im Frühjahr von den Salinenanlagen bei Las Salinas de Janubio aus Lanzarote mitgebracht hatten.
Im Rezept waren 100-180 Gramm angegeben, aber ich wollte noch etwas von dem Fisch schmecken, deshalb nur 100 Gramm.
Außerdem , fügte ich noch 3 Tropfen von dem Hickory Raucharoma hinzu, um eine leichte Rauchnote zu erhalten. Diese Mischung füllte ich mit den vorbereiteten Filets in eine Glasschüssel.
Die Schüssel kam nun abgedeckt für 3 Tage in den Kühlschrank und ich rührte die Lake 2 mal am Tag um. Gestern kam dann der große Augenblick.
Die Seelachsschnitzel ließ ich über ein Küchensieb abtropfen, spülte sie kurz mit kaltem Wasser ab und presste sie mit der Hand aus.
Dann füllte ich sie Portionsweise in leere Marmeladengläser und goss diese mit Sonnenblumenöl auf.
Jetzt ging es ans Probieren. Uschi und ich waren sehr gespannt, wie die Seelachsschnitzel wohl schmecken würden.
Wir hatten extra frisches Vollkornbrot gekauft und ich hatte eine Gemüsezwiebel in feine Ringe geschnitten. Dazu gab es Spreewaldgurken.
Unser Urteil: EINFACH LECKER!!! Wir waren begeistert. Die Filets hatten einen leicht rauchigen - salzigen Geschmack, wobei auch der Dorschgeschmack nicht zu kurz kam.
Ist mal etwas anderes als gebratener oder gedünsteter Dorsch. Klasse!
Oerlinghausen, den 04.08.2009
Herbstdorsche aus der Brandung
Wir hatten schon vor längerer Zeit geplant im Herbst wieder nach Dahme zum Angeln zu fahren. Leider fielen alle Feiertage im Oktober
und November so ungünstig, dass es fast egal war, welches Wochenende wir fahren sollten. Letztendlich entschieden wir uns für die Zeit vom 22. bis zum 26.10.2009.
Donnerstagmorgen fuhren wir erst noch einmal ins Büro, wo wir gegen 13.30 Uhr Feierabend machten. Da wir unsere Angelsachen
schon einen Tag zuvor in mein Auto gepackt hatten, mussten nur noch wenige Sachen im Auto verstaut werden.
Eine Minute nach 15 Uhr fuhren wir los. Obwohl wir gleich kurz hinter der Autobahnauffahrt Bielefeld in einen Stau kamen, kamen wir insgesamt doch recht flott voran. Nach 3 ½ Stunden kamen wir in Dahme an.
Nachdem wir die Ferienwohnung bezogen hatten setzten wir uns wieder ins Auto und fuhren zum Restaurant „Kum-Luk“, welches in der
Nähe des Campingplatzes liegt. Seit unserem letzten Besuch im Frühjahr waren einige neue Schnitzelgerichte hinzugekommen.
Während wir uns das Schnitzel schmecken ließen erfuhren wir von der Wirtin, dass dieses Wochenende das letzte sei. Erst zu
Weihnachten würden sie wieder öffnen. Und – wenn alles nach ihren Wünschen verlaufen würde – würden sie im nächsten Jahr neue Räume im Zentrum von Dahme beziehen.
Auf dem Weg zu unserer Ferienwohnung hielten wir kurz an der Seebrücke an. Wie wir erwartet hatten sahen wir auf der Brücke viele
Angler stehen. Eine Zeitlang schauten wir ihren zu, dann verließen wir sie wieder. Während der ganzen Zeit hatte keiner auch nur einen Fisch gefangen.
Am anderen Morgen fuhren wir nach dem Frühstück nach Grömitz. Leider hatte der Angelladen, in dem wir Köder kaufen wollten, geschlossen. Ich war enttäuscht. „Und jetzt? Was machen wir jetzt?“ fragte ich Achim.
„Tja. Dann bekommen wir eben keine Köder. Wenn wir schon mal hier sind laufen wir ein bisschen durch Grömitz. Du kennst Grömitz doch nicht, oder?“ Ich antwortete „Nein.“
Achim meinte: „Dann bummeln wir ein bisschen durch den Ort. Grömitz hat auch eine Seebrücke. Da gehen wir erst einmal hin. Und
vielleicht können wir später auch irgendwo etwas essen.“ Seit August gibt es auf der Seebrücke eine Tauchglocke, die mehrmals täglich
mit jeweils bis zu 30 Gästen in dreieinhalb Meter Tiefe abtaucht.. Acht Euro für Erwachsene und fünf Euro für Kinder kostet der Ausflug
in die Unterwasserwelt der Ostsee. Dort können die Teilnehmer die Unterwasserwelt beobachten und etwas über die Meeresbewohner
lernen. Wir haben diese Tauchfahrt aber nicht mitgemacht und haben uns statt dessen auf dem Rückweg zum Auto ein leckeres Fischbrötchen gegönnt.
Als wir wieder in Dahme waren legten wir uns noch ein wenig aufs Ohr. Danach machten wir einen Spaziergang zum Taucherparkplatz.
Dort trafen wir Ute mit ihren Angelfreunden an. Sie standen mit der Wathose im Wasser und blinkerten. Ab und zu ging ihnen auch
tatsächlich ein Dorsch an den Haken. Aber es waren alles Babydorsche, die sie fingen. Als Ute einen untermaßigen Dorsch an den
Strand brachte, da er zu tief geschluckt hatte, sagte sie zu uns “zieht doch eure Wathosen an und kommt mit ins Wasser”.
Aber dazu hatten wir jetzt auch keine Lust mehr und so verließen wir die Angler. Wir schlenderten eine Weile auf der Promenade und
setzten uns dann in die Milchbar. Weil ich großen Appetit auf Fisch hatte wählte ich ein Dorschfilet mit Bratkartoffeln aus. Auch Achim entschied sich für dieses Gericht.
Wir hatten für den nächsten Morgen in Neustadt ein Boot gemietet und ich freute mich schon auf die Tour. „Hoffentlich fange ich morgen auch ein paar Fische“, meinte ich zu Achim.
„Warum soll das nicht klappen“ fragte er zurück. „Ich meine ja nur. Letztes Mal habe ich nicht einen einzigen Fisch gefangen. Da war ich so frustriert, dass ich eigentlich nicht wieder raus fahren wollte.“
„Ach komm! Du hast doch sonst auch immer gut gefangen. Das wird schon klappen. Wir versuchen erst ein paar Dorsche zu fangen und dann fahren wir zu der Stelle, wo die Plattfische stehen.“
Selten hatten wir trockenes Wetter, wenn wir frühmorgens nach Neustadt fuhren. Meistens nieselte, regnete oder schneite es. Doch an diesem Morgen hatte Petrus ein Einsehen mit uns. Es war und blieb trocken!
Als wir in Neustadt unseren Wagen abstellten fuhren schon die ersten Boote hinaus. Während Achim in den Angelladen ging um die
Utensilien für das Boot zu holen packte ich schon unsere Angelsachen aus und brachte sie in die Nähe des Bootes. Ich steckte noch an
Land meine Angelruten zusammen und reichte sie Achim ins Boot. Als wir alles im Boot hatten verließen wir bei ruhiger See den Hafen.
Achim steuerte das Boot an eine Kante mit ca. 14 Meter Tiefe. Hier hielten wir an und bestückten die Haken mit je einem Wattwurm.
Viel tat sich auf dem Echolot nicht, trotzdem probierten wir unser Glück. Kaum war der Köder auf dem Grund angekommen schnappte
ihn sich auch schon einer. „Ich hab einen!“ meinte Achim. „Was ist es denn?“ fragte ich zurück. Als Antwort kam: „Keine Ahnung. Der zieht jedoch sehr schön.“
Wenig später kam ein kleiner Dorsch zum Vorschein. Auch mir ging kurz darauf ein kleiner Dorsch an den Haken.
Leider waren sie nicht immer mäßig und so beschlossen wir die Stelle zu verlassen und eine andere aufzusuchen.
Damit der Köderwechsel schnell vonstatten gehen konnte zog ich immer gleich mehrere Wattwürmer auf die lange Wurmnadel. Als wir an
einer anderen Stelle hielten schaute Achim aufs Echolot und meinte: „Lass schnell den Köder runter. Auf dem Echolot wimmelt es nur so
von Fischen!“ Gesagt, getan. Kurz darauf hing ein weiterer Dorsch am Haken. Ab und zu bekamen wir auf beiden Ruten gleichzeitig eine Meldung und mussten zusehen, dass wir uns nicht in die Quere kamen!
Achim schaute immer wieder auf das Echolot. Als er darauf einen großen Fischschwarm sah rief er mir zu: „Unter uns ist ein großer
Schwarm Fische zu sehen. Das könnten Heringe sein. Nimm eine andere Rute und mach ein Heringsvorfach dran.“
Ich nahm meine Bavaria-Stick-Rute, bestückte sie und reichte sie Achim mit den Worten rüber: „Nimmst du bitte die Rute. Wenn Heringe dran hängen mache ich sie ab.“
Achim nahm die Rute, ließ das Vorfach mit dem Heringsblei zum Grund abtauchen und zupfte dann die Rute. Es dauerte gar nicht lange und der erste Hering hing am Haken!
Wir angelten eine gute halbe Stunde, dann wechselten wir die Stelle.
Immer wenn wir anhielten und unsere Ruten auswarfen dauerte es nicht lange und die anderen Boote kamen uns hinterher – jedenfalls
hatten wir diesen Eindruck, denn wo wir auch angelten, die anderen waren um uns herum.
Bevor wir wieder im Hafen waren nahm Achim die Fische aus. Er mußte dabei höllisch aufpassen, daß ihm die hungrigen Möwen nicht die Filets aus den Händen rissen.
Wir zählten 6 maßige Dorsche, ca. 40 Heringe und 20 schöne Wittlinge. Als wir im Hafen ankamen wartete schon Michael auf uns. Er war vor einiger Zeit an der Halswirbelsäule operiert worden und zur Zeit
noch krank geschrieben. Anderenfalls wäre er mit uns hinaus gefahren, aber so musste er sich noch schonen bzw. durfte keine Erschütterungen erleiden.
Bevor wir uns auf den Rückweg nach Dahme machten gingen wir in Klüvers Brauhaus um unserer Durst zu löschen.
Wieder in der Ferienwohnung froren wir erst einmal die Fische ein. Dann duschten wir und zogen uns um, weil wir ins Griechische
Restaurant Akropolis wollten. Wir hatten tags zuvor telefonisch für 19.30 Uhr einen Tisch reserviert. Wie immer war es dort sehr voll. Es
dauerte auch ein Weilchen bis wir einen Tisch zugewiesen bekamen. Aber das Warten hatte sich gelohnt. Das Essen war reichlich und schmeckte uns sehr gut.
Sonntagmittag fuhren wir nach Kellenhusen. Wir machten bei angenehmen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein erst einmal einen Spaziergang auf der Promenade bevor wir in ein Restaurant einkehrten.
Als wir an einigen Boutiquen vorbei bummelten überkam mich plötzlich das Einkaufsfieber, was mir eigentlich relativ selten geschieht. Ich
betrat ein Geschäft wo mir mehrere Sachen auf Anhieb gefielen. Ich kaufte mir tatsächlich gleich 3 Pullis und eine Strickjacke. Da wir
noch ein paar Schritte laufen wollten ließ ich meinen Einkauf so lange im Laden zurück.
Als wir wieder auf der Promenade standen fragte Achim: „Was meinst du? Sollen wir uns mal die anderen Speisekarten anschauen?“ „Ich dachte wir wollten im Passat essen?“ erwiderte ich.
„Schon. Aber vielleicht finden wir ja ein anderes Restaurant, dass ebenfalls gut ist.“
Wir schauten uns in den Schaukästen ein paar Speisekarten an. Als wir nichts fanden, was uns lockte beschlossen wir doch wieder zum Restaurant „Passat“ zu gehen. Draußen lasen wir, dass es „Sauerfleisch vom Wildschein mit Bratkartoffeln“ gab. Wir bestellten es und
waren gespannt, um was es sich dabei handeln würde. Das Fleisch war in Aspik eingelegt und wurde kalt serviert. Es schmeckte – wie immer – einfach köstlich!
Nach dem Essen gingen wir noch einmal zurück in den Laden, wo ich die Pullis gekauft hatte. Als wir wieder in unserer Ferienwohnung
waren merkte ich, dass ich etwas müde war. Achim wollte gerne zum Angeln an den Strand, aber ich hatte nicht so richtige Lust dazu. Außerdem wollte ich um 20.15 Uhr den „Tatort“ schauen.
Als Achim das hörte meinte er, dann würde er eben alleine gehen, was mir auch nicht behagte. Ich lege mich erst ein wenig aufs Ohr. Dann komme ich mit. Nach kurzer Zeit stand ich wieder auf.
„Was ist? Kannst du nicht schlafen?“ fragte Achim als ich ins Wohnzimmer kam. „Nein. Ich komme doch mit zum Angeln“, antwortete ich.
Als wir unseren Wagen am Taucherparkplatz abstellten waren noch einige andere Angler im Wasser. Auch an der Stelle, wo Achim
unsere Köder rausbringen wollte, standen zwei Angler. Gezwungenermaßen mussten wir weiter nach rechts ausweichen. Dort war aber
eine Sandbank in ca. 70 Meter vor dem Strand. Da wir mit unseren Feederruten aber nicht über diese Sandbank hinaus werfen konnten, wollte Achim bis zur Sandbank hinauswaten.
Es fing schon zu dämmern an, als Achim mit seiner Angelrute in der Hand ins Wasser ging. Als er auf der ersten Sandbank stand warf er
den Köder aus. Mit offenem Rollenbügel kam er zurück zum Ufer. Inzwischen hatte auch ich meine Feederrute fertig montiert. Achim
nahm sie und war gerade ein paar Meter gegangen, als das Glöckchen an seiner Rute bimmelte. „Achim!“ rief ich ihm hinterher. „Du hast einen Biss!“
„Schön. Aber ich bringe jetzt erst deine Montage raus. Der Fisch muss eben solange warten bis ich wieder zurück bin.“
Etwas aufgeregt schaute ich abwechselnd zu Achim und dann zu seiner Rute. „Hoffentlich beißt jetzt kein Riese an!“ dachte ich.
Als Achim endlich wieder bei mir war nahm er sofort seine Rute in die Hand und drillte den Fisch ans Ufer. Obwohl er gerade mal das
Mindestmaß erreicht hatte machte er einen riesen Rabatz, so dass wir erst dachten wir hätten Wunders was für einen großen Fisch am Haken.
Achim bestückte den Haken neu und wollte sich gerade wieder auf den Weg zur Sandbank machen als ich eine Meldung hatte. „Schatz, warte bitte bis ich den Fisch gelandet habe“ bat ich Achim.
Ich nahm meine Rute in die Hand und fing zu drillen an. Ich drillte einen Moment und war überrascht, dass es so anstrengend war. „Schatz, komm, drill bitte weiter. Das schaffe ich nicht!“
„Nein, das mach mal alleine. Ich habe genug getan. Was meinst du wie anstrengend es ist durchs Wasser zu waten und die Köder rauszubringen?“
„Hm. Muss ich wohl!“ murrte ich. Auch mein Fisch war nicht besonders groß aber kampfstark.Im Laufe des Abends hatten wir jedes Mal
an jeder Rute mindestens einen Dorsch am Haken, so dass ich nach gut 2 Stunden mit dem Angeln Schluß machen wollte.
„Achim. Meinst du nicht auch, dass wir genug gefangen haben?“ fragte ich ihn. „Ja. Wir können einpacken. Ich bin auch geschafft. Das Laufen im Wasser strengt doch ganz schön an“ erwiderte Achim.
„Wenn wir jetzt Schluss machen, dann kann ich gleich sogar noch den Krimi gucken, während du die Fische für die Truhe fertig machst.“
Am nächsten Morgen tat mir doch tatsächlich mein rechter Arm etwas weh. Dabei waren es doch gar nicht soooo viele Fische gewesen,
die ich drillen musste! Ich hatte nicht gedacht, dass Brandungsangeln so viel Spaß machen würde. Aber die meiste Arbeit hatte Achim
gehabt, als er unsere Ruten erst ein ganzes Stück durchs Wasser schleppte bevor er sie auswarf. Den letzten Urlaubstag ließen wir auch ganz ruhig angehen.
Am anderen Morgen packten wir in aller Ruhe unsere Sachen zusammen. Wir kamen auf der Autobahn recht gut voran und waren gegen 16 Uhr wieder zu Hause.
Auch wenn wir nur ein paar Tage in Dahme gewesen sind, so ist der Erholungseffekt doch immer sehr gut. Ich freue mich schon jetzt auf
die Tage nach Weihnachten. Wie schon im letzten Jahr werden wir bis ins Neue Jahr bleiben und Sylvester auf der Seebrücke feiern – wenn’s der Wettergott gut mit uns meint!
Oerlinghausen, den 09.12.2009
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